Im Berner Jura hat sich das zuvor schon als bedeutend beurteilte Meteoriten-Streufeld oberhalb des Bielersees als noch grösser erwiesen: Bei aktuellen Feldarbeiten zählte das Team des Naturhistorischen Museums Bern inzwischen mehr als 2'200 Fragmente eines seltenen Eisenmeteoriten. Die Entdeckung und nachfolgende Untersuchungen liefern neue Hinweise zur regionalen Erdgeschichte und zur Einwirkung von Meteoriteneinschlägen während der Eiszeit.
Fund und Ausdehnung des Streufelds
Das Streufeld erstreckt sich über mehrere Kilometer auf dem Mont Sujet und dem Twannberg. Die wissenschaftliche Aufmerksamkeit begann vor zehn Jahren, nachdem das Gebiet 2016 als eines der bedeutendsten Meteoritenfelder in Europa vorgestellt wurde. Seither untersuchen Geologinnen und Geologen das Terrain systematisch, dokumentieren Funde und versuchen, die Zerstückelung des ursprünglichen Objekts zu rekonstruieren.
Nach heutigem Kenntnisstand explodierte der mutmassliche Meteoroid vor rund 175'000 Jahren — in der vorletzten Eiszeit. Schätzungen gehen davon aus, dass der Brocken beim Eintritt in die Atmosphäre ursprünglich zwischen 4 und 20 Metern gross und mit mindestens 250 Tonnen Masse unterwegs war. Beim Zerbrechen entstand ein Trümmerregen, der in der Folge die heute nachweisbaren Bruchstücke verteilte.
Von der Erstsichtung bis zur heutigen Zahl
Das erste grössere Bruchstück wurde bereits 1984 gefunden: Eine Bäuerin, Margrit Christen, entdeckte ein rund 15 Kilo schweres Fragment, als sie Material auf einem Feld sammelte. Die nachfolgenden systematischen Suchen intensivierten sich, und die im Jahr 2016 publizierten Ergebnisse sprachen zunächst von rund 400 Fragmenten. Die laufende Suche hat die Anzahl nun deutlich erhöht.
| Jahr | Dokumentierte Fragmente |
|---|---|
| 1984 | Erstfund: 1 grösseres Fragment (15 Kilo) |
| 2016 | Rund 400 |
| 2026 | Über 2'200 |
Arbeit im Feld: Geduld und Sorgfalt
Der leitende Geologe der Expedition, Beda Hofmann vom Naturhistorischen Museum Bern, beschreibt die Arbeit als mühselig: Mit Metalldetektoren durchkämmen die Forschenden und Freiwilligen das Gelände. In vielen Fällen melden die Geräte nur modernen Zivilisationsmüll — Alufolie, Nägel oder Patronenhülsen —, erst nach langer Suche zeigen sich echte kosmische Bruchstücke.
«Dafür braucht es eine Bewilligung des zuständigen Archäologischen Dienstes.»
Hofmann betont den bürokratischen und wissenschaftlichen Rahmen: Suchen ohne Bewilligung sind nicht erlaubt. Teilnehmende, auch Hobby-Sucher, müssten dies beachten, um den Denkmalschutz und die wissenschaftliche Dokumentation nicht zu gefährden. Wenn nach langem Suchen ein echtes Fragment gefunden werde, spreche er von einem «Glücksgefühl».
- Wissenschaftlicher Wert: Die Bruchstücke erlauben Rückschlüsse auf Zusammensetzung, Zerfallsprozess und Einwirkungsbedingungen beim Eintritt.
- Paläoklimatische Bedeutung: Der Zeitpunkt des Zerfalls liefert Hinweise zur Geologie und Klimageschichte der vorletzten Eiszeit.
- Regulatorische Hinweise: Suchen sind genehmigungspflichtig; Fundmeldungen sollten an das Museum oder die Archäologie erfolgen.
Regionale Bedeutung und Ausblick
Der Fund hat nicht nur wissenschaftliche, sondern auch lokale Bedeutung: Das Gebiet zieht Forschende und interessierte Laien an, was Anforderungen an die Koordination vor Ort stellt. Die zuständigen Stellen müssen den Schutz des Geländes, die Feldarbeit und die sichere Dokumentation der Funde sicherstellen. Gleichzeitig eröffnen die neuen Fragmente Möglichkeiten für vertiefte Analysen im Labor, etwa zur Metallstruktur, Korrosionsprozessen und zur genauen Rekonstruktion des Zerfallsmechanismus.
Wie gross das Feld noch ist, bleibt offen. Das Team des Naturhistorischen Museums Bern setzt die systematischen Suchen fort. Die Erkenntnisse aus den neuen Fragmenten sollen schrittweise publiziert und in wissenschaftliche Kontexte eingeordnet werden.
Für Personen, die Fundstücke vermuten oder bei der Suche mitwirken möchten, gilt: Kontaktieren Sie das Naturhistorische Museum Bern oder den zuständigen Archäologischen Dienst, bevor Sie das Gelände betreten. Damit bleiben wissenschaftliche Wertigkeit und Denkmalschutz gewahrt.
Die Entdeckung und die laufenden Untersuchungen am Twannberg und Mont Sujet zeigen, wie viel lokale Erdgeschichte noch im Boden schlummert — und wie behutsam sie gehoben werden muss, damit Erkenntnisse erhalten bleiben und korrekt eingeordnet werden können.