Die aktuellste Untersuchung des Bundesamts für Sport (BASPO) zeichnet ein gemischtes Bild: Der langjährige Sportboom in der Schweiz stagniert erstmals seit Messbeginn, doch die Bevölkerung bleibt insgesamt auf hohem Aktivitätsniveau. Besonders auffallend ist die weiterhin dominante Stellung des Wanderns: 49 Prozent der Bevölkerung geben an, regelmässig zu wandern – trotz eines Rückgangs um 7,9 Prozentpunkte gegenüber der Vorperiode.
Bedeutende Zahlen auf einen Blick
Die Studie zeigt Verschiebungen innerhalb der Freizeitaktivitäten: Indoor-Angebote gewinnen an Bedeutung, während klassische Outdoor-Aktivitäten in der Häufigkeit zum Teil leicht zurückgehen. Zu den wichtigsten Werten gehören:
- Wandern: 49 Prozent (Rückgang um 7,9 Prozentpunkte)
- Radfahren: 34 Prozent
- Schwimmen: 25 Prozent
- Skifahren und Jogging: je 23 Prozent
- Krafttraining: Zunahme um 6,4 Prozentpunkte
- Yoga und Pilates: Zunahme um 3,3 Prozentpunkte
Wandern als Generationensport
Obwohl die Prozentzahl der Wandernden gesunken ist, bewegt sich jene, die wandern, intensiver: Die durchschnittlichen Wandertage pro Jahr stiegen von etwa 15 auf rund 20. Besonders bemerkenswert ist die Verankerung des Wanderns über alle Altersgruppen hinweg. Bereits knapp 30 Prozent der Männer im Alter von 15 bis 29 Jahren geben an, wandern zu gehen, und mit steigendem Alter nimmt die Popularität weiter zu. Das unterstreicht den Charakter des Wanderns als echte «Lifetime»-Sportart.
«Die Zahlen zeigen, dass Wandern tief in der Schweizer Bevölkerung verankert ist und als Lifetime-Sportart auch in einer sich verändernden Sportlandschaft nicht an Bedeutung verliert», sagt Michael Roschi, Geschäftsführer der Organisation Schweizer Wanderwege.
Infrastruktur und Gesundheit
Die Natur fungiert weiterhin als wichtigste Sportarena: Insgesamt treiben 43 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren mindestens einmal pro Woche Sport an der frischen Luft. Nach der freien Natur und dem eigenen Zuhause folgen die signalisierten Wanderwege als drittwichtigste genutzte Sportinfrastruktur – noch vor Bergbahnen und Skiliften. Damit wird klar, dass gut unterhaltene und signalisierte Wege nicht nur touristischen Wert haben, sondern auch einen Beitrag zur Volksgesundheit und Lebensqualität leisten.
| Aktivität | Anteil |
|---|---|
| Wandern | 49 % |
| Radfahren | 34 % |
| Schwimmen | 25 % |
Motivation: Gesundheit und Freude
Die Hauptgründe für Aktivitäten an der frischen Luft sind klar: Bei 93 Prozent steht die körperliche Fitness und Gesundheit an erster Stelle, gefolgt von der reinen Freude an der Bewegung mit 77 Prozent. Das deutet darauf hin, dass Präventions- und Gesundheitsstrategien, die Bewegung in der Natur fördern, bei der Bevölkerung auf Resonanz stossen.
Für die Praxis ergeben sich mehrere Implikationen: Pflege und Ausbau des Wandernetzes bleiben zentral, ebenso wie barrierefreie Angebote, damit verschiedene Alters- und Bevölkerungsgruppen profitieren. Gleichzeitig gewinnen Indoor-Angebote an Bedeutung — das zeigt sich in wachsenden Nutzerzahlen bei Krafttraining, Yoga und Pilates. Eine ausgewogene Förderung beider Bereiche könnte helfen, die sportliche Aktivität insgesamt stabil zu halten oder wieder zu steigern.
Tipps für alle, die jetzt wieder vermehrt wandern wollen
- Planung: Route, Distanz und Schwierigkeitsgrad dem eigenen Können anpassen.
- Ausrüstung: Gute Wanderschuhe, Schichten für wechselndes Wetter, genügend Wasser.
- Sicherheit: Signalisation beachten, Karten oder App mitnehmen, bei Nebel und Sturm Vorsicht walten lassen.
- Rücksicht: Natur schützen, Abfälle mitnehmen, anderen Wegbenutzern Platz lassen.
- Integration: Kurze, regelmässige Ausflüge können die Fitness genauso fördern wie lange Touren.
Die Studie macht deutlich: Wandern bleibt ein zentrales Element des Schweizer Bewegungsverhaltens, auch wenn sich die Vorlieben innerhalb der Bevölkerung verschieben. Für Politik, Regionalplanung und Tourismus bedeutet das konkret: Erhalt und Weiterentwicklung der Infrastruktur sind investitionswürdig, weil sie Gesundheit, Erholung und Teilhabe fördern.