Im belebten Ambiente der Markthalle Basel hat am Montag ein neues Angebot für junge Menschen seinen Betrieb aufgenommen: Das Pilotprojekt «Ansprechbar» läuft künftig im Café Finkmüller und richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene, die ihre Sorgen und Probleme in einem niederschwelligen Rahmen besprechen möchten. Träger sind die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), das Universitäre Psychiatrische Klinikum (UPK) sowie die Psychiatriekommission beider Basel.
Konzept und Anlass
Das Projekt soll an drei Nachmittagen pro Woche stattfinden und setzt auf sogenannte Peers — junge, geschulte Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner, die auf Augenhöhe zuhören. Ausgangspunkt war ein Psychiatriekonzept, das für die Kinder- und Jugendpsychiatrie mehr leicht zugängliche Unterstützungsangebote forderte. Ein bestehendes niederländisches Modell mit dem Namen «@ease» diente als Vorbild, eine Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2024 legte die Grundlage für die Adaption in Basel.
Wer steht dahinter
Die FHNW koordiniert das Vorhaben; die Projektleitung liegt bei der Hochschule für Soziale Arbeit. Die Zusammenarbeit mit dem UPK und der Psychiatriekommission soll sicherstellen, dass fachliche Expertise jederzeit verfügbar ist. Vor Ort befinden sich Fachpersonen, die im Bedarfsfall intervenieren oder an weiterführende Angebote verweisen können.
Warum gerade jetzt?
Die Initiantinnen verweisen auf eine sich verschärfende Lage: Junge Menschen zeigten derzeit besondere Vulnerabilität, nicht zuletzt wegen Belastungen, die das psychosoziale Wohlbefinden beeinträchtigen. Die Projektleiterin macht darauf aufmerksam, dass die Einsamkeit unter Jugendlichen zugenommen habe.
«Mittlerweile überhole die Jugend sogar die ältere Bevölkerung, wenn es um das Einsamkeitsempfinden geht», sagt Sarah Bestgen, Dozentin an der Hochschule für Soziale Arbeit und Leiterin des Projekts «Ansprechbar».
Peer-Ausbildung und Auswahlkriterien
Für das Zuhören werden laufend sogenannte Listener rekrutiert und geschult. Bei der Auswahl spielen Eigenschaften wie Offenheit, Empathie und psychische Stabilität eine zentrale Rolle. Die Ausbildung soll sicherstellen, dass die Peers Belastungen erkennen und bei Bedarf die professionelle Kette aktivieren können.
- Ort: Café Finkmüller, Markthalle Basel
- Frequenz: drei Nachmittage pro Woche
- Trägerschaft: FHNW in Kooperation mit UPK und Psychiatriekommission beider Basel
- Zielgruppe: Jugendliche und junge Erwachsene
Was junge Menschen erwarten können
Das Angebot ist freiwillig und niederschwellig angelegt: Wer mit Gleichaltrigen sprechen will, soll in einer vertraulichen, nicht-klinischen Umgebung eine erste Anlaufstelle finden. Ziel ist es nicht, Diagnosen zu stellen, sondern zuzuhören, zu begleiten und – falls nötig – an Fachstellen weiterzuvermitteln. Die Präsenz von Fachpersonen vor Ort dient als Sicherheitsnetz.
Ausblick und Einbindung der Jugend
Um sicherzustellen, dass die Perspektiven junger Menschen im Zentrum stehen, wurde eine Fachgruppe sowie eine Jugendbegleitgruppe eingesetzt. Die Einbindung der Zielgruppe in Planung und Umsetzung ist Ausdruck eines partizipativen Ansatzes: Die Praxis soll sich an tatsächlichen Bedürfnissen orientieren, nicht an akademischen Annahmen.
Lokaler Kontext und Bedeutung
Die Markthalle zählt rund eine Million Besucherinnen und Besucher jährlich und bietet damit einen öffentlichen, leicht erreichbaren Raum. Ein Angebot wie «Ansprechbar» nutzt diese Sichtbarkeit, um niederschwellige Hilfen dort anzubieten, wo junge Menschen ohnehin verkehren. Für die kantonalen Akteurinnen und Akteure ist das Projekt eine Ergänzung bestehender Dienste und ein Versuch, Barrieren bei der Inanspruchnahme psychischer Unterstützung zu senken.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Start | Montag (Pilotphase) |
| Ort | Café Finkmüller, Markthalle Basel |
| Angebot | 3 Nachmittage pro Woche, Peers + Fachpersonen |
| Vorbild | Niederländisches Modell «@ease» |
Das Projekt befindet sich in einer Pilotphase. Ob und wie es ausgeweitet wird, hängt von der Nachfrage, den gewonnenen Erfahrungen und der weiteren Ressourcenplanung ab. Für Basel ist «Ansprechbar» ein Versuch, die Kluft zwischen informellen Gesprächsangeboten und professioneller Versorgung zu überbrücken — ein Angebot, das sowohl Prophylaxe leisten als auch niederschwellig Orientierung geben kann.
Weitere Informationen zur Teilnahme, zu Schulungen für Listener oder zu Öffnungszeiten sollen demnächst kommuniziert werden. Die Initianten betonen, dass es sich um ein ergänzendes Angebot handelt; bei akuten Krisen gelten weiterhin die etablierten Notfallwege und Fachstellen.