In Erkrath bei Düsseldorf beginnt nach den Sommerferien für knapp 1'200 Schülerinnen und Schüler ein Schuljahr unter ungewöhnlichen Bedingungen: Der Unterricht findet in einem eigens errichteten, zweigeschossigen Containerbau statt, den die Verantwortlichen als Schuldorf bezeichnen. Der Umzug folgt auf einen verheerenden Brand, der das bisherige Schulzentrum Mitte Mai des vergangenen Jahres zerstörte.
Provisorium auf dem Sportplatz
Der neue Campus steht auf dem Sportplatz nur wenige Meter vom Brandort entfernt. Die Containeranlage ist nach Angaben der Schulen in zwei Bereiche für die beteiligten Schulformen gegliedert; Orientierung schaffen farbige Markierungen an den Glastüren. Die Verantwortlichen erhoffen sich dadurch eine klare Trennung der Laufwege für die verschiedenen Jahrgangsstufen und Schulstufen.
Während im Provisorium bereits Unterricht stattfindet, zeigen sich die Spuren der Katastrophe auf dem Gelände des alten Komplexes weiterhin deutlich: Trümmer- und Schuttberge dokumentieren den Fortschritt des Abrisses, einzelne Fassadenteile und Fundamentreste stehen noch. Auf dem ehemaligen Schulhof arbeiten Bagger, und abgesperrte Bereiche weisen darauf hin, dass an einigen Stellen noch mit Gefahren durch einsturzgefährdete Reste gerechnet werden muss.
Brandursache und Folgen
Die Polizei ermittelte, dass ein Kurzschluss in der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach den Brand ausgelöst hat. Demnach griff das Feuer innerhalb weniger Minuten um sich und führte zum Vollbrand der Gebäude. Glücklicherweise befanden sich zum Zeitpunkt des Feuerausbruchs keine Schülerinnen und Schüler in den Räumlichkeiten, Verletzte gab es nach bisherigen Erkenntnissen nicht.
Der Vorfall wirft Fragen zur Sicherheit von Photovoltaik-Anlagen auf Schulgebäuden sowie zu vorbeugenden Brandschutzmassnahmen in öffentlichen Gebäuden auf. Zugleich stellt der Verlust der historischen Wandkarten und Unterrichtsmaterialien – manche Stücke seien «70, 80 Jahre alt» – einen kulturellen Schaden für die Schulgemeinschaft dar.
„Teilweise sind die Karten 70, 80 Jahre alt“
Schule als Gemeinschaft und Übergangslösung
Die Schulleitung und das Hauswartsteam bemühen sich, trotz der beengten Verhältnisse im Containerbetrieb möglichst bald wieder einen geregelten Schulalltag zu ermöglichen. Das Mobiliar aus dem alten Komplex, soweit es gerettet werden konnte, liegt in Umzugskartons bereit; kleine Erinnerungsstücke und Lehrmittel wurden in der Hektik der Evakuation geborgen und finden nun im Provisorium Platz.
Die Containerlösung bietet zwar schnelle Abhilfe, doch sie bringt Einschränkungen mit sich: Mensa- und Pausenbereiche sind kleiner, Klassenräume beengt, und die Infrastruktur für naturwissenschaftlichen Unterricht oder Spezialräume wird nur provisorisch abgebildet. Die Verantwortlichen planen daher bereits den Ersatzbau des zerstörten Schulzentrums, dessen Fertigstellung jedoch Zeit in Anspruch nehmen wird.
- Betroffene Schulen: Zwei Schulen des bisherigen Komplexes (Realschule und Gymnasium) teilen sich das Provisorium.
- Schülerzahl: Rund 1'200 Schülerinnen und Schüler sind betroffen.
- Brandursache: Ermittlungen zufolge ein Kurzschluss an einer Photovoltaik-Anlage.
- Aktueller Stand: Abriss der Ruine läuft, Neubau in Planung.
Ausblick und Diskussion
Der Fall Erkrath dürfte Impulse für die Überprüfung technischer Sicherheitssysteme an Schulen geben, insbesondere bei der Kombination von Photovoltaik und älterer Gebäudetechnik. Zudem stellt er die Frage nach besseren Notfallkonzepten für den Schulbetrieb in Städten und Gemeinden: Wie lassen sich Unterrichtsausfall minimieren und Lernräume rasch wiederherstellen, ohne dass pädagogische Angebote zu sehr leiden?
Für die betroffenen Familien und Lehrpersonen bleibt das laufende Schuljahr eine Zeit der Anpassung. Die Container bieten Schutz und Raum für Unterricht, ersetzen aber nicht die Atmosphäre eines gewachsenen Schulstandorts. Im Hintergrund laufen Gespräche über den Zeitplan und die Finanzierung des Ersatzbaus; bis dahin ist das Schuldorf das provisorische Zuhause einer ganzen Schulgemeinschaft.