Der kleine Gletscher am Bergkamm der Bella Tola im Kanton Wallis ist in diesem Sommer vollständig verschwunden. Wie Bilder belegen, die nun der Westschweizer Zeitung Le Nouvelliste vorliegen, ist von der einstigen Schneemasse Anfang August 2026 nur noch Geröll zu sehen. Wo 2010 noch Eisreste lagen, bleibt heute blankes Felsmaterial.
Hitze und Trockenheit setzen Gletschern zu
Der Hitzesommer 2026 hat in weiten Teilen Westeuropas und auch in der Schweiz zu aussergewöhnlich hohen Temperaturen und anhaltender Trockenheit geführt. Mehrere Hitzewellen seit Juni haben in Tallagen neue Temperaturrekorde gebracht; in Basel fiel sogar der Allzeit-Temperaturrekord. Diese Bedingungen beeinflussen nicht nur Landwirtschaft und Wälder, sondern wirken sich auch im hochalpinen Raum stark aus.
Gletscher, die bereits in den vergangenen Jahrzehnten deutlich an Masse verloren haben, reagieren besonders empfindlich auf solche Extremjahre. Das Abschmelzen beschleunigt sich, wenn hohe Temperaturen mit geringer Niederschlagsmenge zusammentreffen. Der Falter dieser Entwicklung zeigt sich aktuell am Beispiel der Bella Tola.
Was die Fotos dokumentieren
Vergleichsaufnahmen aus August 2021 und Juni 2025 zeigen den rapiden Rückgang der Eismassen; die neuesten Aufnahmen von Anfang August 2026 dokumentieren den vollständigen Verlust. Dort, wo noch vor einigen Jahren Eis oder Firn sichtbar war, liegt heute Geröll. Für lokale Bergbewohnerinnen, Touristinnen und Fachpersonen ist dies ein sichtbares Zeichen des Klimawandels in den Walliser Alpen.
«Es sind die schlimmsten Bedingungen für das Abschmelzen der Gletscher»
Der Schneeforscher Robert Bolognesi wird in Berichten zitiert und macht damit deutlich, dass das Jahr aussergewöhnliche Voraussetzungen für die Gletscherschmelze geschaffen habe. Solche Beobachtungen stimmen mit Meldungen aus anderen Alpenregionen überein: Permafrost taute stärker auf, Bergflanken verlieren an Stabilität, und es kam bereits zu grossen Felsstürzen, wie zuletzt am Matterhorn.
Lokale Folgen und Gefahren
Das Verschwinden eines Gletschers hat mehrere Folgen vor Ort. Kurzfristig verändert sich die Optik von Landschaften, langfristig können Wasserhaushalt, Biodiversität und geomorphologische Prozesse betroffen sein. Wenn Permafrost auftaut, nimmt die Festigkeit vieler Hänge ab; das erhöht das Risiko für Felsabbrüche und Murgänge. Solche Gefahren nehmen in zahlreichen alpinen Tälern zu.
- Hydrologie: Schmelzwasserquellen verändern sich, saisonale Abflüsse können stärker schwanken.
- Gefahren: Zunahme von Felsstürzen und Murgängen durch Permafrostschwund.
- Tourismus: Wandel der Berglandschaft beeinflusst Wanderrouten und das alpine Erleben.
Ein Einzelschicksal, ein Trend
Der Verlust des Bella-Tola-Gletschers ist symbolisch: Viele kleine Restgletscher in den Alpen stehen an einem Wendepunkt. Während grosse Gletscher noch Reserven haben, sind kleinere Eisfelder besonders anfällig für einzelne, sehr warme Sommer. Dadurch werden Landschaften in kurzer Zeit markant verändert.
Für Gemeinden und Alpverantwortliche bedeutet dies: Beobachten, dokumentieren und Risikobereiche identifizieren. Lokale Behörden, Bergführerinnen und Forscherinnen sind gefordert, Wege und Zonen auf Gefährdung zu prüfen und gegebenenfalls Schutzmassnahmen oder Umleitungen für den Berg- und Sommertourismus zu planen.
Was die Zukunft bringen könnte
Ein einzelnes Ereignis sagt noch nichts über längerfristige Entwicklungen, doch die Häufung extremer Sommerjahre spricht eine deutliche Sprache. Ohne deutliche Reduktion der globalen Treibhausgasemissionen ist mit weiteren Rückgängen der Gletschermassen zu rechnen. Für die Bevölkerung im Wallis heisst das: Vorbereitung auf eine veränderte Gebirgswelt, die sich in kurzer Zeit sichtbar wandelt.
| Jahr | Beobachtung |
|---|---|
| 2010 | Kleiner Rest aus Schnee und Eis dokumentiert |
| 2021 | Fotodokumentation zeigt noch vorhandene Eismassen |
| 2025 | Weiterer Rückgang sichtbar |
| 2026 (Anfang August) | Gletscher laut Fotos vollständig verschwunden; nur Geröll |
Die dokumentierten Etappen verdeutlichen, wie rasch sich alpine Landschaften ändern können. Behörden, Wissenschaft und lokale Akteure stehen vor der Aufgabe, diese Entwicklungen sachlich zu begleiten und Anpassungsstrategien zu entwickeln.
Die Bilder vom Verschwinden des Bella-Tola-Gletschers sind nicht nur ein lokales Naturschauspiel, sie sind Mahnung und Anlass zur Diskussion über Klimapolitik, Naturgefahren und die Zukunft der Alpenregionen. Während Wanderinnen und Touristinnen die veränderte Landschaft betrachten, läuft die Forschung weiter: Vermessungen, Monitoring und Risikoanalysen liefern die Grundlagen für das weitere Vorgehen.
Für das Wallis und seine Bergwelt bleibt die Herausforderung, die Balance zwischen Naturschutz, Sicherheit und touristischer Nutzung in einer sich schnell wandelnden Umwelt zu finden.