Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) fordert eine rasche Nachrüstung von Spitälern und Alters- sowie Pflegeheimen mit Klimaanlagen und weiteren Hitzeschutzmassnahmen. Nach Einschätzung des Verbandes besteht ein «immenses Investitionsbedürfnis» in Höhe von mindestens 20 Milliarden Euro, wie DStGB-Präsident Ralph Spiegler gegenüber der Rheinischen Post sagte. Anlass sind die jüngsten, aussergewöhnlich starken Hitzewellen in Westeuropa.
Hintergrund: Hitze als Gesundheitsrisiko
Der Appell des Städte- und Gemeindebunds folgt auf eine Periode weit überdurchschnittlich hoher Temperaturen: Der EU-Klimadienst Copernicus ermittelte für Juni und Juli eine Durchschnittstemperatur von 21,62 Grad in der Region, zu der auch Deutschland gehört. Dies lag um 2,79 Grad über dem langjährigen Mittel 1991–2020. Das Robert Koch-Institut (RKI) schätzt, dass in Folge der Hitze allein tausende Menschen gestorben sind; das RKI geht von 9 600 hitzebedingten Sterbefällen aus.
In vielen Kliniken gebe es bislang keine flächendeckend installierten Klimaanlagen, heisst es beim DStGB. Spiegler betonte, Klimatisierung diene nicht nur dem Komfort, sondern schütze Patientinnen und Patienten sowie das Klinikpersonal vor gesundheitlichen Folgen extremer Hitze.
«Krankenhäuser brauchen Klimaanlagen für die Patientinnen und Patienten, aber auch für das Klinikpersonal», sagte DStGB-Präsident Ralph Spiegler.
Welche Massnahmen sind nötig?
Der DStGB fordert eine umfassende Betrachtung der Lage in Alten- und Pflegeheimen und eine klimagerechte Ausstattung der Räumlichkeiten. Konkrete Vorschläge aus dem Verband umfassen neben Klimaanlagen auch bauliche Anpassungen zur Verringerung von Wärmeaufnahme, verbesserte Belüftungskonzepte und Schattierungslösungen. Ebenso wichtig seien Notfallpläne, um vulnerable Personen bei Hitzewellen zu schützen.
- Klimaanlagen für Patientenzimmer, Intensivstationen und Personalbereiche
- Bauliche Massnahmen wie Dämmung, Sonnenschutz und hitzereflektierende Materialien
- Organisatorische Vorkehrungen inklusive Hitzeschutzpläne und Temperaturmonitoring
Finanzierung und politische Folgen
Der genannte Betrag von mindestens 20 Milliarden Euro verdeutlicht das Ausmass der finanziellen Herausforderung. Wer diese Kosten tragen soll, ist bislang nicht geklärt: Kommunen, Länder und der Bund sind mögliche Akteure, ebenso wie Förderprogramme auf EU-Ebene. Der DStGB macht mit seiner Forderung öffentlichen Druck, damit die Frage der Finanzierung und Priorisierung rasch geklärt wird.
Für die Gesundheitsversorgung hat Hitze unmittelbare Folgen: Höhere Belastungen für das Personal, veränderte Arbeitsbedingungen und ein erhöhtes Risiko für hitzebedingte Erkrankungen und Todesfälle. Eine unzureichende Infrastruktur könne die Versorgungsqualität in Spitzenbelastungszeiten gefährden.
Konsequenzen für die Schweiz
Obwohl die Forderung vom deutschen Städte- und Gemeindebund stammt, ist das Thema auch für die Schweiz relevant. Hitze betrifft länderübergreifend die Gesundheitsinfrastruktur. Schweizer Spitäler und Heime müssen prüfen, ob ihre Gebäude gegen zunehmend häufige und intensive Hitzewellen gewappnet sind. Kantonale und kommunale Behörden sind gefordert, Massnahmen zu koordinieren und Investitionsbedarfe zu ermitteln.
Die Diskussion um Hitzeschutz in Gesundheitseinrichtungen dürfte in den kommenden Monaten an Bedeutung gewinnen, wenn meteorologische Dienste weitere Hitzewellen ankündigen. Klar ist: Angesichts der dokumentierten Temperaturanomalien und der Schätzungen zu hitzebedingten Todesfällen werden politische Entscheide über Finanzierung und Priorisierung notwendiger Anpassungen unausweichlich sein.