Gesellschaft Appenzell Ausserrhoden (AR)

Zukunft der Zugehenden Beratung für Menschen mit Demenz in AR ungewiss

Die Zugehende Beratung von Alzheimer St. Gallen / beider Appenzell hat im Pilotjahr 78 Familien begleitet. Das Angebot schliesst Versorgungslücken, ist aber derzeit nur durch Stiftungsgelder gesichert; eine dauerhafte Regelfinanzierung durch Kantone und Gemeinden ist offen.

Zukunft der Zugehenden Beratung für Menschen mit Demenz in AR ungewiss
©Illustration KI Sabine Widmer / we-news.com

Die «Zugehende Beratung» von Alzheimer St. Gallen / beider Appenzell hat im Pilotjahr zahlreiche Familien direkt im Alltag unterstützt und damit laut einer Evaluation der Fachhochschule Ost einen klaren Mehrwert erbracht. Ob das Angebot langfristig bestehen bleibt, ist jedoch offen: Die Dienstleistung wird derzeit aus Stiftungsgeldern finanziert, eine Regelfinanzierung durch Kantone und Gemeinden ist bislang nicht gesichert.

Direkte Unterstützung im Alltag

Die Zugehende Beratung richtet sich an Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen und setzt bewusst auf Begleitung vor Ort. Ziel ist es, neben allgemeiner Information zu Krankheit und Verlauf auch praktisches Wissen und Entlastung für das familiäre Umfeld zu bieten sowie die Koordination weiterer Hilfsangebote zu übernehmen. Dadurch sollen Versorgungslücken geschlossen und Doppelspurigkeiten vermieden werden.

Im Pilotjahr wurden laut der Mitteilung der Alzheimerorganisation 78 Familien längerfristig begleitet und zusätzlich 33 Personen einmalig beraten. Das Angebot wurde in den Kantonen St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden genutzt.

Netzwerk statt Konkurrenz

Die Organisation betont, dass die Zugehende Beratung nicht als Konkurrenz zu bestehenden Diensten verstanden werden soll. Vielmehr arbeite sie eng mit verschiedenen regionalen Akteuren zusammen, darunter Hausärzte, Memory Clinics, Spitex, Pro Senectute, Entlastungsdienste, Tagesstrukturen und weitere Fachstellen. Laut Mitteilung entstehe so «ein passendes Unterstützungsnetz», das Angebote vereint und koordiniert.

  • Zielgruppe: Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen
  • Leistungen: Begleitung, Demenzwissen, praktische Entlastung, Koordination weiterer Hilfe
  • Kooperationen: Hausärzte, Spitex, Memory Clinics, Pro Senectute, Tagesstrukturen u. a.

Evaluation bestätigt Nutzen

Die Evaluation durch die Ostschweizer Fachhochschule Ost bestätigte den Nutzen des Angebots. Konkrete Details der Evaluation sind in der verfügbaren Medienmitteilung nicht weiter spezifiziert, doch die vorgelegten Nutzungszahlen unterstreichen die Nachfrage und den Praxisbezug der Beratung.

Für Angehörige von Menschen mit Demenz sind solche niederschwelligen und wohnortnahen Angebote oft entscheidend. Die Krankheit führt zu komplexen Betreuungsaufgaben, die sowohl Fachwissen als auch praktische Lösungen im Alltag erfordern. Die Zugehende Beratung setzt hier an, indem sie Beratungsinhalte mit konkreter Unterstützung im häuslichen Umfeld verbindet.

Finanzierung ungelöst

Aktuell basiert die Finanzierung des Angebots auf Stiftungsgeldern. In der Mitteilung heisst es, Alzheimer St. Gallen / beider Appenzell hoffe auf eine Regelfinanzierung durch Kantone und Gemeinden, damit das kostenlose und integrative Angebot dauerhaft gesichert werden könne. Bislang ist jedoch keine Zusage über eine dauerhafte öffentliche Finanzierung dokumentiert.

Kennzahl Wert
Längerfristig begleitete Familien (Pilotjahr) 78
Einmalig beraten Personen 33
Betroffene Kantone St. Gallen, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden

Für Gemeinden und Kantone stellt sich die Frage, ob und in welchem Umfang sie künftig in die Finanzierung einsteigen. Eine dauerhafte Übernahme der Kosten würde das Angebot rechtlich und organisatorisch stärker in die bestehenden Versorgungsstrukturen einbinden und seine Zugänglichkeit absichern.

Praktische Bedeutung für Betroffene

Die Zugehende Beratung bietet konkrete Vorteile für Betroffene und deren Angehörige, etwa durch:

  • Wohnortnahe Unterstützung ohne langen administrativen Aufwand
  • Vermeidung von Doppelspurigkeiten zwischen verschiedenen Institutionen
  • Frühzeitige Vermittlung passender Entlastungsangebote

Sollte das Angebot nicht weiter finanziert werden, droht laut Organisation ein Verlust genau solcher wohnortnaher, koordinierten Unterstützung, die nachweislich genutzt wird.

Ausblick

Alzheimer St. Gallen / beider Appenzell wirbt nun bei Kantonen und Gemeinden um eine Regelfinanzierung. Eine Entscheidung über die dauerhafte Aufnahme in die öffentliche Finanzierung steht noch aus. Bis dahin bleibt die Zugehende Beratung auf Stiftungsgelder angewiesen, obwohl sie bereits konkret zur Entlastung und Unterstützung von Betroffenen beigetragen hat.

Für Angehörige von Menschen mit Demenz und lokale Leistungserbringer stellt sich damit kurzfristig die Frage, wie Versorgungslücken geschlossen und etablierte Kooperationsstrukturen erhalten werden können. Die nun vorgelegten Nutzungszahlen und die positive Evaluation könnten eine Grundlage für Verhandlungen mit den zuständigen Behörden sein.

Sabine Widmer
Sabine KI KI-Ressortleiterin Gesellschaft – WE NEWS online

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