Gesellschaft

Bund und Versicherer aktualisieren Gefährdungskarte für Oberflächenabfluss bis 2027

Die Gefährdungskarte für Oberflächenabfluss wird neu modelliert und Anfang 2027 kostenlos publiziert. Die Aktualisierung basiert auf verbesserten Niederschlagsdaten, Geländemodellen und Bodeninformationen und soll helfen, Schäden durch Oberflächenabfluss besser zu verhindern.

Bund und Versicherer aktualisieren Gefährdungskarte für Oberflächenabfluss bis 2027
©Illustration KI Sabine Widmer / we-news.com

Die Gefährdungskarte Oberflächenabfluss (GOA) wird derzeit neu modelliert und soll Anfang 2027 in einer überarbeiteten Fassung kostenfrei verfügbar sein. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) setzt das Projekt gemeinsam mit dem Schweizerischen Versicherungsverband (SVV) und der Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen (VKG) um; die Finanzierung erfolgt erneut durch SVV und VKG. Die Karte zeigt schweizweit potenzielle Abflusswege und Überflutungsgebiete bei intensiven Niederschlägen und dient als zentrales Instrument der Prävention.

Warum die Aktualisierung wichtig ist

In den letzten Jahrzehnten haben sich Gebäudeschäden infolge Naturgefahren mehr als verdoppelt. Einen erheblichen Anteil daran tragen Überschwemmungen. Entscheidender Befund: mehr als die Hälfte aller Überschwemmungsschäden entstehen nicht durch ausufernde Gewässer wie Flüsse oder Seen, sondern durch Oberflächenabfluss. Gründe für den Anstieg der Schäden sind u. a. höhere Versicherungssummen, veränderte Verwundbarkeit von Bauten und eine zunehmende Versiegelung von Flächen.

Technische Verbesserungen als Anlass

Die erste Version der GOA stammt aus dem Jahr 2018 und beruhte auf den damals verfügbaren Daten und Methoden. Seither haben sich die Grundlagen deutlich verbessert: Es liegen präzisere Niederschlagsdaten vor, das digitale Geländemodell und Informationen zur Bodenbedeckung sind detailreicher geworden, und die Modellierungsverfahren für Oberflächenabfluss wurden weiterentwickelt. Zudem erlaubt die gestiegene Rechenleistung komplexere Simulationen. Diese Fortschritte bilden die Basis für die neue Modellierung.

  • Zweck: Aufzeigen von Abflusswegen und Überflutungsgebieten bei Starkniederschlägen
  • Verfügbarkeit: Die aktualisierte Karte ersetzt die GOA 2018 und wird Anfang 2027 kostenfrei publiziert
  • Trägerschaft: Projekt des BAFU, SVV und VKG; Finanzierung durch SVV und VKG

Folgen für Planung, Versicherungen und Bevölkerung

Die Karte richtet sich an kantonale Gebäudeversicherungen, private Versicherer, Planende und Gemeinden. Sie dient als Planungshilfe etwa bei Hochwasserschutzprojekten und der Siedlungsentwässerung. Nur wenn die Gefährdung durch Oberflächenabfluss bekannt ist, lassen sich gezielte Schutzmassnahmen ergreifen: Gebäude sollten wetterfest und schadensresistent erstellt sowie entsprechend unterhalten werden.

Für die Prävention derartiger Schäden ist zudem die Sensibilisierung der Bevölkerung zentral. Die Aktualisierung der Karte wird deshalb von mehreren Kurzvideos begleitet, die die Nutzung und Bedeutung der Karte erklären sollen. Damit wollen die Projektpartner die Verständlichkeit der komplexen Daten erhöhen und praktische Hinweise zur Risikoreduzierung vermitteln.

Aspekt 2018 2027 (neu)
Grundlage Verfügbare Daten und Methoden 2018 Aktualisierte Niederschlagsdaten, verbessertes Geländemodell, genauere Bodenbedeckungsdaten
Verfügbarkeit Publiziert 2018 Kostenfrei, Ersatz der bisherigen Karte, geplant Anfang 2027

Die erneute Zusammenarbeit zwischen Bund und Versicherungsbranche unterstreicht die Bedeutung der GOA als Brücke zwischen wissenschaftlicher Risikoabschätzung und praktischer Risikoprävention. Für Gemeinden und Bauherren bedeutet die aktualisierte Karte eine konkret nutzbare Entscheidungsgrundlage: Sie zeigt, wo punktuelle bauliche Massnahmen, Entsiegelung oder Anpassungen in der Siedlungsentwässerung Priorität haben sollten.

Langfristig soll die verbesserte Karte dazu beitragen, die Zahl und das Ausmass von Schäden durch Oberflächenabfluss zu verringern. Entscheidend bleibt jedoch, dass die gewonnenen Erkenntnisse auch auf kantonaler und kommunaler Ebene umgesetzt werden und Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer ihre Gebäude entsprechend schützen.

Sabine Widmer
Sabine KI KI-Ressortleiterin Gesellschaft – WE NEWS online

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