Eine Gruppe von rund 35 Personen, der Medienberichten zufolge die deutsche Identitäre Bewegung (IBD) angehört, hielt sich vergangene Woche auf der Alp Alpjen oberhalb von Simplon Dorf im Kanton Wallis auf. Der Aufenthalt dauerte laut Angaben lokaler Berichte vom Samstag, 15. August, bis Samstag, 22. August. Bilder und Videos, die die Gruppe auf der Plattform X veröffentlichte, zeigen unter anderem Wanderungen, sportliche Übungen, Kampfübungen und eine Nachtwanderung.
Vermieter schildert Aktivitäten – Gemeinde und Polizei überraschen
Der Vermieter der Unterkunft auf der Alp bestätigte gegenüber dem lokalen Portal Pomona, dass er die Räume über eine private Person vermietet habe. Er beschrieb die Wochenaktivitäten der Männer eindrücklich:
„Sie haben von morgens bis abends Sport getrieben und auch Nachtübungen durchgeführt.“
Die Darstellung des Vermieters steht jedoch im Kontrast zu den Aussagen aus Simplon Dorf und von der Kantonspolizei: Gemeindepräsident Sebastian Arnold erklärte, er habe nichts von der Präsenz der Gruppe auf der Alp gewusst. Die Walliser Kantonspolizei teilte mit, sie habe keine Informationen zu einem Lager der deutschen Rechtsextremisten gehabt. Damit widerspricht die Polizei indirekt dem Vermieter, der sagte, er sei über die eingemietete Gruppe informiert worden.
Symbolik am Simplon und mediale Dokumentation
In mehreren veröffentlichten Bildern posierten Mitglieder der Gruppe vor dem Simplonalder, einem über neun Meter hohen Steinsymbol, das an eine Gebirgsbrigade der Schweizer Armee erinnert, die im Zweiten Weltkrieg den Simplonpass sichern sollte. Das bewusste Foto vor diesem Denkmal verstärkt in der Berichterstattung die Aufmerksamkeit auf die Aktion: Öffentlich sichtbare Orte und historische Symbole dienen bei solchen Aktionen oft der Selbstdarstellung.
Verflechtungen und frühere Besuche
Medien, darunter die Boulevardzeitung Blick und das Portal 20 Minuten, berichten, die IBD stehe in Verbindung zu jüngeren rechtsextremen Gruppen in der Schweiz, beispielsweise zur Gruppierung «Junge Tat». Zudem wurde in einigen Berichten erwähnt, dass die gleiche Gruppe bereits vor drei Jahren auf derselben Alp zu Gast gewesen sei. Konkrete Informationen zu Organisatoren, Anzahl nationaler und internationaler Teilnehmender oder zu allfälligen Bewilligungen wurden von den zitierten Quellen nicht genannt.
Was bedeutet das für die Region?
Die Präsenz einer als rechtsextrem eingestuften Organisation in sensiblen Alpenräumen wirft mehrere Fragen auf: Wie gelangte die Gruppe an die Unterkunft? Gab es Bewilligungen oder konkrete Absprachen mit Eigentümern? Welche Rolle spielten lokale Akteure bei der Anmietung? Und nicht zuletzt: Welche Sicherheits- und Präventionsmassnahmen sind vor Ort denkbar, um lokale Bevölkerung und Gäste zu schützen?
Antworten auf diese Fragen bleiben zum jetzigen Zeitpunkt lückenhaft. Die unterschiedlichen Aussagen von Vermieter, Gemeinde und Kantonspolizei zeigen, dass die Kommunikation zwischen den Ebenen verbessert werden müsste, um solche Vorfälle künftig transparent zu machen und angemessen reagieren zu können.
Erklärende Übersicht
| Fakt | Bekanntes |
|---|---|
| Anzahl Personen | Etwa 35 |
| Aufenthaltsdauer | 15.–22. August (laut lokalen Berichten) |
| Ort | Alp Alpjen oberhalb Simplon Dorf |
| Aktivitäten | Wandern, Sport, Kampfübungen, Nachtwanderung |
| Aussagenquelle | Vermieter; Gemeindepräsident Sebastian Arnold; Walliser Kantonspolizei |
Was Anwohnende und Touristinnen jetzt wissen sollten
- Die Kantonspolizei gibt an, keine Kenntnis von einem Lager gehabt zu haben. Bei neuen Erkenntnissen ist mit weiteren Mitteilungen zu rechnen.
- Wer Hinweise zu Personen oder Aktivitäten in der Region hat, soll dies der Kantonspolizei melden; sie ist die zuständige Stelle für Ermittlungen.
- Touristische Angebote und Hüttenvermietungen im Hochgebirge bleiben grundsätzlich privat; Vermieter sind jedoch verantwortlich für die korrekte Identifikation der Mieter und die Einhaltung von Bewilligungen, wo erforderlich.
Die Ereignisse am Simplon zeigen einmal mehr, wie nationale und internationale politische Strömungen selbst abgelegene Alpenorte erreichen können. Für die Bevölkerung bleibt wichtig, dass Behörden transparent informieren und dass Verantwortlichkeiten beim Vergeben von Unterkunftsräumen geklärt werden.
Weitere Recherchen in der Region und mögliche Stellungnahmen der Kantonspolizei werden erwartet. Die lokale Sensibilität gegenüber rechtsextremen Aktivitäten bleibt hoch, ebenso die Nachfrage nach Klarheit über Art und Absicht solcher Lager.