Die Betreiberin der Standseilbahn nach Braunwald steht finanziell unter Druck. Der Kanton Glarus stellt dem Unternehmen insgesamt bis zu 2,8 Millionen Franken zur Verfügung, um die Liquiditaet kurzfristig zu sichern. In einem ersten Schritt hat der Regierungsrat einen Sofortkredit von 600'000 Fr. gesprochen. Die Massnahme soll den oeffentlichen Zugang zum autofreien Tourismusort garantieren.
Verluste in Serie
In einer Mitteilung der Braunwald-Standseilbahn AG wird fuer 2026 ein Verlust von 2 Millionen Franken prognostiziert. Damit setzt sich eine Serie roter Zahlen fort: 2024 schloss die Gesellschaft mit einem Minus von 1,5 Millionen Franken, 2025 mit rund 1 Million Franken. Die Betreiberfirma schreibt, man stehe «finanziell vor einer erheblichen Herausforderung».
«Man stehe finanziell vor einer erheblichen Herausforderung»
Der Kanton begruendet den Eingriff mit der Sicherstellung des oeffentlichen Verkehrs nach Braunwald. Die Standseilbahn verbindet Linthal mit Braunwald und ist der einzige oeffentliche Zugang zum autofreien Bergdorf. Ein Ausfall der Bahn waere deshalb auch eine direkte Beeintraechtigung der Grundversorgung und des Tourismusangebots.
Gestaffelte Unterstuetzung und Ziel der Massnahme
Der Regierungsrat hat die Finanzhilfe gestaffelt und will weitere Beträge bedarfsgerecht freigeben. Der erste Schritt mit dem Sofortkredit solle ausreichende Liquiditaet schaffen, um den Betrieb kurzfristig aufrechtzuerhalten. Ziel ist es, Unterbrueche im oeffentlichen Verkehr zu vermeiden und Zeit zu gewinnen, um eine tragfaehige Loesung zu erarbeiten.
- Akuter Sofortkredit: 600'000 Fr.
- Gesamte zugesagte Mittel: 2,8 Mio. Fr.
- Verlustprognose 2026: 2,0 Mio. Fr.
- Verluste 2024–2025: 1,5 Mio. Fr. (2024), 1,0 Mio. Fr. (2025)
Auswirkungen auf Tourismus und Dorfleben
Die finanzielle Notlage der Standseilbahn fällt in eine ohnehin angespannte Situation in Braunwald: Im Juni hatten die Bergbahnen den Skibetrieb eingestellt, was im Dorf zu Diskussionen und Protesten fuehrte. Die Kombination aus reduziertem Angebot im Winter und anhaltenden Verlusten bei der Standseilbahn verstaerkt die Unsicherheit bei Gewerbe, Beherbergern und Einwohnerinnen und Einwohnern.
Oeffentliche Verkehrsmittel sind fuer Braunwald nicht nur touristisch, sondern auch gesellschaftlich wichtig: Sie ermoeglichen den Zugang zu Einkaufsmoglichkeiten, Dienstleistungen und medizinischer Versorgung in den Talorten. Ein weiterer Rückgang des Angebots koennte die Lebens- und Standortqualitaet beeintraechtigen.
Offene Fragen und naechste Schritte
Die kantonale Massnahme sichert vorlaeufig die Liquiditaet; wie die Standseilbahn mittelfristig saniert oder restrukturiert werden soll, bleibt offen. Fuer die kommenden Monate stehen Verhandlungen zwischen dem Kanton, der Gesellschaft und moeglicherweise weiteren Akteuren an. Der Kanton spricht von bedarfsgerechter Freigabe weiterer Gelder, konkrete Bedingungen oder Auflagen fuer weitere Zahlungen wurden bisher nicht bekannt gegeben.
| Jahr | Verlust (Fr.) |
|---|---|
| 2024 | 1'500'000 |
| 2025 | 1'000'000 |
| 2026 (Prognose) | 2'000'000 |
Die zusaetzlichen staatlichen Mittel stellen den Versuch dar, eine kritische Verkehrsinfrastruktur kurzfristig zu stabilisieren. Langfristig werden jedoch betriebliche Anpassungen, neue Ertragsquellen oder eine klar definierte Umlage zwischen Kanton und Gemeinde notwendig sein, um wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen.
Fuer Braunwald bleibt die Herausforderung zweifach: Einerseits muss die Standseilbahn wirtschaftlich tragfaehig werden, andererseits muessen Unterkunfts- und Freizeitangebote so gestaltet werden, dass sie gaeste anziehen – auch ohne Skibetrieb. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die kombinierte Hilfe von Kanton und regionalen Akteuren ausreicht, um den Kurort nachhaltig zu stabilisieren.
Die Braunwald-Standseilbahn AG und der Regierungsrat haben bisher keine weiteren Details zu Bedingungen oder Zeitplan fuer die Freigabe der restlichen Mittel veroeffentlicht. Die Situation bleibt somit dynamisch.