Die geplante Quartierüberbauung auf dem Areal Viererfeld/Mittelfeld in Bern wird deutlich teurer als ursprünglich angenommen. Gemäss Mitteilung der Stadt belaufen sich die Mehrkosten mindestens auf 80 Millionen Franken. Der Gemeinderat hält trotz der zusätzlichen Aufwände am Projekt fest und bereitet Grundlagen für den Umgang mit dem finanziellen Mehraufwand vor.
Gründe für die Kostensteigerung
Die Stadt nennt mehrere Hauptursachen für die Mehrkosten: Einerseits wurde im Frühjahr 2025 eine PFAS-Belastung des Bodens nachgewiesen, deren Aufbereitung erhebliche Summen verschlingt. Die Sanierung dieses kontaminierten Bodens schlägt mit rund 24 Millionen Franken zu Buche. Hinzu kommen die Auswirkungen der allgemeinen Bauteuerung, die die Kosten um etwa 21 Millionen Franken erhöht.
Als dritten grossen Faktor weist die Stadt zusätzliche Aufwände im Bereich der städtischen Infrastruktur aus, die mit mindestens 35 Millionen Franken veranschlagt werden. Schliesslich hat eine Korrektur der bisherigen Planungsmehrwertabgabe von ursprünglich 9,4 Millionen auf rund 35 Millionen Franken ebenfalls Einfluss auf die Finanzierung des Projekts.
Was die Zahlen zusammen ergeben
Die Stadt spricht formal von einem Mehrbedarf «mindestens 80 Millionen Franken», nennt aber einzelne Posten, die zusammengenommen deutlich mehr ausmachen. Eine Gegenüberstellung der von der Stadt genannten Positionen:
| Posten | Betrag (Fr.) |
|---|---|
| PFAS-Aufbereitung | 24'000'000 |
| Bauteuerung | 21'000'000 |
| Infrastruktur | 35'000'000 |
| Korrektur Planungsmehrwertabgabe | ca. 25'600'000 (Differenz) |
| Summe der genannten Posten | ca. 105'600'000 |
Diese Aufstellung zeigt, dass die einzelnen Positionen gesamthaft über die kommunizierte Marke von 80 Millionen hinausgehen. Die Stadtvertretung betont jedoch, dass es sich um anfängliche Schätzungen handelt und weitere Prüfungen vorgenommen werden.
Auswirkungen auf den Kredit und den Zeitplan
Die Stimmberechtigten hatten 2023 einen Kredit für städtische Leistungen im Umfang von rund 200 Millionen Franken bewilligt. Die Stadt prüft nun verschiedene Anpassungen und die mögliche Höhe eines Nachkredits. Die Grundlagen für diese Entscheide sollen dem Gemeinderat bis Sommer 2027 vorgelegt werden.
Trotz der Finanzierungssorgen hält die Stadt an ihrem Zeitplan für den Baustart fest: Geplant ist weiterhin der Herbst 2027. Das Projekt umfasst auf dem rund 19 Hektar grossen Areal Wohnraum für rund 3'000 Personen sowie eine Schule. Die Stadt bezeichnet es als ein «Generationenprojekt» und betont die gesellschaftliche Bedeutung des Vorhabens für die Wohnraumentwicklung in Bern.
Finanzielle Fragen und politische Bewertungen
Die zusätzlichen Kosten werfen Fragen zur finanziellen Nachhaltigkeit auf. Der Gemeinderat muss nun abwägen, ob und in welchem Umfang ein Nachkredit beantragt wird und wie sich dies auf andere Investitionen der Stadt auswirkt. Die Stadtverwaltung kündigte an, Anpassungen in der Planung zu prüfen, etwa zeitliche Streckungen von Teilprojekten oder eine Modifikation einzelner Leistungsumfänge.
- Stimmberechtigter Kredit 2023: rund 200 Mio. Fr.
- Genannte Mehrkosten-Faktoren: PFAS, Bauteuerung, Infrastruktur, Planungsmehrwert
- Grundlagen für Entscheide sollen bis Sommer 2027 vorliegen
Was jetzt für Anwohnende und Interessierte wichtig ist
Für Bewohnerinnen und Bewohner in der Nähe und künftige Nutzerinnen sind drei Punkte relevant: Erstens bleibt das Projekt grundsätzlich bestehen und der Baustart ist weiterhin geplant. Zweitens sind konkrete Auswirkungen auf Verkehr, Baustellenlogistik und Erschliessungsarbeiten je nach Entscheidung des Gemeinderats unterschiedlich denkbar. Drittens ist unklar, ob und in welchem Umfang die Stadt zusätzliche Gelder aufnehmen oder bei anderen Projekten sparen muss.
Die Stadt Bern will in den kommenden Monaten detailliertere Grundlagen erarbeiten. Diese Unterlagen werden Aufschluss darüber geben, wie die Mehrkosten verteilt werden, ob private Partner stärker eingebunden werden und welche konkreten Massnahmen zur Kostenreduktion möglich sind. Bis dahin bleibt die finanzielle Perspektive des Projekts ein zentrales Thema für Politik und Stadtentwicklung.
Die angekündigten Prüfungen und der Bericht an den Gemeinderat bis Sommer 2027 werden zeigen, wie die Stadt mit den Mehrkosten umgeht und welche Folgen dies für die Umsetzung des neuen Quartiers hat.