Seit fünf Jahren steht auf der Usabrücke in Bad Nauheim eine lebensgrosse Bronzestatue von Elvis Presley. Anders als die gängigen Popkultur-Ikonen zeigt die Skulptur den Sänger in Uniform: als US-Soldat, wie er von Oktober 1958 bis März 1960 in der Wetterau stationiert war. Die Figur erinnert an eine kurze, aber prägende Etappe in Presleys Leben und an seine Verbindung zur Kurstadt, in der er zeitweise wohnte.
Eine bewusste Darstellung gegen das Glitter-Image
Die Idee für das Denkmal entstand 2018; die beiden Initiatorinnen, Meike Berger und Angela Storm, sammelten danach Spenden für einen Bronzeguss. Nach Angaben der Initiatorinnen kamen rund 40'000 Euro zusammen. Seit 2021 steht die Statue auf der Brücke und gehört seither zu den Sehenswürdigkeiten, die Besucherinnen und Besucher beim European Elvis Festival ansteuern.
Die Darstellung des Sängers in Uniform war den Initiatorinnen wichtig. «Er war ja sowieso als Soldat und nicht als Musiker in Deutschland. Da muss man auch bei der Wahrheit bleiben», sagt Mit-Initiatorin Meike Berger.
«Er war ja sowieso als Soldat und nicht als Musiker in Deutschland. Da muss man auch bei der Wahrheit bleiben.»
Berührungsspuren und Pflege
Dass die Statue inzwischen Gebrauchsspuren trägt, sehen die Verantwortlichen mit gemischten Gefühlen: An Stellen, die häufig berührt werden – etwa Schulter, Hand und Gesichtszüge – sei die Bronze deutlich glänzender als am übrigen Körper, erzählt Berger. Kleinere Vandalismusschäden habe es ebenfalls gegeben: Einmal klebte ein Aufkleber hartnäckig, zweimal wurde rote Farbe ins Gesicht geschmiert. Diese Eingriffe liessen sich aber entfernen, grössere Schäden seien in den vergangenen Jahren nicht entstanden.
- Standort: Usabrücke, Bad Nauheim
- Enthüllungsjahr: 2021
- Spendenvolumen: rund 40'000 Euro (nach Angaben der Initiatorinnen)
- Elvis’ Militärdienst in Deutschland: Oktober 1958 bis März 1960 (stationiert in Friedberg, wohnhaft zeitweise in Bad Nauheim)
Ein Vorsorgeplan für die Statue
Für den unwahrscheinlichen Fall eines irreparablen Verlusts gibt es bereits Vorkehrungen: Für den Bronzeguss wurde ein Rohling gedruckt. Damit liesse sich die Figur im Schadensfall aus dem Rohling neu gießen beziehungsweise aus recyceltem Bronze-Material wiederherstellen. Diese Vorsorge spiegelt die Absicht, das Denkmal dauerhaft zu erhalten und die lokale Erinnerungskultur langfristig zu sichern.
Die fünfjährige Jubiläumsfeier soll der Statue zusätzliche Aufmerksamkeit bringen: Am Samstag ist eine Feier mit Musik und Reden geplant, wenn sich Fans zum European Elvis Festival in Bad Nauheim treffen. Die Statue fungiert dabei als konkreter Treff- und Erinnerungsort, der weniger das Bild des Auftrittsstars als das Bild des jungen Soldaten vergegenwärtigt.
Zwischen Pop und Lokalgeschichte
Die Bronzefigur ist ein Beispiel dafür, wie Popgeschichte lokal verankert wird: Nicht nur Plakate oder Archivfotos, sondern ein plastisches, öffentlich zugängliches Denkmal macht eine Episode aus dem Leben einer globalen Ikone erlebbar. Gerade die Wahl, Presley in Uniform zu zeigen, verweist auf die Vielschichtigkeit von Erinnerung – sie kann künstlerische Glorifizierung vermeiden und zugleich eine historische Tatsache sichtbar machen.
Solche Denkmäler sind fragil: Sie bieten Angriffsfläche für jugendlichen Leichtsinn, für politisierte Aktionen oder für politische Statements. Die Verantwortlichen in Bad Nauheim haben mit der Materialwahl, dem Rohling als Backup und einer aktiven Pflege- und Reinigungsroutine reagiert. Ob dies genügt, wird die weitere Nutzung zeigen. Fürs Erste aber steht der bronzene Elvis weiterhin auf der Brücke, wurde oft berührt und fotografiert und erinnert daran, dass selbst weltweite Stars lokale Geschichten hinterlassen können.