Das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) hat das Baugesuch für die Sanierung und Erweiterung der Schweizerischen Nationalbibliothek in der Stadt Bern eingereicht. Der geplante Baustart ist für das Jahr 2027 vorgesehen. Mit dem Projekt soll das fast hundertjährige Gebäude an der Hallwylstrasse ertüchtigt und für künftige Anforderungen der Bibliotheks- und Kulturarbeit vorbereitet werden.
Grundlage und geplante Eingriffe
Die Vorlage stützt sich auf das 2023 aus einem Studienauftrag hervorgegangene Siegerprojekt «Natbib» der Arbeitsgemeinschaft Christ & Gantenbein (Basel) zusammen mit Drees & Sommer Baumanagement. Geplant sind eine umfassende Sanierung der vorhandenen Gebäudestruktur, die Erneuerung der technischen Anlagen sowie eine bauliche Erweiterung, die Platz für multifunktionale Nutzungen schaffen soll. Dabei stehen sowohl die klassischen Bibliotheksfunktionen als auch öffentlich zugängliche Bereiche im Zentrum.
Im Erdgeschoss ist die Schaffung eines öffentlich zugänglichen «Forums» vorgesehen. Dieser Bereich soll als Begegnungsort für Ausstellungen, Workshops, Forschung und Austausch dienen. Dazu sind ein Bistro sowie flexibel nutzbare Räume geplant. Die bisherigen Magazin- und Lesezonen bleiben erhalten; im unterirdischen Erweiterungsbau sind Ateliers, Werkstätten, Lagerflächen und Technikräume vorgesehen. Flügel- und Verbindungsbauten sollen Arbeitsräume des Bundesamts für Kultur (BAK) und der Nationalbibliothek aufnehmen.
Denkmalschutz und Statik
Das denkmalgeschützte Gebäude an der Hallwylstrasse stammt aus den 1930er-Jahren und gilt als bedeutendes Zeugnis des «Neuen Bauens». Die Sanierung ist nach Angaben des BBL nötig, weil das Gebäude erhebliche Bauschäden aufweist. In der Mitteilung heisst es, die Arbeiten seien aufgrund «erheblicher Mängel in der Statik» erforderlich. Alle Eingriffe erfolgen demnach in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege.
«Das fast 100 Jahre alte Gebäude an der Hallwylstrasse müsse umfassend saniert werden, um seine Funktionen auch künftig zuverlässig erfüllen zu können», schrieb das BBL.
Verbindung zum Museumsquartier
Die Nationalbibliothek gehört zum Museumsquartier Bern und ist Teil eines Kulturstandorts mit mehreren bedeutenden Institutionen. Die geplante Aufwertung zielt darauf ab, die Bibliothek stärker als öffentlichen Begegnungsort zu positionieren und gleichzeitig die fachlichen Funktionen — Bibliothek, Forschung, Sammlungspflege — langfristig sicherzustellen. Die Bündelung dieser Aufgaben soll dazu beitragen, das Angebot für Fachpublikum und interessierte Öffentlichkeit zu verbessern.
Technik, Nutzung und Provisorien
Gemäss Mitteilung werden die Gebäudestruktur und -technik umfassend ertüchtigt und das Raumklima optimiert. Der Ausbau soll es erlauben, sowohl klassische Bibliotheksnutzungen als auch neue, multifunktionale Angebote zu integrieren. Für die Bauphase sind Übergangsregelungen zu erwarten, damit die bibliothekarischen Aufgaben weitergeführt werden können; entsprechende Provisorien werden laut BBL geplant. Konkrete Angaben zu Umfang, Kosten oder Dauer der Bauarbeiten nennt das BBL in der Mitteilung nicht.
Zeitplan und weitere Schritte
Das Baugesuch markiert einen wichtigen Zwischenschritt im Projektverlauf. Nach der Einreichung folgt die formelle Bewilligungsphase durch die zuständigen Stellen, in der Fragen des Denkmalschutzes, des Immissionsschutzes und der Stadtentwicklung geprüft werden. Erst nach abschliessender Genehmigung kann der angepeilte Baustart 2027 erfolgen.
| Etappe | Stand |
|---|---|
| Siegerprojekt | Aus Studienauftrag 2023 («Natbib») |
| Baugesuch | eingereicht |
| Geplanter Baustart | 2027 |
Bedeutung für Bern und die Kulturinfrastruktur
Für die Stadt Bern hat das Projekt eine doppelte Dimension: Einerseits betrifft es die Erhaltung eines denkmalgeschützten Bauwerks, das Teil des städtischen Erscheinungsbilds ist; andererseits stärkt die Aufwertung das Museumsquartier als kulturellen Treffpunkt. Die Modernisierung der Nationalbibliothek kann langfristig die Zugänglichkeit zu digitalen und physischen Beständen verbessern und zugleich neue Angebote für Veranstaltungen und Forschung ermöglichen.
- Das Projekt berührt Denkmalpflege, Stadtentwicklung und Kulturpolitik.
- Die Arbeiten sollen Statikprobleme beheben und das Raumklima verbessern.
- Ein öffentliches Forum im Erdgeschoss soll die Bibliothek stärker öffnen.
Die Einreichung des Baugesuchs ist ein bedeutender administrativer Schritt; die praktische Umsetzung hängt nun von den Bewilligungen und anschliessenden Bauvorbereitungen ab. Für die Berner Bevölkerung und die Fachöffentlichkeit bleibt zu verfolgen, wie sich Zeitplan, Kosten und konkrete Nutzungskonzepte in der Bewilligungsphase weiterentwickeln.