Die Kunststiftung Appenzell Innerrhoden hat den mit 10'000 Franken dotierten Werkbeitrag 2026 an den Künstler Stefan Inauen vergeben. Gewürdigt wird damit ein ungewöhnliches Projekt: Ein umgebauter Wohnwagen fungiert als temporärer Ausstellungs‑ und Begegnungsort, in dem der 1976 geborene Künstler Arbeiten aus mehr als drei Jahrzehnten, Nachbauten von Referenzwerken, Fundstücke und persönliche Materialien präsentiert.
Mobil, intim und offen für Austausch
Inauens «Pop‑Up‑Store» ist kein Verkaufsraum im klassischen Sinn. Vielmehr handelt es sich um eine begehbare Skulptur in der Form eines mobilen Ladens, «in dem es nichts zu kaufen gibt». Der umgebaute Wohnwagen ist sowohl Ausstellung als auch Bühnenbild: Er stellt ein «räumliches Selbstporträt» dar und versteht sich als Einladung zur Begegnung. Das Fahrzeug soll an mehreren Orten im Dorfkern von Appenzell stationiert werden, um direkte Gespräche zwischen Künstlerin oder Künstler und Bevölkerung zu ermöglichen.
Die Jury der Kunststiftung betont in ihrer Mitteilung die Eigenständigkeit des Vorhabens. Hervorgehoben wird die Verbindung von persönlicher Rückschau und offener Selbstbefragung sowie die Art, wie die Auseinandersetzung mit Appenzell selbst zum zentralen Bestandteil der Arbeit wird. Gewürdigt wird ausserdem der Mut des Künstlers, seine eigene Praxis öffentlich zur Diskussion zu stellen.
- Projektform: Begehbare Skulptur / Mobiler Ausstellungsraum (umgebauter Wohnwagen)
- Inhalt: Arbeiten aus über dreissig Jahren, Nachbauten, Fundstücke, persönliche Materialien
- Ort: Mehrere Stationen im Dorfkern von Appenzell
- Ziel: Direkter Austausch zwischen Künstler und Bevölkerung
Förderung mit regionaler Verantwortung
Die Kunststiftung Appenzell Innerrhoden unterstützt seit dem Jahr 2000 das zeitgenössische Kunstschaffen im Kanton. Der verliehene Werkbeitrag soll die Realisierung von Inauens Projekt ermöglichen und dessen Sichtbarkeit in der Region stärken. Indem die Arbeit in den öffentlichen Raum des Dorfkerns rückt, wird die lokale Verwurzelung des Vorhabens ebenso betont wie dessen dialogische Absicht.
Für die Stiftung zählt zur Bewertung nicht nur die formale Eigenständigkeit eines Projekts, sondern auch dessen Fähigkeit, eine Auseinandersetzung mit dem Umfeld anzuregen. Im Fall von Inauen heisst das: Die künstlerische Reflexion über das eigene Werk wird mit Fragen zur Identität und zum Raum von Appenzell verknüpft. Solche Projekte erweitern die Wahrnehmung von Kunst im Alltag und fördern den direkten, niederschwelligen Zugang für ein breiteres Publikum.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Werkbeitrag | 10'000 Franken |
| Künstler | Stefan Inauen (geb. 1976) |
| Stiftung fördert seit | 2000 |
Wirkung und mögliche Folgewirkungen
Die Entscheidung der Stiftung steht exemplarisch für eine Förderungspraxis, die weniger auf repräsentative Ausstellungen im institutionellen Kontext setzt, sondern auf temporäre, ortsbezogene Formate, die das Publikum unmittelbar einbeziehen. Solche Eingriffe ins Alltägliche können per se bereits Diskussionsstoff liefern: Sie stellen künstlerische Arbeitsweisen zur Debatte, öffnen Räume der Begegnung und fordern das Publikum heraus, sich auf eine ‹andere› Form von Ausstellung einzulassen.
Ob und in welchem Umfang das Projekt Nachahmer findet oder zu weiteren Kooperationen mit Kulturinstitutionen führt, bleibt offen. Klar ist jedoch: Projekte wie Inauens Pop‑Up‑Store machen Kunst nicht nur sichtbar, sie bringen sie in direkte Beziehung zur Gemeinschaft — ein Anliegen, das für die lokale Kulturförderung grossen Stellenwert besitzt.
Die Kunststiftung Appenzell Innerrhoden hat mit der Vergabe des Werkbeitrags an Stefan Inauen ein künstlerisches Vorhaben unterstützt, das selbstreflexiv, ortsbezogen und dialogisch angelegt ist. Der umgebaute Wohnwagen als Ausstellungsraum verspricht, die Form konventioneller Präsentation in Frage zu stellen und die Schnittstelle zwischen künstlerischer Praxis und Alltagserfahrung auszuleuchten.