Die Baselbieter Regierung will die Digitalisierung und die Steuerung der Gesundheitskosten verstärken und legt dem Landrat eine entsprechende Vorlage vor. Im Zentrum stehen die Finanzierung der Aufbauphase einer kantonalen digitalen Gesundheitsplattform sowie zusätzliche Stellen zur besseren Durchsetzung des Prinzips «ambulant vor stationär».
Konkrete Finanz- und Personalforderungen
Für die Entwicklung der Plattform «OpenHealth BL» beantragt die Regierung laut Vorlage knapp 2,5 Millionen Franken. Dieser Betrag soll ausschliesslich die Aufbauphase finanzieren; der spätere Betrieb soll nicht durch den Kanton getragen werden. Zusätzlich beantragt die Regierung einen wiederkehrenden Betrag von 400'000 Franken pro Jahr. Mit diesen Mitteln sollen ab Januar 2027 insgesamt 1,7 neue Stellen im Amt für Gesundheit geschaffen werden, um die Verlagerung von Behandlungen vom stationären in den ambulanten Bereich stärker zu kontrollieren.
Ziel: Bessere Vernetzung und Effizienzsteigerung
Die Gesundheitsplattform «OpenHealth BL» soll Leistungserbringer wie Spitäler, Hausärzte und Apotheken befähigen, behandlungsrelevante Patientendaten auszutauschen. Ziel sei es, die Behandlungsqualität zu verbessern und die Effizienz im System zu erhöhen, heisst es in der Vorlage. Der Kanton betont, er wolle nur die Aufbauphase unterstützen; Betriebskosten und die Weiterführung sollen anschliessend von den Leistungserbringern oder Dritten übernommen werden.
«Ambulant vor stationär»: Statistik als Begründung
Als Begründung für die zusätzlichen Stellen nennt die Regierung Zahlen aus dem Jahr 2024: Im Kanton Baselland seien 800 Eingriffe pro 100'000 Einwohner stationär vorgenommen worden, obwohl sie ambulant möglich gewesen wären. Der Schweizer Durchschnitt lag demnach bei 583 Fällen pro 100'000 Einwohner. Die Regierung erwartet, dass ein konsequenteres Controlling und eine bessere Steuerung durch die zusätzlichen Stellen zu Einsparungen in Millionenhöhe führen können.
| Indikator | Baselland (2024) | Schweizer Durchschnitt (2024) |
|---|---|---|
| Stationäre Eingriffe, die ambulant möglich gewesen wären (pro 100'000 Einwohner) | 800 | 583 |
Teil der Strategie «Gesundheit BL 2030»
Beide Vorhaben – die Plattform und die zusätzlichen Stellen – gehören zur Strategie «Gesundheit BL 2030», mit der der Kanton langfristig die Versorgungssicherheit, Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen stärken will. Die Regierung untermauert die Massnahmen mit dem Ziel, sowohl die Behandlungsqualität als auch die Systemeffizienz zu erhöhen.
Mögliche Folgen für Leistungserbringer und Patienten
Für Spitäler, Hausärzte und Apotheken würde die Plattform neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit eröffnen, etwa beim Informationsaustausch zu Medikamenten, Befunden oder Behandlungsverläufen. Das kann Doppeluntersuchungen reduzieren und Übergaben zwischen ambulant und stationär vereinfachen. Gleichzeitig stellt die geplante Kostenübertragung für den späteren Betrieb eine Herausforderung dar: Die Regierung sieht vor, nur die Aufbaukosten zu tragen.
- Aufbaukosten für OpenHealth BL: knapp 2,5 Mio. Fr.
- Wiederkehrender Betrag: 400'000 Fr. pro Jahr
- Neu zu schaffende Stellen: 1,7 im Amt für Gesundheit ab 2027
Offene Fragen vor der Beschlussfassung
Vor einer parlamentarischen Entscheidung sind mehrere Fragen zu klären: Wie genau soll der laufende Betrieb der Plattform finanziert werden? Welche technischen und datenschutzrechtlichen Vorgaben gelten für den Datenaustausch? Und wie werden die zusätzlichen Stellen beim Amt für Gesundheit konkret eingesetzt, um «ambulant vor stationär» effektiv umzusetzen und zugleich unnötige stationäre Aufenthalte zu vermeiden?
Die Vorlage wird dem Landrat zur Beratung überwiesen. In der Debatte werden sowohl Effizienz- und Sparpotenziale als auch die praktischen Herausforderungen der Umsetzung im Vordergrund stehen. Entscheidend wird sein, dass Aufbau und Betrieb der Plattform kosteneffizient, technisch sicher und mit klaren Verantwortlichkeiten gestaltet werden.
Die vorgeschlagenen Massnahmen markieren einen Schritt hin zu stärkerer Steuerung und Vernetzung im Gesundheitswesen des Kantons Baselland. Ob die Investitionen die erwarteten Einsparungen und Qualitätsgewinne bringen, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.