Das Bartgeier-Männchen Lepontino II ist wieder in die Freiheit entlassen worden. Die Auswilderung erfolgte am 18. August in Linthal durch die Stiftung Pro Bartgeier und die kantonale Wildhut, wie die Abteilung Jagd und Fischerei des Kantons Glarus mitteilte. Der Vogel war im April stark geschwächt südlich von Linthal aufgefunden und seither in Pflege gewesen.
Fund, Diagnose und Betreuung
Die Wildhut hatte das Tier am 1. April im Gebiet Tierfehd eingefangen und für weitergehende Untersuchungen in das Tierspital Zürich gebracht. Die Fachleute diagnostizierten schwere Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen. Solche Symptome treten bei Greifvögeln häufig nach Kollisionen oder bei Bleivergiftungen auf.
Die Untersuchungen zeigten erhöhte Bleiwerte im Blut, die allein die ausgeprägten neurologischen Störungen aber nicht vollständig erklärten. In der Mitteilung heisst es, dass auch eine Kollision mit einem Schädel-Hirn-Trauma als ursächlich in Frage kommt; eine geringe Bleibelastung kann jedoch die Vitalität und das Reaktionsvermögen der Vögel schwächen und damit eine Kollision beguenstigen.
Für die anschliessende Pflege war die Wildtier-Pflegestation des Natur- und Tierparks Goldau im Kanton Schwyz verantwortlich. Dort erholte sich das junge Männchen so weit, dass eine erfolgreiche Auswilderung möglich wurde. Der Vogel war 2025 im Tessin ausgeflogen und erhielt den Namen Lepontino II.
Bedeutung für die Wiederansiedlung und Population
Der Fall von Lepontino II steht in der Tradition des internationalen Bartgeier-Wiederansiedlungsprojekts, das in den 1980er-Jahren begann. Die Schweiz beteiligt sich nach eigenen Angaben seit 1991 an diesen Bemühungen. Heute gibt es im Alpenraum 98 Reviere mit Brutpaaren, davon 35 Reviere in der Schweiz, wie die Mitteilung ergänzte.
Zur Erhaltung und Stärkung der genetischen Vielfalt werden weiterhin Jungvögel aus Zuchtprogrammen ausgewildert. Bartgeier sind auf spezielle Nahrung, vor allem Knochen, angewiesen und ziehen in der Natur meist nur ein Junges pro Jahr auf.
Was der Vorfall für die Region bedeutet
Die Auswilderung in Linthal ist nicht nur ein Erfolg für die beteiligten Organisationen, sondern auch ein Indiz dafür, dass betreute Rehabilitation in Zusammenarbeit mit kantonalen Behörden greifen kann. Für die lokale Bevölkerung und Wandernde bedeutet dies, dass in den kommenden Jahren vermehrt Bartgeier in der Region auftreten könnten, was Beobachtungsmöglichkeiten und Diskussionen über Koexistenz eröffnet.
- Fundort: Tierfehd, südlich von Linthal
- Einfang: 1. April (Wildhut)
- Pflegeort: Natur- und Tierpark Goldau (Schwyz)
- Auswilderung: 18. August in Linthal
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 1. April | Einfang durch kantonale Wildhut |
| April (Untersuchungen) | Behandlung im Tierspital Zürich; erhöhte Bleiwerte festgestellt |
| Pflegezeit | Betreuung in Goldau (Natur- und Tierpark) |
| 18. August | Auswilderung in Linthal |
Praktische Hinweise für Bewohner und Besucher
Wer Bartgeier beobachten möchte, sollte einige Punkte beachten: Hohe Beobachtungspunkte ohne Störung des Vogels wählen, Tiere nicht verfolgen oder bedrängen, und Funde kranker oder verletzter Greifvögel der kantonalen Wildhut melden. Solche Meldungen ermöglichen rasche Hilfe und erhöhen die Chancen für eine erfolgreiche Genesung und Auswilderung.
Der Fall macht zudem darauf aufmerksam, dass Umweltgifte wie Blei weiterhin eine Gefahr für Greifvögel darstellen können. Blei belastete Kadaver oder Jagdmunition gelten als mögliche Quellen; daher sind präventive Massnahmen und Sensibilisierung in Jagd- und Bergsportkreisen wichtig.
Die Abteilung Jagd und Fischerei des Kantons Glarus arbeitet mit Stiftungen und Pflegeeinrichtungen zusammen, um Individuen wie Lepontino II zu helfen und die langfristige Wiederansiedlung der Art zu fördern. Die erfolgreiche Auswilderung demonstriert, wie fachübergreifende Kooperationen in Naturschutzprojekten zum Tragen kommen.
Für die Region Linthal und den Kanton Glarus bietet der erneute Auftauch eines Bartgeiers Gelegenheit, das Gespräch über Artenschutz, Gefahrenquellen und naturnahe Erlebnisse in den Bergen zu vertiefen.