Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Einlagenzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,5% angehoben. Die Mitteilung zur Zinserhöhung gaben EZB-Präsidentin Christine Lagarde und Mitglieder des Direktoriums nach einer Ratssitzung bekannt, die ausnahmsweise nicht in Frankfurt, sondern in Berlin stattfand. Damit liegt der Einlagenzins wieder auf dem Niveau von März 2025.
Begründung und geldpolitischer Ausblick
Als Begründung nannte die Notenbank die anhaltenden Risiken für die Preisstabilität. Lagarde verwies insbesondere auf geopolitische Spannungen:
«Der Konflikt im Nahen Osten erzeugt weiterhin Inflationsdruck, und die Inflation dürfte für einen längeren Zeitraum deutlich über unserem Zielwert bleiben.»Die EZB signalisiert dadurch, dass sie bereit ist, den geldpolitischen Kurs weiter zu straffen, falls die Preisentwicklung dies erfordert. Gleichzeitig liess Lagarde offen, ob und wie rasch weitere Erhöhungen folgen werden.
Zahlen und Projektionen
Die Notenbank passte zudem ihre Inflationsprognosen an. Für die Jahre 2027 und 2028 korrigierte die EZB ihre Schätzungen leicht nach oben auf 2,5% beziehungsweise 2,1%. Analysten und Marktteilnehmer hatten bereits zuvor eine erneute Anhebung in diesem Jahr erwartet; die Entscheidung war somit teilweise eingepreist.
| Datum | Einlagenzins |
|---|---|
| März 2025 (letztes vergleichbares Niveau) | 2,5% |
| Juni 2026 | 2,25% |
| September 2026 (aktuell) | 2,5% |
Auswirkungen auf Märkte und Wirtschaft
Eine Erhöhung des Einlagenzinses der EZB beeinflusst die Finanzmärkte in der Eurozone unmittelbar: Kreditkosten steigen tendenziell, Renditen für Staatsanleihen können zunehmen, und Banken nehmen die veränderte Zinsstruktur zur Kenntnis. Für die Schweiz ergeben sich verschiedene Übertragungswege:
- Wechselkurse: Ein höherer EZB-Zins kann den Euro stützen, was Druck auf den Schweizer Franken ausüben könnte. Ein stärkerer Euro relativ zum Franken hat Folgen für Schweizer Exporteure und Tourismus.
- Geldmarkt: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beobachtet die EZB-Entscheidungen genau; Änderungen in der Eurozone können indirekt den geldpolitischen Spielraum der SNB beeinflussen.
- Kreditkosten: Unternehmen mit Finanzierung in Euro sehen höhere Kosten, was Investitionsentscheidungen verzögern oder verteuern kann.
Konkrete Folgen für die Wirtschaft hängen von der weiteren Entwicklung der Inflation, dem geopolitischen Umfeld und den Reaktionen anderer Notenbanken ab. Die EZB selbst hält eine weitere Straffung nicht für ausgeschlossen, betonte aber, dass künftige Schritte datenabhängig bleiben.
Politische und institutionelle Dimension
Die Sitzung in Berlin und die betonte Unsicherheit hinsichtlich weiterer Massnahmen werfen auch Fragen nach Kontinuität im Führungsstil der EZB auf. Einige Mitglieder des Direktoriums und Chefs nationaler Notenbanken hatten in den Tagen vor der Sitzung bereits einen restriktiveren Kurs angedeutet. Die klare Kommunikation seitens der EZB soll den Märkten Orientierung bieten, zugleich bleibt die Frage offen, ob die Währungshüter rasch nachlegen werden.
Für Schweizer Entscheidungsträger in Wirtschaft und Politik bedeutet dies, die kurzfristigen Marktreaktionen zu beobachten und mögliche Anpassungen in Finanzierungs- oder Absicherungsstrategien vorzubereiten. Eine anhaltend höhere Inflation in der Eurozone würde über Handels- und Finanzverflechtungen auch die Schweiz belasten.
Die EZB hat mit der Zinserhöhung ein klares Signal gesetzt: Die Bekämpfung der Teuerung bleibt vorrangig. Ob dies ausreicht, um die Inflation nachhaltig zum 2-Prozent-Ziel zurückzuführen, wird vom weiteren Verlauf der Rohstoffpreise, Löhnen und geopolitischen Ereignissen abhängen.