Die neu gebildete Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Bern hat am Sonntag erstmals ihren Kirchgemeinderat an der Urne gewählt. Das siebenköpfige Gremium, das ab dem 1. Januar 2027 die strategische Führung der fusionierten Kirchgemeinde übernehmen wird, setzt sich aus den gewählten Mitgliedern zusammen. Zum Präsidenten wurde Jean-Marc Burgunder mit 2'832 Stimmen gewählt.
Resultat und Zusammensetzung
Neben dem Präsidenten schafften folgende Personen die Wahl in den Kirchgemeinderat:
- Johannes Gieschen
- Susanna Hergert
- Sonja Müller-Rufer
- Hansjörg Salm
- Ueli Stückelberger
- Martin Trachsel
Weitere Kandidierende standen nicht zur Wahl. Die Amtsdauer dieses erstmals an der Urne gewählten Gremiums erstreckt sich von 2027 bis 2030.
Tiefe Beteiligung sorgt für Fragen
Die Stimmbeteiligung bei diesen Wahlen betrug lediglich 11,1 Prozent. Dieses Ergebnis wirft Fragen zur öffentlichen Wahrnehmung und Beteiligung an kirchlichen Entscheidprozessen auf. Bei einer Wahl, die die strategische Führung einer grossen städtischen Kirchgemeinde betrifft, ist eine so geringe Wahlbeteiligung bemerkenswert. Für die künftige Arbeit des Rates bedeutet dies, dass die Legitimation aus Sicht der Stimmberechtigten relativ schmal getragen wird.
Die neue Kirchgemeinde entsteht durch den Zusammenschluss der reformierten Kirchgemeinden der Stadt Bern mit der bisherigen Gesamtkirchgemeinde. Künftige Aufgaben von übergeordneter Bedeutung sollen gemeinsam wahrgenommen werden, während das kirchliche Leben weiterhin in den einzelnen Kirchenkreisen und Quartieren stattfinden soll.
Welche Aufgaben kommen auf den neuen Rat zu?
Der Kirchgemeinderat übernimmt die strategische Leitung der neuen, zusammengeführten Struktur. Zu seinen zentralen Aufgaben zählen die Festlegung von Leitlinien, die Haushaltsverantwortung, Personalentscheidungen auf Leitungsebene sowie die Koordination zwischen den einzelnen Kirchenkreisen. Der Erfolg dieser ersten Amtsperiode wird wesentlich davon abhängen, wie der Rat die Balance zwischen zentraler Steuerung und lokalem kirchlichem Leben gestaltet.
Mögliche Folgen der tiefen Wahlbeteiligung
Eine niedrige Beteiligung kann mehrere Auswirkungen haben:
- Geringere Mandatslegitimation gegenüber Mitgliedern und Quartieren.
- Schwierigkeiten bei der Durchsetzung kontroverser Reformen oder struktureller Anpassungen.
- Erhöhte Bedeutung von Kommunikation und Transparenz, um Vertrauen in die neue Institution aufzubauen.
Die Herausforderung für den neu gewählten Rat besteht darin, möglichst rasch den Dialog mit den verschiedenen Kirchenkreisen zu suchen und die Ziele sowie Entscheidprozesse verständlich zu vermitteln. Eine aktive lokale Präsenz in den Quartieren dürfte helfen, die Verbindung zur Basis zu stärken.
Kurzübersicht: Gewählte Mitglieder
| Funktion | Name | Stimmen |
|---|---|---|
| Präsident | Jean-Marc Burgunder | 2'832 |
| Mitglied | Johannes Gieschen | — |
| Mitglied | Susanna Hergert | — |
| Mitglied | Sonja Müller-Rufer | — |
| Mitglied | Hansjörg Salm | — |
| Mitglied | Ueli Stückelberger | — |
| Mitglied | Martin Trachsel | — |
Die exakten Stimmenangaben ausser für das Präsidentenamt wurden von der Kirchgemeinde nicht in dieser Meldung detailliert ausgewiesen.
Ausblick
Die Amtsperiode beginnt formell am 1. Januar 2027. In den kommenden Monaten dürfte der Rat die Prioritäten für die Fusion konkretisieren, Arbeitsgruppen bestimmen und erste strategische Entscheide vorbereiten. Wichtig wird sein, wie er die Erwartungen der verschiedenen Kirchgemeindemitglieder erfüllt und wie rasch er sichtbare Resultate liefert, die das Vertrauen in die neue Struktur stärken.
Die tiefe Stimmbeteiligung bleibt ein Thema, das sowohl kirchliche Verantwortliche als auch interessierte Bürgerinnen und Bürger beschäftigen wird. Ob künftig verstärkte Informations- und Beteiligungsangebote die Partizipation erhöhen, wird sich in den nächsten Wahlen und Beratungsprozessen zeigen.