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Basel schreibt Kinderverpflegung neu aus – Qualität vor Billigpreis

Nach Kritik am früheren Caterer setzt Basel-Stadt bei der Schulverpflegung auf strengere Qualitätskriterien, Vor-Ort-Küchenbesuche und Nachhaltigkeitslabels. Der Auftrag wird ab August 2027 regulär ausgeschrieben, Ferienverpflegung soll ab 2028/29 massiv ausgebaut werden.

Basel schreibt Kinderverpflegung neu aus – Qualität vor Billigpreis
©Illustration KI Matthias Schmid / we-news.com

Das Erziehungsdepartement des Kantons Basel-Stadt hat die Verpflegung in den Tagesstrukturen der Primarschulen neu ausgeschrieben. Die Entscheidung folgt auf heftige Beanstandungen am bisherigen Anbieter und auf eine anschliessende provisorische Vergabe. Künftig sollen die Qualität und das Betriebskonzept stärker zählen als der tiefste Preis.

Hintergrund: Schnelllösung nach Beschwerden

Ende Schuljahr entzog das Departement der britischen Compass Group den Auftrag, nachdem es gehäufte Beschwerden über die gelieferten Mahlzeiten gegeben hatte. Um die Versorgung zu sichern, vergab die Verwaltung vor den Sommerferien den Auftrag für ein Jahr freihändig an die Wyniger-Gruppe. Diese beliefert seit Beginn des Schuljahres die Tagesstrukturen mit warmen Mahlzeiten über das Unternehmen Ryago.

Neuausschreibung mit geänderten Kriterien

Die anstehende, ordentliche Ausschreibung soll ab Herbst 2027 einen neuen Vertrag für zwei Jahre bringen. In den Unterlagen des Departements sind mehrere Lehren aus dem sogenannten Food-Debakel festgehalten worden. Am deutlichsten ist die veränderte Gewichtung der Kriterien: Der Preis entfällt künftig nur noch mit 25 Prozent in die Bewertung. Damit reagiert die Verwaltung auf das Problem, dass zuvor ein Anbieter mit sehr günstigen Preisen den Zuschlag erhielt, obwohl es qualitative Vorbehalte gab.

Neu in das Bewertungsschema aufgenommen wurde zudem das Betriebskonzept. Die Jury wird die Küchen der Anbieter vor der Punktevergabe besuchen, ein Vorgehen, das für Vergaben im Kanton vergleichsweise ungewöhnlich ist. Ziel ist es, Produktionsabläufe, Hygiene, Logistik und die reale Arbeitsumgebung zu prüfen und so die Leistungsfähigkeit vor Ort zu verifizieren.

Verpflegung als Teil des pädagogischen Angebots

Das Departement betont, dass Kinderverpflegung nicht nur eine logistische Aufgabe sei, sondern Bestandteil des pädagogischen Programms. Dies schlägt sich in konkreten Vorgaben nieder: Bis 2030 soll jeder zweite Standort mit dem Label «Fourchette verte - Ama terra» zertifiziert sein, was auf einen besonders nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln hinweist.

Aspekt Neu
Gewichtung Preis 25 %
Bewertung Betriebskonzept Küchenbesuche durch Jury
Nachhaltigkeitsziel 50 % der Standorte: «Fourchette verte - Ama terra» bis 2030

Ferienangebot und Kapazitätsplanung

Ein weiterer Punkt in der Ausschreibung adressiert die Ferienbetreuung. Das Departement plant, das Betreuungsangebot während der Ferienzeit deutlich auszubauen; entsprechende Mahlzeitenlieferungen werden ab dem Schuljahr 2028/29 benötigt, heisst es in den Unterlagen. Bislang bieten lediglich drei Standorte Ferienbetreuung an. Mit dem erweiterten Cateringangebot kommt der Kanton einer Forderung aus dem Parlament nach, die bereits vor Jahren erhoben worden war.

  • Ab August 2027 ordentliche Ausschreibung für zwei Jahre
  • Provisorische, freihändige Vergabe für ein Jahr an Wyniger/Ryago
  • Höherer Stellenwert von Qualität und Betriebskonzept

Folgen und offene Fragen

Die Anpassungen sollen verhindern, dass künftig besonders tief kalkulierende Anbieter trotz qualitativer Schwächen zum Zug kommen. Die Prüfung der Küchen vor Ort erhöht die Transparenz und dürfte einen besseren Abgleich zwischen Angebot und realen Produktionsbedingungen ermöglichen. Unklar bleibt, wie Anbieter mit höheren Preisen ihre Angebote so strukturieren, dass sie den Budgetvorgaben der öffentlichen Hand entsprechen, ohne Abstriche bei Frische, Geschmack und Nachhaltigkeit zu machen.

Für Eltern und Schulleitungen ist relevant, dass eine dauerhafte und verlässliche Versorgung geplant ist: Die einjährige Übergangslösung stellt sicher, dass keine Versorgungslücke entsteht, während die ordentliche Ausschreibung ab 2027 die Grundlage für eine längerfristige Lösung legen soll.

Die Neuausrichtung zeigt, dass der Kanton bereit ist, Vergabekriterien zu überdenken, wenn die praktische Umsetzung Mängel offenbart. Ob dies auch zu spürbar besseren Menüs und einer höheren Akzeptanz bei den Kindern führt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen, wenn Anbieter ihre Konzepte einreichen und die Juroren die Küchenbesuche abgeschlossen haben.

Die Ausschreibungsunterlagen sowie konkrete Termine für Besichtigungen und Submissionen wurden vom Departement noch nicht im Detail kommuniziert. Interessierte Anbieter und betroffene Eltern werden die nächsten Schritte aufmerksam verfolgen, da die Verpflegung in den Tagesstrukturen sowohl pädagogische als auch gesundheitliche Bedeutung hat.

Matthias Schmid
KI-Regionalkorrespondent Kanton Basel-Stadt – WE NEWS

Matthias Schmid
Matthias KI KI-Regionalkorrespondent Kanton Basel-Stadt – WE NEWS online

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