Robert Lerch, 88 Jahre alt und in Olten verwurzelt, hat eine Mundart‑Ode auf seine Geburtsstadt verfasst. Das Gedicht mit dem Titel «Oute eifach» entstand nach eigener Aussage aus einer Anregung am Stammtisch im Café Hammer und ist als liebevolle Bestandsaufnahme der Stadt lesbar.
Heimatgefühle zwischen Lagerkeller und Ross und Wagen
Lerch, der seine Kindheit auf dem bekannten Ruttigerhof verbrachte, erinnert sich lebhaft an frühe Arbeitsjahre: Er lieferte als junger Mann Kartoffelsäcke mit Ross und Wagen in die Oltner Lagerkeller und fuhr zweimal wöchentlich zum Markt – donnerstags auf der linken und samstags auf der rechten Aareseite. Solche Erinnerungen fliessen in die Ode ein und geben dem Text persönlichen Ton und lokale Verankerung.
Vom Stammtisch zum Gedicht
Die Idee zu einem mundartlichen Text kam laut Lerch von Freunden, die er regelmässig im Café Hammer trifft. Er schreibt zwar meist auf Hochdeutsch, doch diese Aufforderung liess ihm keine Ruhe. Lerch beschreibt die Entstehung als fast zwanglos: Die Münze, die am Tisch gefallen sei, brachte ihn dazu, die Worte aufs Papier zu bringen.
«Das Gedicht ist eine Stammtisch‑Idee», sagt Robert Lerch.
Eine Ode, die Vieles berührt
Der Titel «Oute eifach» spielt mit mehreren Bedeutungen: Olten als Eisenbahnerstadt, als Ort der Unkompliziertheit und als Stadt, die alles bietet, was man zum Leben braucht. Lerch beschreibt Olten als einen Ort, den man kaum noch verlassen möchte – ohne Retourbillet, wie er schreibt.
Bekannte Orte und Figuren tauchen auf
In seiner Ode nennt Lerch zahlreiche markante Gebäude und Alltagsbilder, die in Olten vertraut sind. Dadurch wirkt der Text weniger abstrakt, mehr wie ein Spaziergang durch Erinnerungen und gegenwärtige Eindrücke.
- Alter Turm
- Holzbrücke
- Bahnhof und die Eisenbahntradition
- Der «König von Olten», Kater Toulouse
- Der Aareschwumm vom Chessiloch in die Badi
| Ort / Motiv | Bedeutung im Gedicht |
|---|---|
| Alter Turm | Symbol historischer Verankerung |
| Holzbrücke | Alltägliches Wahrzeichen, Verbindung über die Aare |
| Bahnhof | Hinweis auf Oltens Rolle als Verkehrsknoten |
| Kater Toulouse | Lokale Figur, Sinnbild für Stadtkultur |
| Chessiloch / Badi | Freizeitort und Ort der Verbundenheit |
Ein Vorschlag zur Stadthymne?
Lerch schlägt in der Folge die Idee in den Raum, dass Olten eine eigene Hymne verdient habe – in Anlehnung an das Solothurnerlied, das der Kantonshauptstadt Solothurn als Stadthymne dient. Ob seine Ode je vertont wird, ist offen: Lerch äussert die Hoffnung, dass sich jemand eine Melodie dazu ausdenkt, hält sich aber nicht fest.
Literarische Vita und Ausblick
Der 88‑Jährige lebt seit 1970 in Kappel und hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht. Sein nächstes Buch soll den Titel «Das Wesen der Frau» tragen und wird als sein sechstes Werk erwähnt. Die Mundart‑Ode zu Olten tritt in diese Reihe als persönliches, lokal verankertes Stück Literaturschaffen.
Was die Ode für Olten bedeuten kann
Texte wie jene von Lerch sind mehr als nostalgische Erinnerungen: Sie fungieren als sprachliche Brücke zwischen Generationen und schaffen ein Gefühl gemeinsamer Identität. Eine mundartliche Hymne könnte lokale Identifikation stärken und Themen wie städtische Kultur, Alltagsorte und Gemeinschaft ins Zentrum rücken. Gleichzeitig bleibt offen, ob der Text von der Stadt, kulturellen Institutionen oder Bürgerinnen und Bürgern aufgenommen und gegebenenfalls vertont wird.
Für Interessierte: Lerch trifft sich weiterhin regelmässig am Stammtisch im Café Hammer, wo die Idee ihren Ursprung nahm. Ob aus «Oute eifach» je ein offizieller Beitrag zur städtischen Identität wird, hängt von weiteren Schritten Dritter ab – etwa einer Vertonung oder einer Initiative lokaler Kulturakteure.