Viele Erwachsene erreichen empfohlene Schlafdauer nicht
Knapp 40 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland gaben in einer repräsentativen Telefonbefragung an, unter der Woche weniger als sieben Stunden Schlaf pro Nacht zu bekommen. Die Untersuchung des Robert Koch-Instituts (RKI) ist im Journal of Health Monitoring publiziert worden und basiert auf Daten von etwas mehr als 8 000 Erwachsenen, erhoben von Mai 2023 bis Februar 2024.
Deutliche Geschlechterunterschiede und Altersmuster
Die Erhebung zeigt klare Differenzen zwischen Männern und Frauen: Rund 43 Prozent der Männer berichten von einer Schlafdauer unter sieben Stunden an Werktagen, bei den Frauen sind es etwa 36 Prozent. Besonders ausgeprägt ist der Kurzschlaf bei Männern im Alter von 45 bis 64 Jahren, hier liegt der Anteil bei 53 Prozent.
| Gruppe | Anteil mit <7 Stunden (Werktage) |
|---|---|
| Gesamt (Erwachsene) | ~40 % |
| Männer | 43 % |
| Frauen | 36 % |
| Männer 45–64 Jahre | 53 % |
Wochenende bringt etwas Erholung
Am Wochenende erholt sich ein Teil der Bevölkerung: Nur noch knapp 23 Prozent der Befragten schlafen dann zu kurz. Die Unterschiede nach Geschlecht bleiben bestehen: Rund 26 Prozent der Männer und 20 Prozent der Frauen geben an, auch am Wochenende weniger als sieben Stunden zu schlafen.
Bildungsniveau spielt nur bei Männern eine Rolle
Das RKI berichtet, dass ein statistisch eindeutiger Unterschied nach Bildungsniveau lediglich bei Männern erkennbar ist. In der hohen Bildungsgruppe lag der Anteil der Männer mit kurzer Schlafdauer an Werktagen bei rund 35 Prozent, in der mittleren Gruppe bei etwa 46 Prozent und in der niedrigen Gruppe bei rund 43 Prozent. Bei der Einstufung wurden sowohl allgemeine als auch berufliche Ausbildung berücksichtigt.
Gesundheitliche Folgen: Risiken für Herz, Stoffwechsel und Psyche
Die Autoren erinnern daran, dass eine Schlafdauer unter sieben Stunden nach internationalen Empfehlungen für Erwachsene als zu kurz angesehen wird. Kurzfristig kann zu wenig Schlaf Leistungsfähigkeit und Befinden beeinträchtigen, langfristig steht er laut Studie in Zusammenhang mit einer Reihe von Gesundheitsproblemen:
- Bluthochdruck (Assoziation mit kurzer Schlafdauer)
- Zunahme des Risikos für Adipositas und Diabetes
- Erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Mögliche negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit
Gleichzeitig betonen die Forschenden, dass nicht alle Personen mit kurzer Schlafdauer automatisch ein erhöhtes Gesundheitsrisiko tragen. Die Zusammenhänge seien komplex und von weiteren Faktoren abhängig.
Konsequenzen für Prävention und Forschung
Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Schlaf als öffentlichen Gesundheitsfaktor. Für Politik und Gesundheitswesen ergeben sich mehrere Handlungsfelder:
- Aufklärung über empfohlene Schlafdauer und gute Schlafhygiene in der Bevölkerung.
- Berücksichtigung von Arbeitszeiten, Schichtplänen und Vereinbarkeit von Beruf und Erholung in arbeitsmarktpolitischen Diskussionen.
- Gezielte Präventionsangebote für besonders betroffene Gruppen, etwa Männer mittleren Alters.
- Weiterführende Forschung, um kausale Zusammenhänge und Mediatoren (z. B. Stress, Schlafstörungen, Lebensstil) zu klären.
Die RKI-Studie liefert aktuelle, repräsentative Daten, die zeigen, dass Schlafmangel kein Randphänomen ist. Vernünftige Präventions- und Interventionsstrategien könnten dazu beitragen, langfristige gesundheitliche Folgen zu reduzieren. Für Ärztinnen, Arbeitgeber und Politik bleibt die Frage, wie gesellschaftliche Rahmenbedingungen so gestaltet werden können, dass ausreichender Schlaf realistischer wird.
Quelle: Robert Koch-Institut; Journal of Health Monitoring; Datenerhebung Mai 2023 bis Februar 2024 (n ≈ 8 000)