Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) hat eine Studie zum Wühlverhalten von Hausschweinen in Schweizer Ställen in Auftrag gegeben. Die Untersuchung soll klären, ob die geltenden Vorschriften zur Beschäftigung der Tiere ausreichen oder ob Anpassungen nötig sind. Mit der Prüfung betraute Einrichtungen sind die bundeseigene Forschungsanstalt Agroscope sowie das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL).
Ausgangspunkt: Angeborenes Verhalten und heutige Regeln
Wühlen gilt als natürliches, ausgeprägtes Verhalten von Schweinen. In der freien Natur verbringen diese Tiere viel Zeit damit, den Boden zu erforschen und Futter zu suchen. Die Frage lautet laut BLV, ob Stallhaltungen in der Schweiz diesem Trieb ausreichend Rechnung tragen.
Heute müssen Schweinehalterinnen und -halter ihren Tieren «jederzeit geeignetes Material» zur Beschäftigung anbieten. Die Anforderungen an solches Material lauten, dass es kaubar, benagbar, fressbar und ungiftig sein muss. Erlaubte Beispiele sind etwa Würfel aus Stroh oder Heu; auch Weichholz ist unter bestimmten Bedingungen zulässig. In Ställen mit Teilspaltenböden ohne Einstreu bestehen besondere Herausforderungen, weil dort das Auslegen von lockerer Einstreu eingeschränkt ist.
Bundesamt lässt Evidenz prüfen — mögliche Folgen unklar
Das BLV will mit der Studie wissenschaftliche Grundlagen schaffen. Ziel ist es, festzustellen, ob die aktuellen Vorschriften zur Beschäftigung und zur Struktur der Haltung das natürliche Wühlverhalten ausreichend ermöglichen. Je nach Ergebnis könnten sich daraus Empfehlungen oder neue Vorgaben für die Praxis ergeben.
Konkrete Konsequenzen wie gesetzliche Änderungen oder Fristen nannte das BLV bislang nicht. Die Studie dürfte jedoch für Stallbetreiberinnen und Stallbetreiber sowie für die Agrarpolitik relevant werden, weil sie Anpassungen an Haltungssystemen oder Investitionen nach sich ziehen könnte.
Reaktionen aus der Branche
Der Branchenverband Suisseporcs äussert sich kritisch: Die Organisation beklagt, dass die Landwirtschaft bislang nicht in die Planung der Studie eingebunden gewesen sei. Suisseporcs warnt vor zusätzlichen Produktionskosten, falls die Untersuchung zu strengeren Vorgaben führen sollte. Die Branche fürchtet, dass neue Anforderungen vor allem kleine und mittlere Betriebe finanziell stärker belasten könnten.
- Verband: fehlende Einbindung der Branche
- Furcht vor höheren Produktionskosten bei neuen Vorschriften
- Unklarheit darüber, ob und wann Änderungen umgesetzt würden
Wer führt die Forschung durch?
Die beteiligten Forschungsstellen verfügen über Erfahrung in Tierwohlfragen: Agroscope als nationale Forschungsanstalt gehört zum Bund und arbeitet regelmässig zu Fragen der Nutztierhaltung. Das FiBL bringt Expertise aus dem Bereich der ökologischen Landwirtschaft und Tierhaltungsformen ein. Gemeinsam sollen sie Daten zum tatsächlichen Wühlverhalten der Tiere in unterschiedlichen Stalltypen erheben und auswerten.
| Institution | Rolle |
|---|---|
| BLV | Auftraggeber, Auswertung politischer Handlungsoptionen |
| Agroscope | Forschungsdurchführung, Tierwohl-Expertise |
| FiBL | Forschung zu ökologischer Haltung und Beschäftigungsmaterial |
Was bedeuten mögliche Änderungen für den Kanton Bern?
Für den Kanton Bern und die dort tätigen Schweinehalterinnen und -halter wäre die Studie relevant, weil gesetzliche Anpassungen auf nationaler Ebene für alle Betriebe gelten würden. Betreiberinnen kleiner Stallanlagen und solche mit Teilspaltenböden könnten vor technischen und finanziellen Herausforderungen stehen, sollten Einstreu oder anderes Beschäftigungsmaterial in grösserem Umfang vorgeschrieben werden.
Gleichzeitig könnte eine evidenzbasierte Anpassung der Vorschriften die Tierschutzstandards stärken und Konsumentinnen und Konsumenten mehr Transparenz über Haltungsbedingungen bringen. Welche konkreten Massnahmen empfohlen werden, bleibt aber offen, bis die Forschungsergebnisse vorliegen.
Ausblick und offene Fragen
Wesentliche Fragen bleiben: Wie schnell liefert die Studie belastbare Resultate? Welche Stalltypen werden untersucht? Und in welchem Umfang müsste die Praxis angepasst werden, falls das BLV Änderungen vorschlägt? Derzeit gibt es dazu noch keine Angaben.
Die Debatte verdeutlicht einen Spannungsbogen zwischen Tierwohlanforderungen und wirtschaftlicher Tragbarkeit in der Landwirtschaft. Die kommenden Monate dürften zeigen, wie sich Politik, Forschung und Branchenverbände aufeinander zubewegen.