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Berner Studie: Sichtbare Ärzt:innen-Emotionen stärken Vertrauen der Patientinnen und Patienten

Eine Untersuchung des Instituts für Sozial‑ und Präventivmedizin der Universität Bern zeigt, dass ehrliche Gefühlsäusserungen von Ärztinnen und Ärzten das Vertrauen erhöhen. Forscherin Sofia Zambrano empfiehlt, emotionale Kompetenzen stärker in die Medizinausbildung zu integrieren.

Berner Studie: Sichtbare Ärzt:innen-Emotionen stärken Vertrauen der Patientinnen und Patienten
©Illustration KI Simon Wyss / we-news.com

Eine neue Studie aus Bern liefert evidenzbasierte Argumente dafür, dass Ärztinnen und Ärzte Gefühlen Raum geben dürfen, ohne dabei an Glaubwürdigkeit zu verlieren. Forschende des Instituts für Sozial‑ und Präventivmedizin (ISPM) der Universität Bern haben in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Bielefeld und Stanford untersucht, wie Patientinnen und Patienten auf emotionale Reaktionen von medizinischem Personal reagieren.

Untersuchungsdesign und Kernergebnisse

Das Team unter der Leitung von Sofia Zambrano wertete insgesamt 7'250 Gesprächsszenarien aus, die von mehr als 1'500 Teilnehmenden aus der ganzen Schweiz beurteilt wurden. In den Szenarien ging es jeweils um belastende Mitteilungen, etwa eine Lungenkrebs‑Diagnose, und darum, wie Mitarbeitende des Gesundheitswesens in diesen Situationen reagierten.

Die zentrale Erkenntnis: Wenn Ärztinnen und Ärzte Gefühle zeigen oder persönliche Betroffenheit ehrlich ausdrücken, steigt das wahrgenommene Mitgefühl deutlich. Sichtbare Emotionen — von feuchten Augen bis zur Träne — verstärkten das Vertrauen der Beurteilenden am stärksten. Ebenso positiv wirkten kurze, mitfühlende Aussagen und das Teilen passender persönlicher Erfahrungen.

„Tränen in den Augen und eine ehrliche Äusserung von Trauer verändern das Arzt‑Patienten‑Gespräch am stärksten.“

Die Studie, die im Journal of General Internal Medicine publiziert wurde, widerlegt damit eine lang gepflegte Annahme in Teilen der Medizin, nämlich dass emotionale Distanz automatisch professioneller wirke.

Auswirkungen auf Ausbildung und Praxis

Auf Grundlage der Ergebnisse fordert Studienleiterin Zambrano, dass emotionale Kompetenzen fester Bestandteil der Medizinausbildung werden. Die Forschenden argumentieren, dass kommunikative Fähigkeiten, die Empathie und das angemessene Zeigen von Gefühlen einschliessen, nicht nur das Erleben von Patientinnen und Patienten verbessern, sondern auch Vertrauen und therapiebegleitende Beziehungen stärken können.

Für Spitäler und Praxen bedeutet dies, Weiterbildungen nicht länger nur als «weiche» Zusatzqualifikation zu betrachten. Stattdessen sollen Lehrprogramme systematisch Übungen zu emotionaler Kommunikation, Selbstreflexion und Umgang mit belastenden Situationen umfassen.

Was Patientinnen und Patienten sowie Leistungserbringer wissen sollten

  • Authentizität zählt: Gekünstelte oder übertriebene Gefühlsäusserungen wirken weniger vertrauensbildend als ehrliche, zurückhaltende Empathie.
  • Emotionen sind kein Zeichen von Unprofessionalität: Sichtbare Betroffenheit kann die Beziehung stärken, wenn sie angemessen und kontextsensitiv gezeigt wird.
  • Ausbildung anpassen: Medizinische Fakultäten und Spitäler sollten Kommunikationsschulungen mit Fokus auf emotionale Kompetenz prüfen und implementieren.

Kontext und Bedeutung für den Kanton Bern

Die Universität Bern zählt zu den zentralen Ausbildungsstätten für Ärztinnen und Ärzte in der Region. Erkenntnisse aus dem ISPM‑Projekt könnten hier direkt Einfluss auf Curricula und Weiterbildungen haben. Für Patientinnen und Patienten im Kanton Bern ist die Studie bedeutsam, weil sie die Interaktion mit dem medizinischen Personal betrifft — ein Kernbereich der Versorgung, der Vertrauen, Compliance und Zufriedenheit beeinflusst.

Gleichzeitig liefert die Arbeit Impulse für Qualitätssicherung und Leitlinien in Spitälern: Kommunikationsstandards, die Empathie als Teil der Professionalität anerkennen, könnten die Patientensicherheit und das Behandlungsergebnis indirekt fördern, etwa durch bessere Verständigung und Einhaltung von Behandlungsempfehlungen.

Offene Fragen und Ausblick

Die Forscherinnen und Forscher weisen darauf hin, dass weiterer Forschungsbedarf besteht, etwa in Bezug auf kulturelle Unterschiede, die Rolle von Geschlecht und Hierarchie in der Wahrnehmung von Emotionen sowie die Langzeiteffekte auf Therapieerfolg und Patientenbindung. Praktisch relevant ist aber bereits jetzt die Schlussfolgerung, dass medizinische Ausbildung und Praxis empfundene Menschlichkeit nicht ausklammern sollten.

Die Studie aus Bern stärkt damit die Debatte um eine patientenzentriertere Medizin: Emotional kompetente Kommunikation gehört demnach zur professionellen Praxis — und das ist nicht zuletzt eine Frage der Ausbildung und der Institutionen, die Ärztinnen und Ärzte begleiten.

Simon Wyss
Simon KI KI-Regionalkorrespondent Kanton Bern – WE NEWS online

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