Stadtrat sieht Symbolwirkung, Wirtschaftlichkeit spricht dagegen
Der Bienenfutterautomat vor dem Rathaus III in Burgdorf wird nicht ersetzt. Der Ausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung und Bau stimmte am Montag, 24. August 2026, einstimmig einer Verwaltungsvorlage zu, die nach dem Diebstahl des Geräts von einer Neuanschaffung absieht. Stattdessen sollen die bisher für Saatgut vorgesehenen Mittel in «wirksamere Massnahmen zum Schutz der Insekten» umgeleitet werden.
Wechselvolle Geschichte und unrentabler Betrieb
Der Automat war ursprünglich auf Antrag der Fraktion Freie Wähler Burgdorf im Oktober 2020 beschlossen worden. Die Umsetzung zog sich: Der Auftrag erfolgte im Januar 2022, in Betrieb genommen werden konnte das Gerät aufgrund eines Lieferengpasses aber erst im September 2022. Angeboten wurden Samentütchen und Blühpflanzenkapseln gegen eine geringe Gebühr, mit der die laufenden Kosten gedeckt werden sollten.
Die Wirtschaftlichkeitsauswertung zeigt jedoch ein deutliches Missverhältnis. Die ausgewiesenen Einnahmen beliefen sich auf Fr. 495.69, den gegenüberstehenden Aufwendungen ordnete die Verwaltung mit rund Fr. 1'791.00 aus — ohne interne Personalkosten. Rechnet man Anschaffung, Erstinstallation, Saatgutbestellungen sowie Auf- und Abbauarbeiten hinzu, ergab sich ein Gesamtaufwand von rund Fr. 2'574.00. Die Verwaltung bewertete den Betrieb deshalb als wirtschaftlich nicht sinnvoll.
«Wirtschaftlich nicht sinnvoll»
Keine Neuanschaffung — Kosten und Alternativen
Eine Neuanschaffung hätte die Stadt nach Schätzung nochmals rund Fr. 1'000.00 gekostet, inklusive Gerät, Installationsarbeiten des Bauhofs und Startvorrat an Saatgut. Zudem verwies die Verwaltung darauf, dass das Angebot an kostenlosem oder kostengünstigem Saatgut anderweitig zunimmt, was die Nachfrage nach einem Automaten weiter schmälern könnte.
- Ursprung: Beschluss Freie Wähler, Oktober 2020
- Inbetriebnahme: September 2022 (nach Lieferengpass)
- Einnahmen: Fr. 495.69
- Aufwand (laufend): rund Fr. 1'791.00
- Gesamtkosten inkl. Anschaffung: rund Fr. 2'574.00
Debatte über Symbolpolitik und Biodiversität
Der Diebstahl des Automaten löste im Ausschuss eine Grundsatzdebatte über die Rolle von Symbolprojekten aus: Einerseits steht die Sicht, dass sichtbare Aktionen Bewusstsein schaffen und Bürgerschaft zum Mitmachen anregen; andererseits kritisierten Mitglieder die geringe Effektivität gegenüber direkten Investitionen in naturnahe Grünflächen oder Bildungsprojekte. Die Entscheidung, die Mittel für wirksamere Massnahmen einzusetzen, folgt damit einer längerfristigen Strategieorientierung.
Konkrete Massnahmen, in die das Geld nun fliessen soll, nennt die Vorlage nicht im Detail. Fest steht jedoch, dass die Verwaltung die bisher eingeplanten Mittel für Saatgut künftig anders verwenden will, um eine grössere Wirkung für die lokale Insektenvielfalt zu erzielen.
Ausblick für Burgdorf
Für die Burgdorfer Bevölkerung bedeutet der Verzicht auf einen Ersatzautomaten vor allem zwei Dinge: zum einen entfällt ein sichtbares Angebot für Saatgut an zentraler Stelle, zum anderen setzt die Stadt künftig stärker auf Massnahmen, die nach Einschätzung der Verwaltung eine höhere Wirksamkeit für die Biodiversität versprechen. Wie diese Massnahmen konkret ausgestaltet werden, bleibt abzuwarten und dürfte bei künftigen Sitzungen und Informationsangeboten für die Öffentlichkeit eine Rolle spielen.
| Posten | Betrag (Fr.) |
|---|---|
| Einnahmen | 495.69 |
| Aufwendungen (laufend) | 1'791.00 |
| Gesamtkosten inkl. Anschaffung | 2'574.00 |
| Geschätzte Neuanschaffung | 1'000.00 |
Der Beschluss des Ausschusses markiert einen pragmatischen Schritt: Burgdorf verzichtet auf ein symbolträchtiges, aber finanziell ineffizientes Angebot und will die Ressourcen gezielter für den Insektenschutz einsetzen. Für die Stadtverwaltung folgt nun die Herausforderung, konkrete und wirkungsvolle Projekte zu definieren und diese transparent gegenüber der Öffentlichkeit zu kommunizieren.