Vor der Landtagswahl am 6. September in Sachsen-Anhalt warnt die Initiative Queeres Dessau vor einer Verschlechterung des Klimas für LGBTIQ*-Menschen in der Stadt. Die Gruppe, die sich vor rund einem Jahr formiert hat und aktuell aus etwa 50 aktiven Mitgliedern besteht, will queeres Leben sichtbarer machen und einen sicheren Treffpunkt anbieten. Zugleich wächst die Sorge, dass politische Veränderungen die Lage weiter verschärfen könnten.
Angst vor einer Verschlechterung nach der Wahl
Die Mitglieder der Initiative beschreiben den Alltag bereits als belastet. «Das Klima ist jetzt schon rau», sagt Riley Pätzold. Viele befürchten, dass eine stärkere politische Präsenz der AfD die Situation noch prekärer machen würde. Nox Eden Grosskopf formuliert die Befürchtung so: «Ich habe ganz konkrete Angst, dass die Anfeindungen auf offener Strasse weiter zunehmen und Queerfeindlichkeit zur Normalität wird.»
„Das Klima ist jetzt schon rau.“
Aus Sicht der Initiative ist deshalb ein stabiler, sicherer Ort in Dessau-Roßlau wichtig, an dem sich queere Menschen und ihre Verbündeten treffen können. Die Gruppe engagiert sich sowohl für Sichtbarkeit als auch für Schutzräume, die es ermöglichen, sich ohne ständige Furcht vor Anfeindungen zu treffen.
Wahlprogramm der AfD als Auslöser der Sorge
Die Besorgnis begründet sich unter anderem im Wahlprogramm der AfD, das die Partei selbst als „Regierungsprogramm“ bezeichnet. Dort kritisiert die Partei nach Angaben der Initiative „sexuelle Abweichungen und nicht-reproduktive Lebensweisen“ und stellt die «normale Familie aus Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen» als Leitbild heraus. Die AfD fordert unter anderem, dass die Regenbogenflagge an Schulen verboten werden soll und Fördervergaben nicht mehr danach ausgerichtet werden dürfen, ob Antragstellende «bestimmte Genderziele erreichen».
Für die Mitglieder der Initiative ist das Programm ein Indikator dafür, dass queere Sichtbarkeit und Förderstrukturen künftig eingeschränkt werden könnten. In der Praxis bedeutet dies konkrete Sorgen um:
- Sichtbarkeit in Schulen und öffentlichen Einrichtungen, etwa durch Symbole wie die Regenbogenflagge
- Zugang zu Fördergeldern für Projekte, die queere Lebensweisen unterstützen
- Alltägliche Sicherheit im öffentlichen Raum, vor Anfeindungen und Übergriffen
Konkrete Ziele und Engagement der Initiative
Die Initiative Queeres Dessau ist erst ein Jahr alt, dennoch zeigt ihr Engagement, wie lokale Gruppen versuchen, auf politische Risiken zu reagieren. Ihr Ziel ist es, einen stabilen Treffpunkt in der Stadt zu etablieren, an dem LGBTIQ*-Menschen und ihre Verbündeten sich sicher fühlen und sich organisieren können. Die Aktivisten sehen darin eine präventive Massnahme gegen eine mögliche Zunahme von Diskriminierung und Gewalt.
Daneben setzt die Gruppe auf Aufklärung und Sichtbarkeit als Mittel gegen Ausgrenzung: Informationsangebote, Austausch und Vernetzung sollen dazu beitragen, Vorurteile abzubauen und Solidarität zu stärken. Die Initiative verweist dabei auf die unmittelbare Betroffenheit vieler Menschen in der Stadt, die täglich mit Anfeindungen konfrontiert sind und nun mit wachsender Unsicherheit in die Zukunft blicken.
Folgen für die Zivilgesellschaft
Die Entwicklung in Sachsen-Anhalt steht exemplarisch für eine grössere Debatte darüber, wie politische Mehrheiten das Klima für Minderheiten beeinflussen können. Für lokale Gruppen wie die Initiative Queeres Dessau bedeutet dies, dass sie ihre Arbeit nicht allein auf Sichtbarkeit ausrichten, sondern auch Schutzräume und Unterstützungssysteme stärken müssen. Die Initiative zeigt, wie Lokalpolitik, gesellschaftliche Stimmung und die Alltagsrealität von LGBTIQ*-Menschen eng miteinander verflochten sind.
| Aktueller Zustand | Angst / Risiko |
|---|---|
| Raues Klima im Alltag | Verstärkung von Anfeindungen nach Wahl |
| Rund 50 aktive Mitglieder | Wegfall von Sichtbarkeit und Förderungen |
| Suche nach sicherem Treffpunkt | Gefahr der Isolation betroffener Personen |
Für die kommenden Wochen bleibt die Initiative wachsam. Unabhängig vom Wahlausgang wollen die Aktivisten die vorhandenen Netzwerke nutzen, um Sicherheit und Sichtbarkeit zu stärken und Angebote für Betroffene auszuweiten. Ihre Arbeit steht damit stellvertretend für zahlreiche lokale Initiativen, die in unsicheren Zeiten versuchen, Orte des Zusammenhalts zu schaffen.