Der Walliser Schauspieler und Autor Johannes Millius hat am NordArt‑Theaterfestival in Stein am Rhein den diesjährigen Nachwuchspreis Jungsegler gewonnen. Ausgezeichnet wurde seine Eigenproduktion «Im Abgang lebhaft», die die Jury durch eine Kombination aus präziser Bühnenarbeit, sprachlicher Klarheit und komödiantischer wie poetischer Tonlage überzeugte.
Ein Stück zwischen Liebe und Vergänglichkeit
In seinem Einmannabend bewegt sich Millius nach Angaben der Festivaljury mühelos zwischen Kondolieren und Kollabieren, zwischen Schalk, Poesie und stiller Wehmut. Das Stück erzählt «auf höchst persönliche Weise» von Leben und Sterben und verbindet Humor mit existenzieller Tiefe. Die Inszenierung stammt von Nicole Knuth, die dem Abend laut Beurteilung eine eigenständige, berührende und zugleich unterhaltsame Form gibt.
«Im Abgang lebhaft»
Die Jury hob die Spielfreude und die Eigenwilligkeit des jungen Künstlers hervor. Millius schaffe es, das Publikum vom ersten Moment an an sich zu binden: Er lasse sein Publikum lachen und nachdenken, schaffe unmittelbare Nähe und verliere dabei nie die handwerkliche Sicherheit.
Nominiert – und doch herausgestochen
Neben Millius waren drei weitere junge Theaterkünstler für den Jungsegler nominiert: Remo Zumstein, Nick Furrer und Rhea Seleger. Die Entscheidung zugunsten von Millius stellt dessen Stück als besonders eindrückliche Debütleistung dar.
| Nominiert | Werk / Rolle |
|---|---|
| Johannes Millius | Eigenproduktion «Im Abgang lebhaft» |
| Remo Zumstein | (Nominierung) |
| Nick Furrer | (Nominierung) |
| Rhea Seleger | (Nominierung) |
Form und Themen
«Im Abgang lebhaft» arbeitet mit gesprochenem Wort und einer Reihe assoziativer Bilder: Erwähnt werden Reiseerinnerungen, alltägliche Details wie eine Apotheke, aber auch skurrile Einfälle wie Kisten voller Legosteine. Solche Elemente dienen dem Stück als landschaftliche und biografische Marker, die zugleich Nähe und Fremdheit erzeugen. Liebe und Tod begegnen sich demnach auf Augenhöhe, teils unbeholfen, teils zärtlich, ohne ins Kitschige abzurutschen.
Bedeutung für den Kanton Wallis
Der Erfolg Millius’ ist ein sichtbares Zeichen für die kulturelle Präsenz von Nachwuchskünstlern aus dem Kanton Wallis auf nationalen Bühnen. Dass ein Walliser Künstler an einem renommierten Festival wie NordArt ausgezeichnet wird, stärkt die regionale Theaterszene und kann Impulse für Aufführungen, Kooperationen und Aufmerksamkeit ausserhalb des Kantons geben.
- Preis: Nachwuchspreis Jungsegler, NordArt‑Theaterfestival
- Preisträger: Johannes Millius
- Werk: «Im Abgang lebhaft» (Eigenproduktion), Inszenierung Nicole Knuth
Ausblick
Für Millius wird die Auszeichnung die Sichtbarkeit in der Schweizer Theaterszene erhöhen. Für das Wallis bietet der Erfolg Stoff für weitere Diskussionen über Förderung, lokale Ausbildungswege und Aufführungsorte. Ob und wann das Stück in den Kanton zurückkehrt, liegt beim weiteren Spielplan und möglichen Koproduktionen; dafür sind nach der Preisverleihung oft neue Kontakte und Anfragen zu erwarten.
Der Jungsegler‑Preis hat in der Vergangenheit wiederholt junge Talente hervorgehoben und ihnen zu grösserer Wahrnehmung verholfen. Millius’ Sieg bestätigt, wie persönliche Erzählungen und eine klare szenische Haltung beim Publikum und der Fachjury gleichzeitig Resonanz finden können.
Die Auszeichnung ist gleichzeitig ein Signal: Junge Künstlerinnen und Künstler aus dem Wallis können auf nationaler Ebene bestehen – mit Texten, die lokal verwurzelt sind, aber universelle Themen behandeln. Millius’ Abend zeigt, wie sich intime Erinnerung und theatrale Form zu einem Ganzen verbinden lassen, das sowohl tröstet als auch irritiert.