Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) hat die Rolle des Bundes in der Debatte um die dritte Rhonekorrektion analysiert und kommt zu einer gemischten Bilanz: Zwar habe das Bundesamt für Umwelt (Bafu) seine Aufsichtspflicht wahrgenommen und sich nach der Ankündigung der Walliser Revision aktiv engagiert. Zugleich verlangt die EFK, dass der Bund das Vorgehen des Kantons Wallis stärker beeinflusst und mehr Druck ausübt, um das hochkomplexe Hochwasserschutzprojekt nicht aus dem Ruder laufen zu lassen.
Projektstand, Kosten und Kritik
Die dritte Rhonekorrektion hat das Ziel, den Fluss zwischen Gletschergebiet und Genfersee auf rund 162 Kilometern ökologisch aufzuwerten, der Ebene mehr Platz zu geben und Siedlungen sowie Infrastruktur besser vor Überschwemmungen zu schützen. Das 2016 genehmigte Vorhaben kostet nach aktuellem Stand rund 3.6 Milliarden Franken. Der Bund trägt davon mit 2.1 Milliarden Franken den grössten Anteil.
Von Beginn an ist das Projekt politisch umstritten: An starker Kritik fehlt es nicht, vor allem wegen der immensen Kosten und des zusätzlichen Flächenbedarfs, der für Landwirtschaft und Siedlungsentwicklung verloren gehen könnte. Diese Kritik führte 2022 dazu, dass der Walliser Staatsrat eine Studie in Auftrag gab, welche die bisherigen Annahmen insbesondere zur Hochwasserstärke als zu alarmistisch taxierte. Auf Grundlage dieser Studie entschied die Walliser Regierung 2024, die verbleibenden Korrektionsmassnahmen bis Ende 2026 eigenständig zu überarbeiten — ohne den Bund und den Kanton Waadt formell einzubeziehen.
EFK-Analyse: Lob und Mahnung zugleich
Die EFK untersuchte, wie das Bafu seiner Aufsicht nachgekommen sei, nachdem das Wallis die Revision angekündigt hatte. In ihrem Bericht erteilt sie dem Bafu ein vorwiegend positives Zeugnis: Das Amt habe sich «aktiv eingebracht», heisst es in der Untersuchung, und habe die Bundesinteressen vertreten.
«Das Bafu hat sich seit der Ankündigung der Revision aktiv eingebracht», sagt Mischa Waber, Fachbereichsleiter bei der Eidgenössischen Finanzkontrolle.
Trotz dieses Engagements fordert die Finanzkontrolle, der Bund müsse entschlossener agieren. Die zentrale Begründung: Da der Bund mit rund zwei Dritteln der Finanzierung involviert ist, hat er ein berechtigtes Interesse an einer koordinierten, fachlich fundierten und auch termintreuen Umsetzung. Ein einzelner Kanton könne nicht allein über die grundlegenden Parameter eines Millionengrossprojekts entscheiden, das mehrere Kantone und grosse Bundesmittel betrifft.
Konfliktlinien zwischen Bund und Kanton
Die Entscheidung des Walliser Staatsrats, die Revision eigenständig voranzutreiben, hatte die Spannung erhöht. Die EFK macht deutlich, dass solche unilateral getroffenen Entscheide das Projekt in eine schwierige Lage bringen können: Abstimmungsschwierigkeiten, Zeitverzögerungen und Unsicherheit bei der Finanzierung entstehen. Für Betroffene in der Region bedeutet das längere Planungs- und Umsetzungszeiträume und weiter offene Fragen zu Flächennutzung und Schutzkategorien.
Konkrete Forderungen und offene Fragen
Die Finanzkontrolle verlangt vom Bund, seine Rolle als Aufsichts- und Finanzierungsgeber nicht nur wahrzunehmen, sondern auch aktiv dafür zu sorgen, dass Entscheidprozesse koordiniert ablaufen. Dazu gehören:
- Eine engere Abstimmung zwischen Bund, Kanton Wallis und Kanton Waadt.
- Transparente Kriterien für die Überarbeitung der verbleibenden Massnahmen.
- Einhaltung von Fristen und Klarheit über die Finanzierungslast bei Neuanpassungen.
| Fakt | Wert |
|---|---|
| Projektlänge | 162 km |
| Gesamtkosten | 3.6 Milliarden Fr. |
| Bundesanteil | 2.1 Milliarden Fr. |
| Genehmigt | 2016 |
| Walliser Studie | 2022 |
| Walliser Überarbeitungsentscheid | 2024 (bis Ende 2026) |
Regionale Bedeutung
Für das Wallis geht es bei der dritten Rhonekorrektion nicht nur um technische Eingriffe in ein Flussbett. Es geht um landwirtschaftliche Nutzflächen, Siedlungsentwicklung, ökologische Aufwertung und nicht zuletzt um die Sicherheit von Menschen und Infrastruktur in einer zunehmend vom Klima geprägten Gefährdungslandschaft. Jede Verzögerung oder Neuauflage der Planungen wirkt sich direkt auf Gemeinden und Bewirtschafter entlang der Rhone aus.
Ausblick
Die EFK-Ergebnisse setzen Bund und Kanton Wallis unter Druck, eine gemeinsame Linie zu finden. Entscheidend wird sein, ob Bafu und Bundesstellen neben der Aufsicht auch klare Vorgaben und eine straffere Koordination durchsetzen können. Kommt es nicht zu einer abgestimmten Vorgehensweise, drohen längere Verfahrenszeiten und Unsicherheit für das Grossprojekt. Für die betroffenen Regionen bleibt zu hoffen, dass Schutz, Natur und Landwirtschaft in einem ausgewogenen Konsens zusammengeführt werden.
Dieser Bericht stützt sich auf die Veröffentlichung der Eidgenössischen Finanzkontrolle und Aussagen im zugehörigen Bericht; Zahlen und Zeitangaben entsprechen den dortigen Angaben.