Der Bella‑Tola‑Gletscher im Val d'Anniviers (VS) ist nach den jüngsten Aufnahmen praktisch verschwunden. Bilder, die kürzlich publiziert wurden, zeigen nur noch vereinzelte Schneefelder auf dem einstigen Eisfeld. Fachleute führen den dramatischen Rückgang auf eine Kombination aus rasanter Schneeschmelze und wiederholten Hitzewellen zurück.
Was die Aufnahmen zeigen
Die Aufnahmen, die in der Region Schlagzeilen ausgelöst haben, dokumentieren, wie wenig von der früheren Eismasse des Bella‑Tola übrig bleibt. Schon 2023 hatte der Gletscher deutlich an Fläche eingebüsst: Gemäss dem letzten Inventar betrug seine Fläche damals noch die Grösse von etwa sieben Fussballfeldern. Seither scheinen Hitzeperioden und frühe Schneeschmelzen den Rest übernommen zu haben.
Expertenstimmen und Bewertung
Der Schneeexperte Robert Bolognesi kündigte an, Ende September eine erste Schadensbilanz ziehen zu wollen. Er weist darauf hin, dass besonders kleinere Gletscher in steilen Lagen stark anfällig seien. Die Bedingungen der letzten Monate – rascher Verlust der Schneedecke gefolgt von mehreren Hitzewellen – bezeichnet er als besonders negativ für den Fortbestand solcher Eisfelder.
«Das sind nahezu die denkbar schlechtesten Bedingungen für die Gletscherschmelze.»
Der Glaziologe Matthias Huss, Leiter des Schweizerischen Gletschermessnetzes GLAMOS, relativiert die Interpretation einzelner Bilder: Aus diesen lasse sich das vollständige Verschwinden nicht unabhängig bestätigen. Gleichzeitig betont er, dass der Bella‑Tola‑Gletscher schon seit Jahren nicht mehr als aktiver, gesunder Gletscher gewertet werde.
Technische Definitionen und Inventar
Entscheidend für die offizielle Einstufung ist die Fläche: Sobald ein Gletscher weniger als eine Hektare misst, wird er nicht mehr ins Inventar aufgenommen. Für den Bella‑Tola liegt die letzte verlässliche Flächenangabe aus 2023 vor; eine erneute offizielle Beurteilung wird erst in einigen Jahren erwartet. Deshalb bleibt eine abschliessende Klassifikation derzeit offen.
| Merkmal | Bekannter Wert / Bemerkung |
|---|---|
| Letzte Inventarfläche (2023) | Ca. Grösse von sieben Fussballfeldern |
| Schwelle für Inventareintrag | < 1 Hektare → kein Eintrag |
| Aktueller Zustand (Bilder) | Nur noch vereinzelte Schneefelder sichtbar |
Regionale Bedeutung und Folgen
Das Verschwinden kleiner Gletscher hat mehrere lokale Auswirkungen. Ökologisch verändern sich die alpinen Lebensräume; Pflanzen‑ und Tiergemeinschaften reagieren auf andere Wasserverfügbarkeit und Temperaturverhältnisse. Für das Wallis, das stark vom Tourismus in hochalpinen Gebieten lebt, sind sichtbare Gletscherrückgänge auch ein wirtschaftliches und symbolisches Problem. Wintersportorte und Sommersaisonanbieter sehen sich mit veränderten Rahmenbedingungen konfrontiert.
Was in den kommenden Wochen zu erwarten ist
Die endgültige Einschätzung der Gletscherschäden in der Schweiz soll laut Bolognesi Ende September erfolgen, wenn Daten und Beobachtungen systematisch zusammengetragen sind. Bis dahin bleibt offen, welche Gletscher bereits ihre Funktion als aktive Gletscher verloren haben und welche noch als Reste weiter existieren.
- Kurze Frist: Weitere Aufnahmen und Messungen werden gesammelt, um das Ausmass der Schädigung zu dokumentieren.
- Mittelfristig: Offizielle Inventare und Feldkampagnen liefern belastbare Flächendaten.
- Längerfristig: Rechts‑ und wirtschaftspolitische Diskussionen über Anpassung und Klimaschutz gewinnen an Relevanz.
Ein Bild für die Zukunft
Der Fall Bella‑Tola steht exemplarisch für ein generelles Phänomen in den Alpen: Kleine, hochgelegene Gletscher reagieren besonders empfindlich auf Temperaturanstieg und veränderte Niederschlagsverhältnisse. Sie liefern damit sichtbare Indikatoren für den regionalen Klimawandel. Ob und in welchem Ausmass Gemeinden, Tourismusorganisationen und der Kanton auf die neuen Verhältnisse reagieren werden, gehört zu den nächsten Debatten im Wallis.
Die Bilddokumente aus dem Val d'Anniviers haben die Diskussion bereits angestossen. In den kommenden Wochen werden die Expertenbefunde und das offizielle Inventar zeigen, wie akut der Verlust des Bella‑Tola‑Eises tatsächlich ist und welche Lehren daraus für die alpine Landschaft des Wallis zu ziehen sind.