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Kantonspolizei Bern streicht Französisch- Aufnahmeprüfung – Regierungsrat verweist auf intensiveren Unterricht

Die Kantonspolizei Bern schafft die Französisch-Aufnahmeprüfung ab. Kritiker aus Biel und dem Seeland sehen die Zweisprachigkeit gefährdet; der Regierungsrat betont, der Französischunterricht werde intensiviert und der Entscheid diene der Effizienz und Personalgewinnung.

Kantonspolizei Bern streicht Französisch- Aufnahmeprüfung – Regierungsrat verweist auf intensiveren Unterricht
©Illustration KI Simon Wyss / we-news.com

Die Kantonspolizei Bern nimmt tiefgreifende Änderungen am Bewerbungsverfahren für die Voll- und Teilzeitausbildung vor: Die bisherige Aufnahmeprüfung in Französisch wird abgeschafft. Der Regierungsrat begründet den Schritt mit einer Modernisierung des Verfahrens, Effizienzüberlegungen und der Notwendigkeit, das Bewerbungsprozedere attraktiver zu gestalten. Der Entscheid stösst jedoch in bilingualen Regionen des Kantons auf Kritik.

Worum es konkret geht

Bis anhin gehörten bei der Aufnahmeprüfung für Bewerbende die Fächer Allgemeinwissen und Französisch zum Prüfstoff. Diese beiden Prüfungsbestandteile entfallen künftig. Die Umstellung tritt gemäss Mitteilung ab April 2027 in Kraft. Gleichzeitig kündigt der Regierungsrat an, den Französischunterricht innerhalb der Ausbildung zu intensivieren.

Politische Reaktionen aus Biel und dem Seeland

Insbesondere in den Verwaltungskreisen Biel und Seeland löste die Abschaffung der Französisch-Prüfung politischen Unmut aus. Eine Interpellation gegen den Entscheid unterzeichneten die vier Politikerinnen und Politiker Marie Moeschler (Biel, SP), Samantha Dunning (Biel, SP), Maya Weber Hadorn (Ostermundigen, SP) und Christoph Grupp (Biel, Grüne). In ihrem Vorstoss heben sie hervor, dass die Kantonspolizei in einem bilingualen Kanton operiere und darum zweisprachige Kompetenzen vor Ort unabdingbar seien.

«Zweisprachigkeit ist keine Option», finden die Verfasser.

Die Interpellanten führen aus, in der Region würden rund 38'000 Französischsprachige leben. Damit sei die Polizei vor Ort regelmässig mit Französisch konfrontiert, weshalb nach ihrer Auffassung Prüfungen in der Sprache notwendig blieben.

Regierungsrat und Kantonspolizei: Prüfungsentfall, dafür intensiver Unterricht

Der Regierungsrat relativiert die Kritik in seiner Antwort: Die Streichung des Französischtests bedeute nicht, dass Sprachkompetenzen abgebaut würden. Vielmehr solle das Aufnahmeverfahren attraktiver, effizienter und ressourcenschonender werden. Hintergrund seien rückläufige Bewerbungszahlen seit der Pandemie und anhaltender Personalmangel.

Statt einer Aufnahmeprüfung setze die Kantonspolizei künftig auf eine gezielte Sprachförderung im Rahmen der Ausbildung. Die Behörden betonen, dass die operative Leistungsfähigkeit erhalten bleibe und dass die Ausbildung auf die Anforderungen eines bilingualen Einsatzgebiets angepasst werde.

Was die Änderung praktisch bedeutet

Für Bewerbende entfällt demnach eine Hürde im Auswahlprozess. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die interne Ausbildung und an die Kapazitäten, Sprachunterricht anzubieten. Für den Kanton stellt sich die Frage, ob die Ausbildungsstrukturen rasch genug ausgebaut werden können, um auf den Wegfall der Aufnahmeprüfung effektiv mit erfolgreicher Sprachförderung zu reagieren.

  • Betroffene Prüfungsfächer: Allgemeinwissen und Französisch (entfallen)
  • Einführungsdatum: April 2027
  • Kritiker: Vier PolitikerInnen aus Biel/Seeland (SP, Grüne)
  • Argument des Regierungsrats: Effizienz, Attraktivität, Personalmangel; Intensivierung des Sprachunterrichts

Offene Fragen und mögliche Folgen

Die Debatte zeigt die Spannungsfelder, die entstehen, wenn administrative Verfahren modernisiert werden sollen: Einerseits steht das Ziel, die Rekrutierung zu erleichtern und Ressourcen zu schonen. Andererseits besteht Sorge, dass ohne formelle Eingangstests die Sprachkompetenz der neuen Polizeikohorte nicht mehr ausreichend garantiert sei.

Von besonderer Bedeutung ist, wie die Kantonspolizei die angekündigte Intensivierung des Französischunterrichts organisiert: Werden zusätzliche Dozierende eingestellt? Werden Sprachprüfungen in die Ausbildung integriert? Oder setzt die Polizei auf freiwillige Förderangebote? Konkrete Angaben dazu machte die Interpellationsantwort nicht. Die politisch Verantwortlichen im Kanton sind nun gefordert, weitere Details zu liefern, damit sich Gemeinden und Bürgerinnen und Bürger ein Bild über die operative Zukunft der Polizei im bilingualen Raum machen können.

Fazit

Die Abschaffung der Französischaufnahmeprüfung bei der Kantonspolizei Bern ist ein pragmatischer Schritt vor dem Hintergrund knapper Ressourcen und sinkender Bewerberzahlen. Gleichzeitig legt die Diskussion offen, wie sensibel Fragen der Sprache in einem zweisprachigen Kanton bleiben. Die angekündigte Intensivierung des Französischunterrichts wird entscheidend dafür sein, ob der Wegfall der Prüfung lokal als Entlastung oder als Risiko empfunden wird.

Simon Wyss
Simon KI KI-Regionalkorrespondent Kanton Bern – WE NEWS online

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