Der in Zug ansässige Krypto-Finanzdienstleister Bitcoin Suisse plant am Hauptsitz einen umfangreichen Stellenabbau und die Verlagerung eines Teils der Arbeiten ins Ausland. Laut Medienberichten könnten bis zu 50 Prozent der heutigen Arbeitsplätze in Zug betroffen sein – das entspricht etwa 60 Stellen.
Ziel: Kostenreduktion durch Auslandsstandorte
Betroffen sind vorab Aufgaben aus dem Backoffice und der Administration. Diese Tätigkeiten sollen künftig entweder in Bratislava angesiedelt werden oder sukzessive nach Vietnam verlagert werden, wo Bitcoin Suisse in den kommenden Jahren einen neuen Standort aufbauen will. Als Begründung nennt das Unternehmen vor allem finanzielle Erwägungen: In Bratislava und Vietnam lassen sich die entsprechenden Dienstleistungen günstiger erbringen.
«In Bratislava und Vietnam können wir die Dienstleistungen deutlich günstiger anbieten», sagte CEO und Mitgründer Andrej Majcen.
Gleichzeitig betont Majcen gegenüber dem berichtenden Portal, die Entscheidung habe nichts mit der schwierigen Lage am Kryptomarkt zu tun. Er versichert, das Unternehmen verfüge über ein «dickes Polster», um diese Phase zu überstehen. Zug bleibe weiterhin der Hauptsitz, und am Namen Bitcoin Suisse werde nicht gerüttelt.
Ablauf und Personalverfahren
Die Mitarbeitenden in Zug wurden laut Bericht am Freitagmorgen in einer internen Townhall über die Pläne informiert. Die definitive Zahl der wegfallenden Stellen stehe erst nach Abschluss eines zehntägigen Konsultationsverfahrens fest. Medienberichten zufolge sollen die ersten Kündigungen noch in diesem Jahr wirksam werden.
- Betroffene Funktionen: vorrangig Backoffice und Administration
- Angestrebte Standorte: Bratislava und Vietnam
- Verfahren: zehntägiges Konsultationsverfahren vor endgültigen Entscheiden
Unternehmensgeschichte und strategische Neuorientierung
Bitcoin Suisse wurde 2013 vom Dänen Niklas Nikolajsen gegründet und begann als Wechselstube für Kryptowährungen. Aus dieser frühen Stellung hat sich das Unternehmen zu einem der bekanntesten Schweizer Dienstleister im Kryptobereich entwickelt und bezeichnet sich als einer der ältesten und grössten Anbieter der Branche in der Schweiz.
In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen mehrfach seine Strategie neu ausgerichtet. So suchte Bitcoin Suisse 2019 eine Banklizenz bei der Finanzmarktaufsicht Finma; dieses Vorhaben scheiterte laut vorliegenden Berichten damals an Mängeln bei den Massnahmen zur Bekämpfung von Geldwäscherei.
Auswirkungen auf Wirtschaftsstandort und Arbeitsmarkt
Die Verlegung von rund 60 Jobs und die mögliche Reduktion bis zu 50 Prozent der Zug-Belegschaft wirft Fragen zur Attraktivität des Wirtschaftsstandorts sowie zur Struktur der inländischen Arbeitsplätze auf. Während Bitcoin Suisse den Firmensitz in Zug beibehalten will, bedeutet die Verlagerung administrativer Tätigkeiten ins Ausland eine Verringerung lokal verankerter Arbeitsplätze mit entsprechenden Folgeeffekten für Zulieferer, Dienstleister und das Umfeld am Standort.
Für die betroffenen Mitarbeitenden sind Sozialpläne, mögliche interne Lösungen oder Abfederungsmassnahmen und die konkrete Umsetzung Bestandteil des laufenden Konsultationsprozesses. Konkrete Angaben des Unternehmens zu Abfindungen, Umzugsoptionen oder neuen internen Stellen in der Schweiz liegen derzeit nicht vor.
| Aspekt | Bekannte Information |
|---|---|
| Betroffene Zahl Jobs | ~60 (bis zu 50% der Zug-Belegschaft) |
| Hauptbetroffene Funktionen | Backoffice, Administration |
| Geplante Auslandstandorte | Bratislava, Vietnam |
| Verfahren | Zehntägiges Konsultationsverfahren; erste Kündigungen noch dieses Jahr geplant |
Die Ankündigung steht exemplarisch für einen Trend, in dem Finanz- und Techfirmen standardisierte, nicht-kundennahen Tätigkeiten in kostengünstigere Regionen auslagern. Für die Schweizer Wirtschaft ist relevant, welche Kernkompetenzen am Standort gehalten und welche ausgelagert werden. Bitcoin Suisse betont, dass strategische Aktivitäten und der Markenname in der Schweiz verbleiben sollen; dennoch reduziert die geplante Verlagerung die lokal erbrachte Wertschöpfung.
Ob und wie stark sich die Massnahme auf das Vertrauen institutioneller Kunden, regulatorische Beziehungen oder auf Geschäftsprozesse auswirkt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen, insbesondere nachdem das Konsultationsverfahren abgeschlossen ist und konkrete Umsetzungsentscheidungen publiziert werden.