Zwischen Alltag und Fernweh
Basel hat in den letzten Jahren Menschen aus Konfliktgebieten aufgenommen. Zwei von ihnen, die in der Stadt Fuss gefasst haben, schildern sehr unterschiedliche Wege der Ankunft und des Ankommens: eine junge Unternehmerin, die 2025 ein Café eröffnete, und ein Student, der den Weg über eine Ausbildung an der KV und das Studium an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) wählte. Beide berichten von einer starken Verwurzelung in Basel, aber auch von einer andauernden Verbindung zur Ukraine.
Pragmatische Integration — und die mentale Bilanz
Die Erzählungen zeigen typische Schritte, die viele Geflüchtete in Basel gehen: formale Ausbildung abschliessen, wirtschaftliche Tätigkeit aufnehmen, ein Unternehmen gründen oder ein Studium beginnen. Solche Schritte sind für die Betroffenen nicht nur ökonomisch bedeutsam, sondern signalisieren auch eine bewusste Entscheidung, langfristig in der Stadt bleiben zu wollen. Gleichzeitig bleibt die mentale und emotionale Bindung an die Heimat bestehen, weil Familienangehörige und Nachrichten aus der Ukraine das tägliche Leben prägen.
«In Basel fühlte ich mich das erste Mal wieder daheim»
Dieses einfache, aber gewichtige Bekenntnis aus einem der Berichte fasst die Ambivalenz zusammen: Basel kann gleichzeitig Zufluchtsort und neue Heimat sein — die innere Distanz zur Heimat aber bleibt.
- Eine junge Frau eröffnete 2025 ein Café in Basel als Zeichen der langfristigen Verwurzelung.
- Ein junger Mann schloss eine KV-Lehre ab und studiert derzeit Betriebsökonomie an der FHNW.
- Beide bleiben mental eng mit Verwandten in der Ukraine verbunden und erleben dadurch eine doppelte Belastung: Integration im Alltag und Sorge um die Zurückgebliebenen.
Konkrete Schritte zur Stabilität
Die beiden porträtierten Personen zeigen, wie Integration in Basel konkret aussehen kann: Erwerbsarbeit, Ausbildung und unternehmerische Initiative. Solche Aktivitäten stärken nicht nur die individuelle Perspektive, sondern haben auch Auswirkungen auf das lokale Umfeld: Arbeitsplätze, kulturelle Bereicherung und wirtschaftliche Teilnahme. Für die Stadt und ihre Institutionen bedeutet das, dass neben humanitärer Erstversorgung längerfristige Angebote wichtig sind — etwa Anerkennung von Abschlüssen, Sprachförderung, Beratung für Existenzgründungen und Zugang zu Bildungswegen wie der FHNW.
| Person | Konkrete Schritte in Basel | Signifikantes Datum |
|---|---|---|
| Hanna Alieksieieva | Café eröffnet, Zeichen der Verwurzelung | 2025 |
| Mykhailo Mamedov | KV-Lehre abgeschlossen; Studium Betriebsökonomie an der FHNW | (kein genaues Datum genannt) |
Auswirkungen für die Stadt
Die Geschichten illustrieren, dass Basel nicht nur Durchgangsstation ist, sondern für viele Geflüchtete zu einem Ort wird, an dem sie aktiv an der Gesellschaft teilnehmen. Das hat mehrere Folgen für die Stadt:
- Integration als längerfristiger Prozess: Sozial- und Bildungsangebote müssen über die Erstversorgung hinaus erreichbar sein.
- Wirtschaftliche Teilhabe: Selbstständige Tätigkeiten und Ausbildungsabschlüsse stärken den lokalen Arbeitsmarkt.
- Soziale Verankerung: Lokale Treffpunkte wie Cafés und Bildungsmassnahmen fördern Begegnung und gegenseitiges Verständnis.
Die Balance zwischen Integration vor Ort und der Sorge um Angehörige im Kriegsgebiet bleibt eine Herausforderung, die sich nicht allein politisch lösen lässt, sondern gemeinschaftlich durch lokale Netzwerke, Bildungseinrichtungen, Arbeitgeber und kulturelle Initiativen getragen werden muss. Basel hat an vielen Stellen die Infrastruktur dafür; entscheidend wird sein, wie die Stadt diese Ressourcen koordiniert und zugänglich macht, damit Menschen nicht nur kurzfristig, sondern dauerhaft Fuss fassen können.
Die beiden Portraits stehen exemplarisch für viele andere, die in Basel leben: individuell verschieden, wirtschaftlich aktiv und emotional verbunden mit einer Heimat, die sie nicht vergessen. Sie erinnern daran, dass Integration immer auch ein Prozess des Aushandelns von Identität und Alltag ist — für die Betroffenen wie für die Stadt.