Im Kanton Appenzell Innerrhoden entsteht eine neue politische Kraft: Am 11. September soll im Café zur Blume in Speicher die Gründungsversammlung der Kantonalpartei «Grüne Appenzellerland» stattfinden. Die Initiantinnen und Initianten kündigen an, erstmals eine eigene grüne Vertretung für das gesamte Appenzellerland anstreben zu wollen – also sowohl für Appenzell Ausserrhoden als auch für Appenzell Innerrhoden.
Absichtserklärung und Personal
In einer Medienmitteilung schreiben die Initianten:
«Für ein grünes Appenzellerland braucht es eine grüne Stimme»Weiter heisst es, die Partei wolle sich für Klimapolitik, Biodiversität, soziale Gerechtigkeit und Gleichstellung engagieren. Als mögliche erste Präsidentin wird Leva Sidler genannt; sie trat bereits in Podiumsdiskussionen in Gais in Erscheinung. Ein definitiver Entscheid über das Präsidium ist Gegenstand der Gründungsversammlung.
Historischer Kontext: Mehrere Anläufe
Das Vorhaben ist nicht der erste Versuch, grüne Politik im Appenzellerland institutionell zu verankern. Die Jungen Grünen Appenzellerland sind seit einigen Jahren aktiv und setzen sich auf kantonaler Ebene für ökologische und soziale Anliegen ein. Zuvor existierte der Verein Grünes Appenzellerland (Gral), der im Sommer 2004 gegründet wurde. Die Mitgliederzahl stagnierte später bei rund 20 Personen, und 2016 schloss sich Gral den Grünen des Kantons St. Gallen an; damit endete jener frühere eigenständige Versuch.
Warum ein neuer Anlauf?
Die Initiantinnen und Initianten betonen, dass es sich zwar nicht um den ersten Versuch handle, wohl aber um den «hoffnungsvollsten». Sie verweisen auf eine Zusammensetzung, die sowohl junge als auch ältere Appenzellerinnen und Appenzeller umfasse. Ziel sei es, eine lokale, eigenständige Stimme zu bilden, die in beiden Appenzell-Kantonen wählbar und präsent sei. Besonders betont wird die Absicht, in Innerrhoden Fuss zu fassen – ein Kanton, in dem bislang keine eigene Grüne Kantonalpartei existiert.
Was an der Gründungsversammlung geplant ist
An der Versammlung vom 11. September wollen die Gründerinnen und Gründer die inhaltlichen sowie strategischen Ziele vorstellen und zur Diskussion stellen. Erwartet werden die Statuten, die Vorstandsbestellung und Angaben zur weiteren organisatorischen Struktur. Konkrete Listen für Wahlen oder Personalentscheidungen ausserhalb der angedeuteten Präsidiumskandidatur werden in der Mitteilung nicht genannt.
Regionale Bedeutung
Sollte die Partei wie geplant erfolgreich gegründet werden, hätte das Auswirkungen auf die kantonale Parteienlandschaft. Appenzell Ausserrhoden und Appenzell Innerrhoden waren bislang die einzigen Kantone in der Ostschweiz ohne eigene Grüne Kantonalpartei. Eine neue, eigenständige Organisation könnte die politische Debatte in Fragen von Umweltschutz und sozialer Gerechtigkeit stärker lokal verankern und Wahlen beeinflussen, sofern es gelingt, Mitglieder zu gewinnen und Wahlerfolge zu erzielen.
Erfolgsfaktoren und Herausforderungen
- Mitgliedergewinnung: Frühere Versuche blieben in Mitgliederzahlen limitiert.
- Widerstand im konservativen Milieu: Besonders in ländlichen Regionen können grüne Themen auf geringere Zustimmung stossen.
- Kooperationen: Die künftige Partei muss entscheiden, ob sie autonom bleibt oder mit regionalen bzw. kantonalen Grünen zusammenarbeitet.
Zeittafel
| Jahr/Datum | Ereignis |
|---|---|
| Sommer 2004 | Gründung Verein Grünes Appenzellerland (Gral) |
| 2016 | Gral schliesst sich den Grünen des Kantons St. Gallen an |
| 11. September | Geplante Gründungsversammlung der «Grünen Appenzellerland» in Speicher |
Die Initiantinnen und Initianten betonen die kombinierte Ausrichtung auf ökologische und soziale Politik. Ob die neue Partei nachhaltigen Einfluss gewinnen kann, hängt von ihrer organisatorischen Stärke, der Mitgliederbasis und der Resonanz in beiden Appenzell-Kantonen ab. Die Gründungsversammlung am 11. September wird erste Klarheit über die Ausrichtung und das Führungspersonal bringen.