Die Standseilbahn Braunwald AG befindet sich in einer akuten Liquiditätskrise. Der Glarner Regierungsrat hat deshalb einen Sofortkredit in Höhe von 600'000 Fr. gesprochen und kündigt an, weitere Mittel gestaffelt und bedarfsgerecht freizugeben. Insgesamt werden bis Mitte 2027 knapp 3'000'000 Fr. an Finanzbedarf erwartet, wie der Kanton in seiner Mitteilung ausführt. Mit dem Eingreifen will die Exekutive den Fortbestand der öffentlichen Erschliessung des Bergdorfs sichern.
Hintergrund der Krise
Die Standseilbahn ist die einzige öffentliche Verkehrsanbindung zwischen Linthal und dem autofreien Tourismusort Braunwald auf 1'300 Metern. Weil die Bahn seit 2023 hohe Verluste schreibt, ist sie «nicht mehr in der Lage, sich selbstständig über die Runden zu bringen», heisst es vom Kanton. Die erwarteten Defizite summieren sich bis Mitte 2027 auf knapp 3 Mio. Fr..
Die finanzielle Entwicklung lässt sich an den vergangenen Geschäftsjahren ablesen: Die Bahn meldete 2024 ein Minus von 1,5 Mio. Fr., 2025 waren es 1,0 Mio. Fr.. Für 2026 prognostiert die Standseilbahn AG einen Verlust von 2,0 Mio. Fr.. In der Folge fehlt dem Unternehmen die nötige Liquidität, um den laufenden Betrieb sicherzustellen.
«finanziell vor einer erheblichen Herausforderung»
Sanierung und Ursachen
Dass die Bahn zuvor investiert hat, macht die Lage zusätzlich erklärungsbedürftig: Ab 2023 wurde die Anlage für fast 11 Mio. Fr. saniert. Dazu gehörten eine neue Talstation, ein neuer Maschinenraum und Modernisierungen im Wageninneren. Die Sanierung wurde ebenfalls mit kantonalen Mitteln mitgetragen. Trotz dieser Investitionen konnten die letzten Winter mit geringem Schneefall die erwarteten Erträge nicht bringen.
Neben den klimatischen Einflüssen prägen auch strukturelle Faktoren die Situation: Rückläufige Besucherzahlen, steigende Betriebs- und Personalkosten sowie die Abhängigkeit vom Wintersportgeschäft haben die Ertragslage belastet. Parallel dazu haben die Sportbahnen Braunwald kürzlich angekündigt, den Skibetrieb einzustellen, weil ein Weiterbetrieb finanziell nicht mehr lohne. Obwohl es sich um rechtlich getrennte AGs handelt, sind Standseilbahn und Sportbahnen funktional aufeinander angewiesen.
Massnahmen des Kantons
Der Regierungsrat reagierte mit einer kurzfristigen Liquiditätssicherung. Die Eckpunkte:
- Sofortkredit: 600'000 Fr. zur Sicherung der Betriebsfähigkeit.
- Weitere Mittel: Bis Mitte 2027 sollen gestaffelt insgesamt knapp 3 Mio. Fr. verfügbar gemacht werden.
- Analysepflicht: Der Regierungsrat verlangt eine Aufarbeitung der Ursachen durch den Verwaltungsrat der Standseilbahn.
Mit der Massnahme soll der öffentliche Verkehr nach Braunwald ohne Unterbruch gewährleistet bleiben. Das ist nicht nur für den Fremdenverkehr wichtig, sondern auch für die ansässige Bevölkerung und Unternehmen, die auf die Erreichbarkeit angewiesen sind.
Finanzielle Übersicht
| Jahr | Verlust (Fr.) |
|---|---|
| 2024 | 1'500'000 |
| 2025 | 1'000'000 |
| 2026 (Prognose) | 2'000'000 |
| Benötigter Gesamtbedarf bis Mitte 2027 | ~3'000'000 |
| Sofortkredit | 600'000 |
Ausblick und offene Fragen
Der Kanton macht damit deutlich, dass er eine kurzfristige Schliessung der Bahn verhindern will. Gleichzeitig fordert er jedoch eine gründliche Aufarbeitung: Der Verwaltungsrat müsse erklären, wie es zu den anhaltenden Verlusten gekommen sei, schreibt die Regierung. Entscheidend werden die Antworten auf folgende Fragen sein:
- Welche strukturellen Einsparpotenziale lassen sich realisieren, ohne die Verkehrssicherheit zu gefährden?
- Wie lässt sich die Abhängigkeit vom Wintersport durch ganzjährige Angebotsentwicklung verringern?
- Welche langfristigen mittel- bis hochzinsigen Finanzierungsmodelle sind für die Bahninfrastruktur denkbar?
Für die Gemeinden im Glarnerland und die lokale Wirtschaft ist die Situation heikel. Ein dauerhafter Entzug der öffentlichen Erschliessung käme einem schweren Einschnitt gleich. Der Regierungsrat hat mit dem Sofortkredit Zeit erkauft, fordert aber zugleich Transparenz und ein tragfähiges Sanierungskonzept.
Die Standseilbahn Braunwald AG und der Kanton kündigten an, die weitere Mittelvergabe gestaffelt vorzunehmen und an die Fortschritte bei der Aufarbeitung zu koppeln. Bis zur Vorlage konkreter Massnahmen bleibt die kurzfristige Sicherstellung des Betriebs Priorität.