Der mit 10'000 Franken dotierte Berner Nachhaltigkeitspreis 2026 geht an das Restaurant Dreigänger und die Schweizer Tafel für ihr gemeinsames Projekt «Aus Überfluss wird Genuss». Die Auszeichnung wurde am Eröffnungsfest der Berner Nachhaltigkeitstage durch Gemeinderätin Ursina Anderegg überreicht. Insgesamt hatten sich über 50 Projekte um den Preis beworben.
Ein praktisches Modell gegen Foodwaste
Das prämierten Projekt verbindet die Rettung überschüssiger Lebensmittel mit ihrer Weiterverarbeitung zu neuen Produkten wie Menüs, Chutneys, Backwaren, Sirup oder eingelegtem Gemüse. Die Jury hob hervor, dass das Modell ökologische Verantwortung mit sozialem und wirtschaftlichem Nutzen verknüpfe und gleichzeitig Potenzial zur Nachahmung und Skalierung habe. Damit werde nicht nur Lebensmittelverschwendung reduziert, sondern auch das Bewusstsein der Konsumentinnen und Konsumenten für Lebensmittel als wertvolle Ressource geschärft.
Restaurant Dreigänger: Mehr als Gastronomie
Das Restaurant Dreigänger im Liebefeld versteht sich nach eigenen Angaben als Mischung aus Restaurant, Laden und Kulturort. Neben dem Gastronomieangebot bietet der Betrieb Ausbildungsmöglichkeiten für Jugendliche und junge Erwachsene, arbeitsmarktliche Massnahmen, Integrationsangebote sowie einen Second-Hand-Laden für Kleider. Diese multifunktionale Ausrichtung macht Dreigänger zu einem geeigneten Partner für Projekte mit sozialen Komponenten.
Die Rolle der Schweizer Tafel
Die Schweizer Tafel ist in dem Kooperationsmodell die Brücke zwischen Wirtschaft und Sozialsystem: Sie rettet täglich überschüssige Lebensmittel und beliefert in der Schweiz über 500 soziale Einrichtungen. In der Zusammenarbeit mit Dreigänger geht es nicht primär um direkte Weitergabe, sondern um die Umwandlung von Überschüssen in lagerfähige oder veredelte Produkte, die anders monetarisiert und verteilt werden können.
Auszeichnung und Jury
Der Preis wird von der Stadt Bern und der Gebäudeversicherung Bern gestiftet und ist Teil der Berner Nachhaltigkeitstage. Die Jury, besetzt mit fünf Vertreterinnen und Vertretern aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und der Stadt, zeichnete nebst dem Hauptpreis noch acht weitere Projekte aus. Diese erhielten Sachpreise; die Jury wählte die Gewinnerinnen und Gewinner aus über 50 Einreichungen aus.
| Preis | Betrag / Träger |
|---|---|
| Berner Nachhaltigkeitspreis 2026 (Hauptpreis) | 10'000 Fr. – Restaurant Dreigänger & Schweizer Tafel |
Warum das Projekt als vorbildlich gilt
Die Jurybegründung, die den Gewinnern zugrunde liegt, nennt drei zentrale Gründe: erstens die ökologische Wirksamkeit durch Vermeidung von Foodwaste, zweitens der soziale Nutzen durch Kooperation mit Netzwerken der Armutsbekämpfung und drittens die wirtschaftliche Komponente, weil aus Rohstoffen marktfähige Produkte entstehen. Diese Dreifachwirkung erhöht die Chance, das Modell auf andere Regionen oder Betriebe zu übertragen.
- Ökologisch: Reduktion von Lebensmittelverlusten.
- Sozial: Einbindung sozialer Einrichtungen und Ausbildungsangebote.
- Wirtschaftlich: Schaffung von Produkten mit Marktwert und Einkommensmöglichkeiten.
Ausblick und Bedeutung für Bern
Für die Stadt Bern bietet die Auszeichnung ein Signal: Nachhaltigkeit soll nicht nur theoretisch gefördert werden, sondern praktische Lösungen erhalten Unterstützung. Die Kombination aus Lokalbetrieb und nationaler Organisation wie der Schweizer Tafel zeigt zudem, dass städtische Initiativen nationale Partner einbeziehen können. Ob und wie das Projekt skaliert, wird sich in den kommenden Monaten an der Nachfrage nach den veredelten Produkten und an der Bereitschaft weiterer Betriebe zur Kooperation zeigen.
Gemeinderätin Anderegg überreichte zudem acht weitere Preise an Projekte aus verschiedenen Bereichen. Die Vielfalt der Eingaben – mehr als 50 – zeige, so die Jury, dass das Thema Nachhaltigkeit in Stadt und Region breit verankert sei und viele Akteurinnen und Akteure konkrete Ideen zur Umsetzung haben.
Der Preis betont, dass nachhaltiges Handeln in Bern zunehmend praxisorientiert und vernetzt erfolgt: lokale Initiativen, städtische Förderung und gemeinnützige Organisationen arbeiten zusammen, um sichtbare Effekte für Klima, Gesellschaft und Lokalwirtschaft zu erzielen.