Agarn, 26. August 2026 – Die Bauernvereinigung Oberwallis (BVO) hat an einem Rundtisch in Agarn die Folgen des trockenen Sommers und die Dringlichkeit von Investitionen in die Wasserspeicherung betont. Vertreterinnen und Vertreter aller Oberwalliser Parteien sowie Bäuerinnen und Bauern diskutierten kurz-, mittel- und langfristige Massnahmen, um die landwirtschaftliche Produktion und die Existenz vieler Höfe zu sichern.
Unterschiedliche Betroffenheit im Oberwallis
Zu Beginn des Treffens schilderten BVO und Parteivertreter ihre Beobachtungen aus den Betrieben. Die Situation weiche stark je nach Region und Infrastruktur aus: Während einzelne Betriebe dank früherer Investitionen in die Wasserversorgung relativ gut durch den Sommer gekommen seien, stünden andere Höfe vor ernsthaften Problemen. Insbesondere schlechte Heuernte, eine frühere Abalpung und sinkende Fleischpreise setzten manchen Betrieben finanziell zu.
Teilnehmende wiesen darauf hin, dass viele Wiesen und Weiden in diesem Jahr stark gelitten hätten. Es bestehe die Gefahr, dass sie sich im kommenden Frühling noch nicht erholt haben und daher auch für 2027 mit Ertragseinbussen zu rechnen sei. Diese Perspektive erhöht den Druck auf die Liquidität von Betrieben, die bereits jetzt auf Reservekapital oder Kredite angewiesen sind.
Kurz-, mittel- und langfristige Lösungen diskutiert
In der anschliessenden Gesprächsrunde herrschte Einigkeit darüber, dass Bund und Kanton kurzfristig angemessen reagiert hätten. Die Diskussion konzentrierte sich deshalb auf mittelfristige und langfristige Massnahmen. Ein zentraler Befund: Das Oberwallis sei bei Aktivitäten zur Wasserspeicherung rückständig – man liege laut der Beteiligten «etwa zehn Jahre im Verzug».
„Zurückhalten, verteilen, richtig bewässern“, fasst Vollerwerbsbauer Jonas Regotz (NEO) zusammen.
Urs Juon, Parteipräsident der Mitte Oberwallis, verwies auf ungenutztes Gletscher- und Zuflusswasser der Rhone, das in heissen Sommern abfliesse. Er kritisierte fehlenden Mut und mangelnden Zusammenhalt, konkrete Projekte umzusetzen.
Welche Massnahmen stehen zur Debatte?
Teilnehmende skizzierten verschiedene Ansatzpunkte. Diskussionen betrafen technische Lösungen zur Speicherung, bessere Bewässerungssysteme auf Parzellenebene und regionale Koordination, damit Wasser in Trockenperioden effizient verteilt werden kann. Dabei wurde betont, dass nun konkrete Projekte vorangetrieben werden müssen statt weiterer Strategiepapieren.
- Kurzfristig: Soforthilfen und Unterstützung bei der Beschaffung von Futter; Koordination von Wasserressourcen.
- Mittel: Ausbau von Speicherinfrastruktur an Seitenzuflüssen, effizientere Bewässerungstechnik auf Betrieben.
- Langfristig: Regionale Wasserwirtschaftsprojekte und Anpassung der Landwirtschaft an häufigere Trockenphasen.
| Horizont | Ziel |
|---|---|
| Kurzfristig | Soforthilfe, Koordination, kurzfristige Futterversorgung |
| Mittel | Speicherbau, Bewässerungsmodernisierung |
| Langfristig | Regionale Infrastruktur, nachhaltiges Wassermanagement |
Regionale Unterschiede als Herausforderung
Die Teilnehmenden betonten, dass die Vielfalt der Oberwalliser Täler und Höhenlagen spezifische, ortsnahe Lösungen erfordere. Was in einem Tal funktioniert — etwa kleine Speicherbecken oder verbesserte Quellfassungen —, ist in einem anderen Tal mit anderen geologischen Verhältnissen nicht automatisch übertragbar. Deshalb brauche es sowohl kantonale Koordination als auch lokale Initiativen.
Mehrere Stimmen forderten zudem, dass bei der Prüfung von Projekten nicht nur technische und ökonomische Kriterien, sondern auch ökologische Aspekte und die Anliegen der Gemeinden berücksichtigt werden. Nur durch breite Akzeptanz liessen sich Vorhaben schnell umsetzen.
Politische Brücken bauen
Ein zentrales Thema des Treffens war die Notwendigkeit, über Parteigrenzen hinweg zusammenzuarbeiten. Die Teilnahme von Vertreterinnen und Vertretern aller Oberwalliser Parteien sollte das Signal aussenden, dass es sich um eine gemeinsame Herausforderung handelt, die Lösungen auf mehreren Ebenen erfordert.
Zum Abschluss forderten die Anwesenden rasches Handeln: Statt jahrelang über Strategien zu diskutieren, müssten nun konkrete Pilotprojekte gestartet und Fördermittel mobilisiert werden. Die Bauernvereinigung will die Diskussion weiter begleiten und den Druck auf Politik und Verwaltung aufrechterhalten.
Für viele Betriebe im Oberwallis ist die Zeit drängend: Die Kombination aus schlechter Heuernte, früherer Abalpung und Marktpreisentwicklungen macht langfristige Investitionen in die Wasserversorgung zur Priorität.