Bei einer technisch anspruchsvollen Rettungsaktion hat die Rega-Linie Air Zermatt am Freitagabend drei Personen aus der Jolischlucht bei Niedergesteln (VS) gerettet. Die in der Schlucht festsitzenden Personen blieben nach Angaben der Einsatzkräfte unverletzt. Die Aktion gestaltete sich wegen der engen Felswände, grosser Wassertiefe und schlechten Sichtverhältnissen als ausserordentlich schwierig.
Rettung unter extremen Bedingungen
Die Schlucht ist stellenweise nur rund zwei Meter breit und bis zu 50 Meter tief. Bereits beim Erkundungsflug stellte die Crew «praktisch ein schwarzes Loch» fest: Vom Helikopter aus war der Grund der Schlucht nicht sichtbar. Erschwerend kam ein Gewitter hinzu, das den Jolibach stark anschwellen liess und die Situation zusätzlich gefährdete.
Die Kantonale Walliser Rettungsorganisation (KWRO) alarmierte Air Zermatt. Nach intensiver Suche konnten die Besatzung die vermissten Personen schliesslich tief unter einem Felsblock lokalisieren.
Longline-Einsatz und Verlust des Sichtkontakts
Für die Bergung setzte das Team einen Rettungsspezialisten ein, der an einer Longline unter dem Helikopter in die Schlucht abgelassen wurde. Die Longline war rund 50 Meter lang; der Retter wurde bis etwa 48 Meter tief hinuntergelassen. Mit zunehmender Tiefe verlor der Pilot zeitweise den direkten Sichtkontakt zum Retter, die Manöver erfolgten deshalb unter hoher Konzentration und grosser Erfahrung der Besatzung.
„Die Crew blickte praktisch in ein ‹schwarzes Loch›“, berichtet Air Zermatt zur Lageeinschätzung beim Erkundungsflug.
Trotz der Widrigkeiten gelang es dem Rettungsspezialisten, die drei Eingeschlossenen zu erreichen und sie sicher an den Helikopter zu bringen. Alle drei blieben unverletzt und konnten vor Ort nach versorgenden Massnahmen entlassen werden oder an weitere Rettungsdienste übergeben werden.
Wie solche Einsätze ablaufen
Bei Longline-Einsätzen wird ein Spezialist am Ende einer langen Leine unter dem Helikopter abgesetzt. Dies erlaubt Bergungen an Orten, die für Bergretter zu Fuss nicht erreichbar sind oder bei denen ein Anlanden nicht möglich ist. Solche Einsätze erfordern:
- präzise Koordination zwischen Pilot, Crew und Bodenleitung,
- gute Ortskenntnis und schnelle Lagebeurteilung,
- hohe Erfahrung der Rettungsspezialisten im seiltechnischen Arbeiten,
- Anpassung an Wetter- und Wasserverhältnisse, insbesondere bei Starkwasser.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Ort | Jolischlucht, Nähe Niedergesteln (VS) |
| Betroffene | 3 Personen, unverletzt |
| Rettungsmittel | Air Zermatt-Helikopter, KWRO alarmiert |
| Longline-Länge | ca. 50 m (Retter bis ~48 m abgeseilt) |
| Geländeverhältnisse | bis 50 m tief, stellenweise 2 m breit, hoher Wasserstand |
Regionale Bedeutung und Vorsichtsempfehlung
Die Rettung zeigt einmal mehr, wie schnell sich Berg- und Schluchtverhältnisse verändern können. Besonders nach Gewittern steigt das Gefahrenpotenzial durch Schwallwasser und rutschige Felsen. Für Wanderinnen und Wanderer sowie Schluchtentdecker sind folgende Hinweise wichtig:
- Wettervorhersagen beachten und bei Gewitterneigung Touren verschieben,
- Vor Betreten von Schluchten lokale Warnungen und Pegelstände prüfen,
- in Gruppen unterwegs sein und Kommunikationsmittel mitführen,
- im Notfall rasch die regionalen Rettungsdienste alarmieren (Kantonale Rettungsorganisationen, Air Zermatt).
Die genaue Ursache, weshalb die Personen in die Notsituation gerieten, wurde von den Behörden nicht detailliert mitgeteilt. Ebenso sind keine weiteren Verletzungen oder Personenangaben publiziert worden. Die schnelle und professionelle Reaktion von Air Zermatt und der KWRO verhinderte offenbar Schlimmeres.
Solche Einsätze erfordern nicht nur technische Fertigkeiten, sondern auch eine ruhige Abwägung der Risiken. In der alpinen Landschaft des Wallis bleibt die Kombination aus Erfahrung, Ausrüstung und präventiver Vorsicht zentral, um Menschenleben zu schützen.