Die Wirtschaftsleistung der Euro-Zone hat sich im Frühjahr stabilisiert: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von April bis Juni gegenüber dem ersten Quartal um 0,4 Prozent, wie die europäische Statistikbehörde Eurostat bestätigt hat. Nach einem stagnierenden Auftaktquartal setzt sich damit eine leichte Erholung fort.
Regional unterschiedliche Dynamik
Die Wachstumsbeiträge der Mitgliedstaaten fielen unterschiedlich aus. Spanien erwies sich als stärkster Motor und verzeichnete ein Quartalsplus von 0,7 Prozent, wobei insbesondere der Tourismus als wichtiger Faktor genannt wird. Die drei grössten Volkswirtschaften der Währungsunion – Deutschland, Frankreich und Italien – wuchsen hingegen jeweils nur um 0,2 Prozent.
| Land | Vierteljahreswachstum (Q2) |
|---|---|
| Euro-Zone (gesamt) | +0,4 % |
| Spanien | +0,7 % |
| Deutschland | +0,2 % |
| Frankreich | +0,2 % |
| Italien | +0,2 % |
Die Beschäftigung im Währungsraum entwickelte sich ebenfalls stabil: Die Zahl der Erwerbstätigen stieg gegenüber dem Vorquartal um 0,1 Prozent, im Vergleich zum Vorjahresquartal lag das Plus bei 0,5 Prozent. Diese Arbeitsmarktdaten deuten auf eine weiterhin robuste Binnennachfrage hin, wenn auch nicht auf ein beschleunigtes Wachstum.
Preis- und Zinsumfeld bleibt angespannt
Das wirtschaftliche Auf und Ab findet vor dem Hintergrund erhöhter Energiepreise statt. Der Konflikt im Nahen Osten, namentlich der Iran-Krieg, hat die Ölpreise belastet und damit spürbare Kostensteigerungen an den Zapfsäulen in Europa ausgelöst. Höhere Energiepreise wirken inflationsfördernd und belasten private Haushalte sowie energieintensive Unternehmen.
Als Reaktion auf die gestiegenen Preise hat die Europäische Zentralbank (EZB) bereits im Juni die erste Zinserhöhung seit drei Jahren beschlossen. Marktbeobachter sehen im September einen möglichen weiteren Schritt. Höhere Leitzinsen dienen der Inflationsbekämpfung, können aber das Wachstum abkühlen – ein Spannungsfeld, das die EZB beim weiteren Vorgehen abwägen muss.
- Wachstum: Euro-Zone +0,4% im Q2 gegenüber Q1.
- Sektoren: Tourismus befeuerte Spaniens Expansion.
- Arbeitsmarkt: Erwerbstätigenzahl +0,1% gegenüber Vorquartal.
Für die Schweiz sind die Zahlen aus mehreren Gründen relevant. Erstens bleibt die Euro-Zone wichtigster Handelspartner; moderate Wachstumsimpulse in der EU können die Nachfrage nach Schweizer Exportgütern stützen. Zweitens wirken höhere Energie- und Importpreise über die Preisentwicklung in der Euro-Zone auf die inländliche Inflation ein, was die geldpolitische Debatte in der Schweiz beeinflussen kann. Drittens bedeutet eine Divergenz zwischen robustem Binnenmarkt in einigen Ländern und schwächerer Entwicklung in anderen, dass Exportorientierte Branchen ihre Absatzchancen je nach Zielland sorgfältig beurteilen müssen.
Insgesamt beschreibt Eurostats Bericht ein Bild moderater, aber uneinheitlicher Erholung: Solide Beschäftigungsdaten und ein Plus des BIP stehen steigenden Kosten durch Energiepreissteigerungen gegenüber. Die weitere Entwicklung wird stark davon abhängen, wie sich der geopolitische Druck auf die Energiepreise und die geldpolitischen Antworten in den kommenden Monaten gestalten.