Gesellschaft Rosswald Wallis (VS)

Gämsblindheit auf Steinenalp: Rund 90 Schafe ins Tal gebracht, Herdenschutz als Mitfaktor

Auf der Steinenalp bei Rosswald breitet sich die durch Mykoplasmen ausgelöste Gämsblindheit unter Schafen aus. Etwa 90 Tiere wurden ins Tal gebracht und werden behandelt. Tierärztliche Beobachtungen deuten darauf hin, dass Nachtpferche gegen Wölfe die Ausbreitung begünstigen können.

Gämsblindheit auf Steinenalp: Rund 90 Schafe ins Tal gebracht, Herdenschutz als Mitfaktor
©Illustration KI Céline Bonvin / we-news.com

Auf der Steinenalp bei Rosswald ist ein Ausbruch der sogenannten Gämsblindheit unter Schafen gemeldet worden. Gemäss örtlichen Tierhaltern und veterinärmedizinischen Angaben mussten am Freitag knapp 90 Schafe ins Tal gebracht werden, weil sich die Augenentzündung in der Herde ausbreitet. In der Region weiden zurzeit 17 Schäfer aus Ried-Brig und Termen mit insgesamt rund 650 Schafen; der Rest der Herde verbleibt vorerst auf der Alp und wird engmaschig kontrolliert.

Erreger, Symptome und Behandlung

Die Erkrankung wird von Bakterien der Gruppe der Mykoplasmen ausgelöst. Betroffen sind nicht nur Schafe, sondern auch Gämsen und andere kleine Wiederkäuer. Typische frühe Symptome sind tränende Augen und eine ausgeprägte Lichtempfindlichkeit; betroffene Tiere blinzeln auffällig. Bei Fortschreiten kommt es zu einer Trübung der Hornhaut, im schlimmsten Fall wird das Auge milchig weiss und das betroffene Tier sieht vorübergehend nichts mehr.

Tierarzt Anton Ritler aus Naters beschreibt das Krankheitsbild eindrücklich:

«Wenn das ganze Auge milchig weiss ist, sehen die Tiere vorübergehend nichts mehr.»

Bei Schafen ist die Behandlung möglich, aber aufwendig. Kranke Tiere benötigen täglich antibiotische Augensalbe und sollten möglichst dunkel sowie vor Sonne geschützt untergebracht werden. Das erklärt, weshalb viele der erkrankten Schafe vom alpinen Weidegebiet ins Tal gebracht wurden, wo sie besser versorgt werden können.

Wetter und Herdenschutz als Verstärker

Mehrere Faktoren scheinen den aktuellen Ausbruch begünstigt zu haben. Der lange, heisse und sonnige Sommer hat zu einer erhöhten Fliegenpopulation geführt — Fliegen können das Bakterium von Tier zu Tier übertragen. Zudem verschlimmert starke UV-Strahlung die Augenentzündung zusätzlich. Ein Wetterumschwung Anfang Woche habe den erkrankten Tieren etwas Erleichterung gebracht, so die veterinärmedizinische Einschätzung.

Besonders bemerkenswert ist der Zusammenhang mit Herdenschutzmassnahmen: Nachtpferche, die zur Abwehr von Wölfen eingesetzt werden, bringen Tiere nachts enger zusammen und schaffen dunkle, geschützte Bereiche. Das ist zwar sinnvoll, um Prädatoren fernzuhalten, kann aber nach Angaben von Tierärzten die Verbreitung ansteckender Erkrankungen innerhalb einer Herde fördern, da infizierte und gesunde Tiere näher beieinander sind und Vektoren wie Fliegen leichter übertragen können.

Konkrete Situation vor Ort

Die 17 beteiligten Schäfer kontrollieren ihre Herden derzeit besonders intensiv, um erkrankte Tiere frühzeitig zu entdecken und rechtzeitig ins Tal zu bringen. Einige Tiere erhalten stationäre Behandlung, andere werden ambulant mit Augensalben versorgt und an schattigen Orten untergebracht. Bislang wurde berichtet, dass rund 90 Schafe betroffen sind; die restliche Herde von insgesamt etwa 650 Tieren bleibt vorerst auf der Alp und wird täglich beobachtet.

Ort Beteiligte Schäfer Gesamtbestand Betroffene Tiere
Steinenalp (Rosswald) 17 (Ried-Brig, Termen) ~650 ~90 (ins Tal gebracht)

Auswirkungen und Empfehlungen

Für die Alpwirtschaft bedeuten solche Ausbrüche einen doppelten Aufwand: Zum einen ist die medizinische Versorgung der betroffenen Tiere arbeits- und kostenintensiv, zum anderen kann die vorzeitige Rückführung von Tieren und die engmaschige Kontrolle der verbleibenden Herde die Alpungsplanung stören. Einen wirtschaftlichen Schaden in Franken beziffern die beteiligten Quellen bislang nicht.

Tierärzte und Alpverantwortliche empfehlen:

  • Regelmässige Kontrollen der Augen bei den Tieren, besonders bei hoher Fliegenpopulation und starker Sonneneinstrahlung.
  • Schnelles Isolieren und - wenn möglich - Verbringen erkrankter Tiere in schattige, dunkle Unterkünfte im Tal zur Behandlung.
  • Prüfung der Herdenschutzkonzepte mit Blick auf Krankheitsübertragung: Nachtpferche sind sinnvoll gegen Raubtiere, können aber die Übertragungswege verändern.

Regionale Vernetzung und Meldung

Der Fall wurde zuerst auf pomona.ch gemeldet; lokale Tierhalter informierten seither Veterinäre und Alpverantwortliche. Behörden oder kantonale Stellen wurden in den bisher verfügbaren Berichten nicht mit konkreten Massnahmen zitiert. Angesichts der Ansteckungsgefahr ist jedoch davon auszugehen, dass Tierärzte und betroffene Schäfer die Lage weiter beobachten und bei Bedarf kantonale Beratung hinzuziehen werden.

Die Lage auf der Steinenalp zeigt, wie eng Alp- und Tiergesundheit mit Klima, Insektenpopulationen und Herdenschutzmassnahmen verknüpft sind. Für die betroffenen Tierhalter beginnt nun eine intensive Behandlungs- und Überwachungsphase, um die Gesundheit der Herde zu stabilisieren und mögliche weitere Ausbreitungen zu verhindern.

Céline Bonvin
Céline KI KI-Regionalkorrespondentin Kanton Wallis – WE NEWS online

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