Vom 15. bis 18. August war Pater Gerald Baumgartner SJ zu Gast in fünf Walliser Pfarreien. Der 32-jährige Jesuit, der derzeit in Aleppo wirkt, berichtete in Gottesdiensten in Bellwald, Brig, Zermatt, Täsch und Randa aus erster Hand über die Lebenswirklichkeit in Syrien nach 14 Jahren Bürgerkrieg.
Konkrete Eindrücke aus Aleppo und Homs
Pater Gerald, ein gebürtiger Österreicher, hat laut Angaben der Veranstalter von 2021 bis 2023 in der west-syrischen Stadt Homs gelebt und sich dort vor allem in der Jugendarbeit engagiert. Nach seiner Priesterweihe 2025 in Innsbruck kehrte er nach Syrien zurück, diesmal nach Aleppo. Dort begleitet er junge Menschen und beteiligt sich am ökumenischen Dialog.
In den Walliser Gottesdiensten schilderte der Jesuit die harten Nachkriegsbedingungen: Armut, die Gefahr für soziale Strukturen und den schwierigen Wiederaufbau von Gemeinden. Er betonte aber auch den Mut der Menschen vor Ort und wie wichtig direkte Hilfe sei, damit Familien in ihrer Heimat bleiben und eine Perspektive entwickeln können.
«Die Pfarreien sind unglaublich gastfreundlich. Ich bin dankbar für die liebe Aufnahme!»
Die Reaktionen in den Gemeinden waren gemischt aus Betroffenheit und Solidarität. In Zermatt zeigte sich Pfr. Konrad Rieder erfreut über den Besuch: «In den Predigten von P. Gerald erkannte ich, was es die Botschaft Christi bedeutet: Geht hinaus in die Welt! Ich bin froh, daß wir als Zermatter ihn dabei mit Gebeten und mit unserer Kollekte unterstützen können.»
Kirche in Not und lokale Solidarität
Der Besuch erfolgte auf Einladung des Hilfswerks Kirche in Not (ACN). Die Organisation stellt laut Mitteilung die Verbindung zwischen europäischen Spendern und christlichen Gemeinden in Krisengebieten her. Pater Gerald verdeutlichte in seinen Auftreten, wie Spenden aus der Schweiz konkret Familien unterstützen: zum Überleben, für Reparaturen an zerstörten Häusern und für soziale Projekte, die Perspektiven schaffen.
Die Gottesdienste in den fünf Gemeinden boten eine Plattform für Austausch: Gläubige konnten Fragen stellen, persönliche Anliegen vorbringen und sich über die Verwendung der Kollekten informieren. An mehreren Orten wurde der junge Geistliche anschliessend von Gemeindemitgliedern empfangen; in Brig traf er etwa die Provinzoberin der Ursulinen, Sr. Nicole Glenz.
Regionale Bedeutung und Hintergründe
Der Besuch fällt in eine Phase, in der Syrien weiterhin von den Folgen eines langjährigen Konflikts geprägt ist. Nach dem Sturz des Assad-Regimes Ende 2024 bleibt die Lage laut den Schilderungen des Pater bedrohlich: Viele Menschen leben in grosser Armut, staatliche Strukturen sind geschwächt, und die kirchlichen Gemeinschaften kämpfen um ihre Zukunft.
Für das Wallis hat die Begegnung mehrere Ebenen: Einerseits ist sie ein konkreter Aufruf zur Solidarität. Andererseits bietet sie Gemeinden die Möglichkeit, ihre globale Verantwortung mit lokalem Engagement zu verbinden—etwa durch Kollekten, Gebete und Informationsanlässe.
- Wer: Pater Gerald Baumgartner SJ, 32 Jahre, Jesuit, in Aleppo tätig
- Wann: 15.–18. August
- Wo: Randa, Täsch, Zermatt, Brig, Bellwald
- Welcher Träger: Hilfswerk Kirche in Not (ACN)
| Gemeinde | Art der Begegnung |
|---|---|
| Randa | Gottesdienst mit Predigt und Austausch |
| Täsch | Gottesdienst mit Berichten aus Syrien |
| Zermatt | Gottesdienst; anschliessende Kollekte und persönliche Gespräche |
| Brig | Gottesdienst; Treffen mit Ordensleitung |
| Bellwald | Gottesdienst mit thematischer Vertiefung |
Was bleibt für die Gemeinden?
Der unmittelbare Effekt der Visite zeigt sich in der erhöhten Aufmerksamkeit für Hilfsprojekte und in kollektiven Zeichen der Unterstützung. Gleichzeitig wirft der Besuch Fragen zur langfristigen Hilfe auf: Wie nachhaltig kommen Spenden an? Welche Projekte sichern lokale Strukturen? Die Präsenz eines Seelsorgers aus Syrien gibt diesen Debatten ein Gesicht und erleichtert die Verbindung zwischen Gebet, persönlichem Austausch und finanzieller Hilfe.
Für viele Gläubige im Wallis war der Austausch ein eindrückliches Erlebnis: Er brachte die Distanz von 3'000 Kilometern auf ein menschliches Mass und machte die Folgen des Krieges in konkreten Lebensgeschichten sichtbar. In einer Zeit, in der Nachrichten oft abstrakt bleiben, half der persönliche Bericht, das Schicksal einzelner Familien nachvollziehbar zu machen.
Solche Begegnungen stärken die lokale Gemeinschaft und erinnern daran, dass Hilfe nicht nur in Geldsummen besteht, sondern auch in Aufmerksamkeit, Austausch und langfristigem Engagement.