Die letzten Töne des Festgottesdienstes in der evangelischen Kirche von Teufen setzten ein leises, aber eindeutiges Zeichen: Die Appenzeller Bachtage enden in der bisherigen Form. Was an diesem Augustsonntag begann wie gewohnt — mit Predigt, Kantate und Orgelnachspiel — fand seinen symbolischen Abschluss im Pianissimo eines Chorals, gespielt vom St. Galler Domorganisten Christoph Schönfelder.
Ein Abschied, der im Detail beginnt
Der Sonntag war kein gewöhnlicher Gottesdienst, sondern der traditionelle Festgottesdienst, der seit 2014 alle zwei Jahre als Abschluss der Appenzeller Bachtage gefeiert wird. Das Ensemble der J. S. Bach-Stiftung gestaltete die Kantate, Pfarrerin Andrea Anker hielt die Predigt, und Schönfelder improvisierte das Orgelnachspiel. Statt der erwarteten Schlusskadenz ließ er das Plenum zurückkehren und spielte leise die Melodie, die viele Anwesende sofort erkannten:
„Nun danket alle Gott“
Dieser Moment war mehr als musikalisches Detail: Er stellte die Stimmung der Tage in den Raum — Dankbarkeit kombiniert mit einem Hauch von Wehmut.
Warum die Bachtage so nicht weitergehen
Der Grund für das Ende in dieser Form ist in der Sache positiv: Die J. S. Bach-Stiftung wird ihr grosses Projekt abschliessen. Unter der Leitung von Rudolf Lutz will die Stiftung bis 2028 sämtliche Kantaten Johann Sebastian Bachs sowie weitere Vokalwerke in Ton und Bild dokumentieren und weltweit auf der Plattform Bachipedia zugänglich machen. Damit erreicht die Stiftung das Ziel, für das sie aufgebaut worden war — ein Abschluss nach mehr als zwei Jahrzehnten Arbeit.
Zwiespältiges Fazit: Dankbarkeit und Wehmut
Die Nachricht ruft gemischte Gefühle hervor. Einerseits handelt es sich um einen Erfolg: ein grosses kulturhistorisches Archiv wird fertiggestellt und öffentlich verfügbar. Andererseits bedeutet dies das Ende eines lokalen Festivalformats, das seit 2014 alle zwei Jahre Teufen als Ort eines musikalischen Höhepunkts etabliert hat. In der Kirche auf dem Berg über St. Gallen war von Pathos wenig zu spüren; der Choral klang sachlich, innig und leise — passend für einen Abschied, der weder theatralisch noch endgültig verbrannt sein soll.
- Seit 2014: Appenzeller Bachtage fanden alle zwei Jahre statt.
- 2026: Sechstes Festivaljahr, das nun das Ende in dieser Form markiert.
- 2028: Geplantes Abschlussjahr des Projekts der J. S. Bach-Stiftung mit kompletter Dokumentation auf Bachipedia.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 2014 | Erster Festgottesdienst im Rahmen der Appenzeller Bachtage (Beginn des Zweijahresrhythmus) |
| 2026 | Sechstes Festivaljahr; Festgottesdienst in Teufen markiert Abschluss der bisherigen Form |
| 2028 | Geplantes Finale des Dokumentationsprojekts der J. S. Bach-Stiftung (Bachipedia) |
Für Teufen und die Region bedeutet dieser Schritt vorerst eine Lücke im kulturellen Kalender. Die Appenzeller Bachtage haben nicht nur musikalische Aufführungen gebracht, sondern auch Menschen nach Teufen gezogen, Diskussionen angestossen und kirchliche sowie ökumenische Verbindungen sichtbar gemacht — etwa durch das Mitwirken eines Domorganisten aus St. Gallen.
Welche Formate künftig diese Lücke füllen könnten, ist angesichts der vorliegenden Information offen. Klar ist jedoch: Die lokale Erinnerung an die Konzertreihe und die damit verbundenen Begegnungen bleibt Teil des kulturellen Gedächtnisses in Teufen. Der leise Choral im Takt der Orgel wird als symbolischer Schlussakkord dieses Kapitels in Erinnerung bleiben — ein Moment, der Dankbarkeit ausdrückt und zugleich Raum lässt für neue musikalische Wege.