Der Berner Schriftsteller Giuliano Musio gehört zu den zwanzig Autorinnen und Autoren, die es auf die Longlist des Deutschen Buchpreises geschafft haben. Musio ist in der Vorauswahl der einzige Vertreter der Schweiz; nominiert wurde sein jüngster Roman «Aus anderem Holz», eine dichte Neuinterpretation der Pinocchio-Geschichte von 1883.
Überraschung trotz ruhigem Status
Musio, der in Bern lebt und neben dem Schreiben als Korrektor arbeitet, beschreibt den Entstehungsprozess des Romans als ungewöhnlich leicht. Nachdem er jahrelang das Schreiben als mühselig empfand, sei dieses Projekt «harmonisch» zusammengewachsen und habe sich innerhalb von knapp anderthalb Jahren fertiggestellt. Für den 49-Jährigen ist die Nomination eine unerwartete Anerkennung: Sein Verlag ist ein kleiner Einmannbetrieb in Österreich, und bei Bekanntgabe der Vorauswahl war das Buch noch nicht einmal im Handel erhältlich.
«Ich habe gleich gewusst: Egal, wie die Reaktionen ausfallen, ich werde nicht an diesem Buch zweifeln.»
Pinocchio als formales und thematisches Gerüst
Musio hat bewusst eine bekannte Stoffvorlage gewählt, um eigene Fragen zu Form und Moral neu zu verhandeln. Der Roman verknüpft laut Autor Themen wie Wahrheit und Lüge, die bereits in seinem Vorgängerroman «Wirbellos» eine zentrale Rolle spielten. Durch die Auseinandersetzung mit der Pinocchio-Figur gelingt ihm eine Weiterführung des Motivs, ohne sich auf eine reine Nacherzählung zu beschränken.
Bedeutung der Longlist-Nomination
Aus über 200 eingereichten Werken aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wählte die Jury zwanzig Titel für die Longlist. Bis zum 8. September entscheidet die Jury, welche sechs Romane auf die Shortlist kommen. Für Musio bedeutet die Nennung nicht nur persönliche Anerkennung, sondern auch erhöhte Sichtbarkeit für sein Werk und seinen kleinen Verlag.
| Fakt | Angabe |
|---|---|
| Eingereichte Werke | Über 200 |
| Longlist | 20 Titel |
| Shortlist-Entscheid | Bis 8. September |
Persönlicher Hintergrund und Arbeitsweise
Giuliano Musio, 49 Jahre alt und mit italienischen Wurzeln, lebt in Bern. Neben seiner Tätigkeit als Korrektor bei einer grossen Schweizer Zeitung schreibt er Romane, die oft von einer literarischen Suche nach Form und Wirkung geprägt sind. Musio berichtet, dass bei diesem Buch vieles anders verlief als zuvor: das Schreiben sei ihm leichtergefallen und das Konzept schneller gefügt gewesen.
Was Leserinnen und Leser erwarten können
Der Roman nähert sich dem Pinocchio-Motiv nicht nostalgisch, sondern als Ausgangspunkt für eine tiefere literarische Untersuchung. Musio nutzte die bekannten Figuren und Motive, um Fragen nach Identität, Wahrheit und gesellschaftlicher Verantwortung zu stellen. Kritisch-literarische Reflexionen kombiniert er dabei mit erzählerischem Anspruch; der Roman sei daher eher eine Weiterentwicklung denn eine Aneignung klassischer Kinderliteratur.
- Giuliano Musio ist der einzige Schweizer auf der Longlist.
- «Aus anderem Holz» ist thematisch an Pinocchio angelehnt, geht aber in die Tiefe.
- Die Shortlist wird bis zum 8. September ausgewählt.
Ausblick
Ob Musio den Sprung auf die Shortlist schafft, entscheidet sich in den kommenden Tagen. Unabhängig vom weiteren Ausgang hat die Longlist-Nomination bereits jetzt Wirkung: Das Werk erhält Aufmerksamkeit in der deutschsprachigen Literaturszene, und der Autor aus Bern tritt in einen anderen Publikumsfokus. Für die lokale Literaturszene bedeutet die Nennung eine willkommene Würdigung eines Autors, der seine Wurzeln in der Stadt hat und hier weiterhin tätig ist.
Die Jury des Deutschen Buchpreises weist traditionell eine grosse Aufmerksamkeit innerhalb des deutschen Sprachraums auf; eine Platzierung auf der Shortlist oder gar der Gewinn könnten für Musio und seinen Verlag nachhaltige Folgen haben, etwa durch höhere Verkaufzahlen, Übersetzungsinteresse und Einladungen zu Lesungen. Bis dahin bleibt seine Longlist-Nominierung ein beachtlicher Erfolg und ein positives Signal für die Berner Literaturszene.