Eine Auswertung des Robert Koch-Instituts (RKI), veröffentlicht im Fachjournal Journal of Health Monitoring, zeigt, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung in Deutschland nicht genügend schläft. Nach internationalen Empfehlungen gilt eine Schlafdauer von unter sieben Stunden als kurz. Die RKI-Daten aus dem Jahr 2023 ergeben, dass an Werktagen 39,6 Prozent der Befragten weniger als sieben Stunden pro Nacht schlafen; am Wochenende liegt dieser Anteil bei 22,7 Prozent.
Besonders betroffen: Männer mittleren Alters
Die Auswertung macht deutlich, dass kurze Schlafzeiten geschlechts- und altersabhängig verteilt sind. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Besonders auffällig ist die Gruppe der 45- bis 64-Jährigen: In dieser Altersklasse wiesen laut RKI 53 Prozent der Männer kurze Schlafzeiten auf. Die Untersuchung nennt verschiedene Faktoren, die die Schlafdauer und -qualität beeinflussen, darunter die Schlafumgebung, Lärm, Raumtemperatur, Lichteinflüsse sowie Nacht- und Schichtarbeit.
Gesundheitsrisiken verbunden mit kurzem Schlaf
Das RKI betont die gesundheitlichen Folgen kurzer Schlafzeiten. In der Auswertung zeigen sich Assoziationen zwischen kurzer Schlafdauer und mehreren gesundheitlichen Risiken, namentlich:
- Bluthochdruck
- Adipositas
- Diabetes
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Depressionen und Angststörungen
Die Daten deuten nicht zwingend auf Kausalität hin, aber auf relevante Zusammenhänge, die aus Sicht der öffentlichen Gesundheit Beachtung finden sollten. Kurzschlaf kann demnach sowohl ein Risikofaktor als auch ein Symptom bestehender Erkrankungen sein.
Welche Faktoren lassen sich beeinflussen?
Die Studie nennt mehrere beeinflussbare Elemente der Schlafhygiene: eine ruhige, abgedunkelte und angenehm temperierte Schlafumgebung, konsistente Schlaf-Wach-Zeiten sowie die Reduktion von Lärm und Lichtquellen im Schlafzimmer. Zudem wirkt sich Nacht- und Schichtarbeit nachteilig auf die Schlafdauer aus und stellt eine besondere Herausforderung für Prävention und Arbeitsorganisation dar.
| Messwert | Anteil |
|---|---|
| Wochentags Schlaf < 7 Stunden | 39,6 % |
| Wochenend Schlaf < 7 Stunden | 22,7 % |
| Männer 45–64 Jahre mit Kurzschlaf | 53 % |
Folgen für Prävention und Gesundheitspolitik
Für die Gesundheitsförderung ergeben sich mehrere Schlussfolgerungen. Aufklärungskampagnen zur Schlafhygiene könnten breite Wirkung erzielen, wenn sie konkrete, alltagstaugliche Massnahmen vermitteln. Arbeitgeber und Sozialpartner sind gefordert, Arbeitszeitmodelle zu prüfen, damit Nacht- und Schichtarbeit weniger gesundheitliche Folgen zeitigt. Ebenfalls wichtig ist die Integration von Schlaffragen in die primäre Versorgung: Ärztinnen und Ärzte sollten Schlafdauer und -qualität routinemässig erheben, gerade bei Patientinnen und Patienten mit Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes oder depressiven Symptomen.
Die RKI-Analyse stützt sich auf eine Bevölkerungsbefragung für 2023 und liefert damit aktuelle, bevölkerungsrepräsentative Hinweise auf das Ausmass und die gesundheitliche Relevanz von Kurzschlaf in Deutschland. Weitere Forschungsarbeiten könnten klären, in welchem Ausmass kurze Schlafdauer kausal zu den genannten Erkrankungen beiträgt und welche Interventionen kurzfristig und langfristig am wirkungsvollsten sind.
Kurzfristig lassen sich jedoch bereits einfache Massnahmen umsetzen: konsistente Schlafzeiten, Optimierung der Schlafumgebung und die Reduktion von störenden Einflüssen wie Licht und Lärm. Für Betroffene mit auffälligen Symptomen bleibt der Gang zur Hausärztin oder zum Hausarzt wichtig, um mögliche zugrundeliegende Erkrankungen abzuklären.