Der Schweizerische Freibergerverband (SFV) warnt vor einer prekären Zukunft für das Freibergerpferd, die einzige ursprünglich in der Schweiz entstandene Pferderasse. Anlass für die öffentliche Kritik sind mehrere Entscheide auf Bundesebene, die der Verband als schädlich für Zucht und Förderung bezeichnet. Das Anliegen will der SFV am kommenden Marché-Concours in Saignelégier (JU) direkt an politisch Verantwortliche herantragen.
Verbandsalarm und politischer Appell
Gemäss Schreiben des SFV habe es in kurzer Zeit «ungewohnt viele Bundesentscheide» gegeben, die sich nachteilig auf die Freibergerzucht auswirkten. Im Zentrum der Kritik stehen Budgetkürzungen für den Verband, eine abnehmende Unterstützung für Förderprogramme sowie das Ende der Pferdeforschung am Schweizerischen Nationalgestüt. Der Freibergerverband fordert deshalb verstärkte politische Aufmerksamkeit und Interventionen gegenüber den Bundesbehörden.
«Wir wollen deshalb die Politiker, die am Marché-Concours anwesend sein werden, für diese Problematik sensibilisieren, damit sie bei den Bundesbehörden intervenieren, um unsere Sorgen weiterzugeben», sagte Pauline Queloz, Geschäftsführerin des SFV, gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Der Marché-Concours National de Chevaux bildet traditionell ein Schaufenster für einheimische Pferdezucht und Reitsport. Der Anlass zieht regelmässig Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Verwaltung an; auch in diesem Jahr werden zahlreiche Persönlichkeiten erwartet. Der SFV nutzt die Präsenz dieser Entscheidungsträger, um seine Forderungen zu platzieren.
Warum der Freiberger mehr als eine Rasse ist
Der Verband betont, dass das Freibergerpferd nicht nur biologisch, sondern auch kulturell Bedeutung habe. Als traditionelle Nutz- und Reitpferderasse ist es in vielen Regionen der Schweiz verankert und gehört nach Ansicht des SFV zum bäuerlichen Erbe. Konkret warnen die Züchter davor, dass ein schrittweiser Rückzug staatlicher Unterstützung die Existenzgrundlage kleiner Zuchtbetriebe gefährden könne.
Konkrete Kritikpunkte auf einen Blick
- Budgetkürzungen beim Verband, welche direkte Auswirkungen auf Zuchtprogramme haben.
- Verminderte Förderung nationaler Initiativen zur Erhaltung und Bekanntmachung der Rasse.
- Ende der Pferdeforschung am Nationalgestüt, welche Fragen hinsichtlich Zuchtqualität und Genetik aufwirft.
Diese Punkte fasst der SFV in seinem Brief an die Politik zusammen; er fordert gezielte Massnahmen, damit die Zucht und die damit verbundenen Strukturen nicht weiter geschwächt werden.
Möglichkeiten und offene Fragen
Welche Mittel und Instrumente dem Verband zur Verfügung stehen, um seine Anliegen durchzusetzen, bleibt offen. Politische Unterstützung kann sich auf verschiedene Arten zeigen: von gezielten Förderprogrammen über die Wiederaufstockung von Forschungsgeldern bis hin zu Kooperationsprojekten mit Kantonen oder Branchenorganisationen. Der SFV hofft offenbar darauf, am Marché-Concours direkte Gespräche zu führen und Verbündete zu gewinnen.
| Problemfeld | Auswirkung |
|---|---|
| Budgetkürzungen | Eingeschränkte Zuchtförderung, weniger Veranstaltungen |
| Abnehmende Förderung | Geringere Sichtbarkeit der Rasse, weniger Nachwuchs |
| Ende der Pferdeforschung | Weniger wissenschaftliche Grundlagen für Zuchtentscheidungen |
Die Diskussion berührt auch Fragen der Prioritätensetzung in der Agrarpolitik: Wie viel öffentliche Mittel sollen in die Pflege von Nutztierrassen fliessen, die kulturellen Wert besitzen, aber nicht unbedingt wirtschaftlich dominierend sind? Solche Abwägungen stehen oftmals im Spannungsfeld zwischen nationaler Agrarpolitik, Forschungsetats und regionalen Interessen.
Ausblick: Marché-Concours als Bühne
Für den SFV bietet der Marché-Concours eine einmalige Gelegenheit, die Anliegen publikums- und medienwirksam vorzubringen. Dass hochrangige Politikerinnen und Politiker anwesend sind, erhöht die Chance, Gehör zu finden. Ob dies zu konkreten Änderungen in der Förderpolitik führen wird, bleibt abzuwarten. Klar ist: Die Debatte über die Zukunft des Freibergers ist nicht nur eine veterinär- oder züchterische Frage, sondern berührt Kultur, Landwirtschaft und Ländliche Entwicklung gleichermassen.
Die nächsten Wochen dürften zeigen, ob die Darstellung des SFV in der Politik Resonanz findet und welche Massnahmen Bund und Kantone künftig zur Unterstützung der einheimischen Pferderasse prüfen.