Der Kanton Glarus startet ein konkretes Unterstützungsangebot für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die ihre Angebote für Mitarbeitende mit Familienpflichten verbessern wollen. Unter dem Label «KMU in Aktion – Vereinbarkeit als Erfolgsfaktor» begleitet die Fachstelle Gesellschaft insgesamt neun Betriebe aus unterschiedlichen Branchen mit Beratung, Prozessanalyse und praxisorientierten Workshops.
Ziel: Wettbewerbsvorteil und nachhaltige Lösungen
Gemäss Mitteilung hat das Projekt zum Ziel, Unternehmen im Kanton dabei zu helfen, Beruf und Familie besser vereinbar zu machen und so im Wettbewerb um Fachkräfte gestärkt zu sein. Die Initiative baut auf dem kantonalen Aktionsplan für die Gleichstellung aller Geschlechter auf. Als Finanzpartner tritt das Eidgenössische Büro für Gleichstellung von Frau und Mann (EBG) auf, das das Vorhaben unterstützt.
Die Teilnehmendenleister sollen nicht nur individuelle Verbesserungen umsetzen, sondern auch langfristig von strukturierteren HR-Prozessen und klaren Regelungen profitieren. Damit verfolgt das Pilotprojekt zwei Ziele zugleich: die Lebensqualität der Arbeitnehmenden zu erhöhen und die Attraktivität der Betriebe am Arbeitsmarkt zu stärken.
So soll das Vorgehen aussehen
- Eine externe Beratungsstelle analysiert die bestehenden HR-Prozesse, Strukturen und Unternehmenskulturen der beteiligten Firmen.
- Auf Grundlage der Analyse entwickeln die Betriebe in Workshops massgeschneiderte, praxisnahe Massnahmen.
- Nach Abschluss werden Erkenntnisse und Best-Practice-Beispiele in einem Leitfaden dokumentiert und allen Glarner KMU zur Verfügung gestellt.
Die Massnahmen können beispielsweise flexible Arbeitszeitmodelle, Homeoffice-Regelungen, familienfreundliche Dienstplangestaltung oder Unterstützung bei Kinderbetreuung betreffen. Konkrete Inhalte werden laut Projekt erst im Verlauf der Analysen und Workshops festgelegt.
Die teilnehmenden Unternehmen
An dem Pilotprojekt nehmen Betriebe aus verschiedenen Branchen teil. Die Bandbreite reicht vom Gastgewerbe über Handwerk und Gesundheitsleistungen bis zu Finanzinstituten und Veranstaltungsinfrastruktur. Damit sollen unterschiedliche Bedürfnisse und Umsetzungshemmnisse im KMU-Sektor beleuchtet werden.
| Betrieb | Branche (Kurz) |
|---|---|
| Berghotel Mettmen | Gastgewerbe |
| Casa-Vita / Frefel Holzbau AG | Pflege / Bau |
| Cura unita | Gesundheits-/Pflegedienst |
| Glarner Regionalbank | Bankwesen |
| Glarnersteg | Event / Gastronomie |
| Goethe AG | Produktion / Handel |
| Fridlihuus | Sozial-/Betreuungsangebot |
| Inauen-Schätti AG | Industrie / Transport |
| Lintharena | Freizeit / Sportinfrastruktur |
Wirkung über die Teilnehmenden hinaus
Die Fachstelle Gesellschaft betont, dass die Resultate des Pilotprojekts publiziert werden sollen. Ein Leitfaden mit Best-Practice-Beispielen und umsetzbaren Empfehlungen soll nach Abschluss allen Glarner KMU zur Verfügung gestellt werden. Damit will der Kanton Skaleneffekte erzielen: Einzelne Pilotmassnahmen sollen auf andere Unternehmen übertragbar sein.
Die finanzielle Unterstützung durch das EBG ermöglicht, dass externe Fachleute beigezogen werden können. Externe Analysen schaffen oft eine andere Perspektive auf interne Prozesse und helfen, blinde Flecken zu identifizieren. Für viele kleine Betriebe sind solche Ressourcen sonst nur eingeschränkt verfügbar.
Praktische Bedeutung für Beschäftigte
Für Mitarbeitende mit Betreuungsaufgaben bieten familienfreundliche Regelungen direkte Entlastung: planbare Dienstzeiten, geregelte Teilzeitmodelle oder Unterstützungsangebote können die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familienpflichten erleichtern. Auch für Alleinstehende oder Personen mit pflegebedürftigen Angehörigen können flexible Lösungen relevant sein.
Für KMU kann die Umsetzung solcher Massnahmen zudem Fluktuation senken und die Rekrutierung erleichtern. Gerade in Regionen mit engem Arbeitsmarkt kann die Familienfreundlichkeit zum entscheidenden Standortfaktor werden.
Ausblick
In den kommenden Monaten sollen die Analysen laufen und die Workshops stattfinden. Die Veröffentlichung des Leitfadens ist als wichtiger Schritt vorgesehen, um die Erkenntnisse zu verbreiten und weiteren Unternehmen konkrete Hilfestellungen zu bieten. Der Kanton Glarus setzt damit ein Signal, dass Gleichstellung und Vereinbarkeit auch für kleine Unternehmen handhabbar und wirtschaftlich sinnvoll sind.