Die Pläne zur Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke zwischen Freiburg und Colmar sind vorerst gestoppt. Das baden-württembergische Verkehrsministerium teilte am Montag mit, die Planungen würden eingestellt, weil eine gemeinsame Finanzierung nicht zustande gekommen sei. Für die Oberrheinregion bedeutet dies eine Rückschau in eine Debatte, die seit Jahrzehnten geführt wird.
Historischer Kontext und politische Erwartungen
Die Bahnstrecke existiert seit den 1870er-Jahren; die Verbindung über den Rhein wurde nach der Zerstörung der Brücke bei Breisach im Jahr 1945 unterbrochen. Seit Jahrzehnten bemühen sich regionale Akteure um eine Reaktivierung als Symbol grenzüberschreitender Zusammenarbeit und zur Verbesserung der Mobilität zwischen Deutschland und Frankreich.
Auf politischer Ebene war das Vorhaben im Aachener Vertrag von 2019 erwähnt und erhielt damit überregionale Aufmerksamkeit. Im Juni hatten Bundes- und französische Vertreter in der Deutsch‑Französischen Parlamentarischen Versammlung nochmals ihre Unterstützung für das Projekt bekräftigt. Die damals geäusserte Zusicherung, an der Wiederinbetriebnahme festzuhalten, scheint nun von der Realität der Finanzierung überholt worden zu sein.
Finanzierung als Knackpunkt
Nach Aussage des Verkehrsministeriums scheitert die Reaktivierung an der fehlenden gemeinsamen Finanzierung. Bereits zuvor hatten Vertreter darauf hingewiesen, dass die Strecke nicht zum transeuropäischen Verkehrsnetz TEN‑V gehöre und deshalb nicht über das Instrument CEF2 förderfähig sei. Diese Einordnung hat die Suche nach geeigneten Förderquellen erschwert und offenbar zu der Entscheidung geführt, die Planung einzustellen.
Regionale Organisationen zeigten sich enttäuscht und erstaunt über den Schritt. Der Verband Region Südlicher Oberrhein, der das Projekt seit Jahrzehnten begleitet, bezeichnete die Einstellung als unverständlich und bedauerlich. Für viele Akteure galt die Verbindung als ein Leuchtturmprojekt für die grenzüberschreitende Mobilität am Oberrhein.
«Freiburg – Colmar ist das Leuchtturmprojekt für den Oberrhein»
Regionale Konsequenzen und offene Fragen
Die Einstellung der Planungen wirft mehrere Fragen auf: Wie reagieren die betroffenen Gemeinden und Regionen? Welche Alternativen zur Förderung und zur Finanzierung sind denkbar? Und welche Folgen hat der Entscheid für bereits getätigte Vorarbeiten, Studien und Engagements lokaler Akteure?
Konkrete Angaben darüber, wie lange das Vorhaben ruhen soll oder ob und wie eine Wiederaufnahme möglich wäre, machte das Verkehrsministerium in seiner Mitteilung nicht. Ebenso fehlen Details zu den beteiligten Finanzakteuren und zu den Summen, die als unüberbrückbar bezeichnet wurden.
Was nun für Mobilität und Planung vor Ort bleibt
Für Pendlerinnen und Pendler sowie für den touristischen Austausch bleibt vorerst alles beim Alten: Es existieren weiterhin keine durchgehenden Schienenverbindungen zwischen Freiburg und Colmar. Die Brücke bei Breisach, die seit 1945 zerstört ist, bleibt symbolisch für die fehlende Schienenverbindung.
- Langfristige Zielsetzung: Verbesserung der grenzüberschreitenden Mobilität bleibt regionales Ziel.
- Kurzfristige Lage: Planung zur Reaktivierung ist eingestellt, konkrete Zeitperspektive unklar.
- Finanzierung: Fehlende Förderfähigkeit über TEN‑V/CEF2 nannte das Verkehrsministerium als zentralen Grund.
Zeitleiste (Auswahl)
| Epoche/Datum | Ereignis |
|---|---|
| 1870er-Jahre | Entstehung der Bahnstrecke Freiburg–Colmar |
| 1945 | Zerstörung der Rheinbrücke bei Breisach |
| 2019 | Projekt wird im Aachener Vertrag erwähnt |
| Juni (Jahresangabe im Originaltext) | Bekundung der Unterstützung in der Deutsch‑Französischen Parlamentarischen Versammlung |
| Montag (laut Mitteilung) | Baden‑Württembergisches Verkehrsministerium stellt Planungen ein |
Die Entscheidung aus Stuttgart setzt die Region und ihre Vertreter nun unter Druck, neue Wege zu finden: Entweder alternative Finanzierungsmodelle oder eine politische Neujustierung, die das Projekt wieder priorisiert. Bis dies geschieht, bleibt die Perspektive einer direkten Schienenverbindung zwischen Freiburg und Colmar offen — und für viele Beteiligte unbefriedigend.
Aus regionaler Sicht bleibt festzuhalten, dass die Diskussion um die Reaktivierung der Strecke weit über technische Fragen hinausgeht: Es geht um grenzüberschreitende Zusammenarbeit, um wirtschaftliche Entwicklung und um die symbolische Wiederherstellung einer Verbindung, die seit 1945 abgebrochen ist. Wie und ob diese Brücke wieder in die Mobilitätsplanung einbezogen wird, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.