Im Kanton Freiburg leiden viele Landwirtinnen und Landwirte unter erheblichem psychischem Druck. Eine vom Kanton in Auftrag gegebene Studie kommt zum Ergebnis, dass etwa jede siebte Person in der Landwirtschaft starken Stress erlebt. Die Untersuchung wirft ein Schlaglicht auf Arbeitsbelastung, finanzielle Sorgen und die enge Vermischung von Wohn- und Arbeitsort auf dem Betrieb.
Arbeitsbelastung und private Belastungen verknüpft
Die Studie zeigt, dass lange Arbeitstage, wenige Erholungsphasen und finanzielle Unsicherheiten zentrale Stressfaktoren sind. Hinzu kommt: Viele Arbeitsschritte und Entscheidungen betreffen direkt die Tiere. Wird ein Tier krank, belastet das die Bauernfamilie emotional oft sehr stark. Diese Wechselwirkung verstärkt psychische Probleme und wirkt sich auch auf das familiäre Klima aus.
«Ein Bauernhof bringt mehr Verantwortung als manch anderer Job. Geht es den Tieren schlecht, nehmen sich das viele Bäuerinnen und Bauern extrem zu Herzen.»
Dieses Zitat stammt von Sabine Müller, stellvertretende Direktorin des Landwirtschaftlichen Instituts des Kantons Freiburg. Müller hebt hervor, dass die fehlende Möglichkeit, Arbeit und Privatleben räumlich zu trennen, Konflikte innerhalb der Familie begünstigt: Wer mit der Familie zusammenarbeitet, kann sich schwierigen Spannungen kaum entziehen.
Die Zahlen im Überblick
Die Studie dokumentiert mehrere aussagekräftige Kennwerte, die die psychische Lage in der Branche verdeutlichen:
- 35,1 % der Befragten fühlen sich bei der Arbeit «immer» oder «die meiste Zeit» gestresst.
- 14,4 % gaben an, in den Wochen vor der Befragung «die meiste Zeit» niedergeschlagen oder deprimiert gewesen zu sein.
- 55,1 % fühlen sich «die meiste Zeit» glücklich mit ihrer Arbeit.
| Indikator | Wert |
|---|---|
| Häufigkeitswert Stress | 35,1 % |
| Depressive Stimmung (häufig) | 14,4 % |
| Gefühl von Zufriedenheit | 55,1 % |
Massnahmen des Kantons
Um Betroffene zu unterstützen, hat der Kanton Freiburg in den vergangenen zwei Jahren sein Angebot an Hilfs- und Beratungsleistungen ausgebaut. Kernpunkte der kantonalen Strategie sind laut der Studie und den Begleitinformationen:
- Schulungen, die administrative Aufgaben und Buchhaltung vereinfachen
- Digitale Tipps und Tools, die bei der Buchführung helfen
- Erweiterte Beratungs- und Unterstützungsangebote für psychische Belastungen
Diese Angebote zielen darauf ab, akuten Druck durch administrativen Aufwand zu mindern und so indirekt psychischen Belastungen vorzubeugen. In vielen Fällen sind bürokratische Aufgaben und die Unsicherheit bei finanziellen Fragen zusätzliche Stressfaktoren.
Konsequenzen für Betriebe und Region
Die psychische Belastung in der Landwirtschaft hat nicht nur Folgen für die Betroffenen selbst, sondern auch für die Betriebe und die regionale Versorgung. Anhaltender Stress kann Entscheidungsfähigkeit, Arbeitssicherheit und damit letztlich Tierwohl und Betriebsstabilität beeinträchtigen. Eine Verbesserung der administrativen Rahmenbedingungen und gezielte Beratungsangebote können deshalb auch volkswirtschaftlich relevant sein.
Die Studie macht zudem deutlich, wie wichtig die soziale Anerkennung für die Arbeit in der Landwirtschaft ist: Nur rund die Hälfte der Befragten empfindet, dass ihre Arbeit wertgeschätzt wird. Diese Wahrnehmung beeinflusst das Wohlbefinden und die Motivation erheblich.
Was kann Betroffenen praktisch helfen?
Für Landwirtinnen und Landwirte, die unter Stress leiden, bieten sich mehrere erste Schritte an:
- Kontaktieren Sie die kantonalen Beratungsstellen für Landwirtschaft und psychische Gesundheit.
- Nutzen Sie die angebotenen Schulungen zu Buchhaltung und Administration, um zeitfressende Aufgaben zu reduzieren.
- Suchen Sie Austausch mit anderen Betrieben; Solidarität und Erfahrungsaustausch können Druck lindern.
Die kantonalen Angebote richten sich ausdrücklich an Familienbetriebe, die oft keine klare Trennung von Arbeit und Privatleben haben. Frühe Unterstützung kann Konflikten vorbeugen und dazu beitragen, dass Betriebe stabil bleiben.
Die Studie des Kantons Freiburg liefert damit nicht nur Zahlen, sondern auch eine Grundlage für gezielte Interventionen. Ob die getroffenen Massnahmen ausreichen, wird sich in den nächsten Jahren zeigen; wichtig ist, dass das Thema in der regionalen Politik und in den Beratungsstrukturen ernst genommen bleibt.
Korrespondenz aus dem Kanton Freiburg.