Spitäler in Niedersachsen benötigen nach Einschätzung der regionalen Krankenhausgesellschaft umfangreiche Investitionen, um Patientinnen, Patienten und Personal vor künftig zu erwartenden Hitzewellen zu schützen. Der von der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG) bezifferte Bedarf liegt bei mindestens drei Milliarden Euro, wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtet. Wer die aufwändigen Nachrüstungen bezahlen soll, ist offen.
Verbände fordern zusätzliche, verlässliche Mittel
Der Verbandsdirektor der NKG, Helge Engelke, sieht die Bundesländer in der Pflicht: Für den Umbau brauche es eine „gezielte und verlässliche zusätzliche Förderung“, sagte er laut Bericht. Bisher würden Hitze- und Klimaschutz bei Investitionsprogrammen nicht gesondert berücksichtigt. Viele Spitalbauten seien älter, eine nachträgliche Installation von Klimaanlagen sei technisch aufwendig und teuer.
„Die Bundesländer stehen in der Pflicht, ausreichende Investitionsmittel für eine sachgerechte bauliche Ausstattung der Krankenhäuser zur Verfügung zu stellen.“ — Helge Engelke, Niedersächsische Krankenhausgesellschaft
Landesregierung fordert Bund zur Mitfinanzierung auf
Der niedersächsische Gesundheitsminister Andreas Philippi mahnte, Länder und Gemeinden könnten die anstehenden Herausforderungen nicht allein stemmen. Er nannte konkrete Massnahmen wie Markisen oder klimafreundlichere technische Anlagen und forderte, dass diese vom Bund finanziert werden müssten. Philippi schloss sich damit Forderungen nach einem umfassenden nationalen Hitzeaktionsplan an.
Der Minister verwies zugleich auf die gesundheitlichen Folgen extremer Hitze: Nach Angaben in dem Bericht seien bis Ende Juli in Niedersachsen laut Robert-Koch-Institut etwa 480 Menschen an den Folgen der Hitze gestorben. Er forderte, dass medizinische und pflegerische Einrichtungen als Schutzräume nutzbar bleiben müssten.
Technische Realität in Spitälern
Derzeit sind Klimaanlagen in niedersächsischen Kliniken hauptsächlich in Operationssälen, auf Intensivstationen oder in Laboren installiert. Auf Normalstationen seien solche Systeme „die Ausnahme und nicht die Regel“, so Engelke. Das macht Nachrüstungen besonders komplex, weil bestehende Gebäude oft nicht auf zusätzliche Lüftungs- und Klimatechnik ausgelegt sind.
- Investitionsbedarf: Mindestens drei Milliarden Euro laut NKG.
- Betroffene Bereiche: Vor allem Normalstationen, Pflegeheime und öffentliche Bereiche ohne Klimatisierung.
- Geforderte Massnahme: Zusätzliche, gezielte Fördermittel und ein nationaler Hitzeaktionsplan.
| Faktor | Angabe |
|---|---|
| Bezeichneter Investitionsbedarf | Mindestens 3 Milliarden Euro |
| Gemeldete Hitze-Todesfälle (bis Ende Juli) | 480 (Niedersachsen, RKI-Angabe) |
Konsequenzen und offene Fragen
Die Forderung nach Bundesbeteiligung wirft grundsätzliche Fragen zur Zuständigkeit bei Investitionen in stationäre Gesundheitsinfrastruktur auf. Während Länder und Kommunen traditionell für Spitalbau und -unterhalt zuständig sind, argumentieren Vertreter aus Gesundheitsministerium und Verbänden, die klimaassoziierten Mehrkosten würden das typische Budgetspektrum überschreiten und erforderten nationale Lösungen.
Praktisch stehen Spitäler vor mehreren Herausforderungen: technische Machbarkeit bei Altbauten, zeitlicher Aufwand für Umbauarbeiten ohne Einschränkung des Betriebs, laufende Kosten und die Frage, in welchem Umfang klimafreundliche Systeme prioritär gefördert werden. Auch die Pflegeheime und ambulanten Einrichtungen, die ähnlich exponiert sind, würden zusätzliche Unterstützung benötigen.
Für die Schweiz ist die Diskussion relevant: Hitzeereignisse nehmen auch hier zu, und die Frage nach Finanzierung, Priorisierung und Schutz vulnerabler Patientengruppen betrifft das gesamte Gesundheitssystem. Ein nationaler Hitzeaktionsplan, wie ihn Philippi und die SPD-geführten Bundesressorts fordern, könnte Vorbildfunktion haben, jedoch wären dabei länderspezifische Strukturen und Finanzierungsmechanismen zu berücksichtigen.
Ob und in welchem Umfang der Bund künftig Mittel für Hitzeschutz in Krankenhäusern bereitstellt, bleibt abzuwarten. Klar ist: Ohne zusätzliche und gezielte Investitionen drohen erhebliche Risiken für Patientensicherheit und Arbeitsbedingungen in Spitälern während weiterer Hitzesommer.