Der kantonale Gewerbeverband Basel‑Stadt (GVBS) hat die Ja‑Parole zur Anti‑Chaoten‑Initiative der SVP gefasst. Damit stellt sich das Gewerbe gegen den Mehrheitskurs von Regierung und Grossem Rat sowie den standpunkt zahlreicher Parteien. Über die Vorlage wird im Stadtkanton am 27. September abgestimmt.
Worum es in der Initiative geht
Die von der SVP eingereichte Initiative will nach eigenen Angaben rechtswidrigem Verhalten bei Demonstrationen wirksam begegnen. Ziel ist eine Reduktion der Zahl unbewilligter Demonstrationen und Kundgebungen. Ausserdem sollen Demonstrierende in bestimmten Fällen für Polizeikosten und Schäden im Zusammenhang mit Demonstrationen aufkommen.
«mehr Eigenverantwortung statt Kosten zulasten der Allgemeinheit»
Auf ihrer Webseite fordert die SVP ein «griffiges Konzept gegen die hohe Zahl unbewilligter Demonstrationen» und betont, friedlich Demonstrierende hätten nichts zu befürchten. Gegner warnen hingegen vor einem Klima der Abschreckung und vor hohen administrativen Kosten.
Warum das Gewerbe Ja sagt
Für viele Ladenbetreiberinnen und -betreiber in der Basler Innenstadt ist die Sorge um Sachbeschädigungen, Schmierereien und Umsatzeinbussen bei Grossdemonstrationen real. Der GVBS begründet seine Unterstützung mit einer wachsenden Belastung des lokalen Gewerbes durch wiederkehrende Störungen und Einschränkungen des öffentlichen Verkehrs infolge von unbewilligten Kundgebungen. Auch die jüngste, unbewilligte Demo am vergangenen Samstag, bei der die Kantonspolizei 174 Personenkontrollen durchführte, wird im Umfeld der Debatte erwähnt.
Politische Mehrheiten und Gegenstimmen
Parteipolitisch folgt auf nationaler Ebene kein breiter Konsens: Neben der SVP haben sich nur die FDP und der Gewerbeverband offen für die Initiative ausgesprochen. Die übrigen Parteien lehnen sie ab; die EVP hat eine Stimmfreigabe beschlossen. Auf kantonaler Ebene ist die Haltung klar: Regierung und Grosser Rat haben das Anliegen deutlich verworfen. Im Grossen Rat fiel die Entscheidung mit 73 zu 20.
| Akteur | Stellung |
|---|---|
| Gewerbeverband Basel‑Stadt (GVBS) | Ja |
| SVP | Ja |
| FDP | Ja |
| EVP | Stimmfreigabe |
| Regierung | Nein |
| Grosser Rat | Nein (73 zu 20) |
Argumente der Gegner
Gegnerinnen und Gegner der Initiative führen mehrere Einwände an: Sie warnen vor einer Aushöhlung des Versammlungsrechts und einem ‹Klima der Abschreckung› gegenüber politischen Protesten. Ausserdem werden finanzielle und administrative Folgekosten für die Umsetzung ins Feld geführt – etwa bei der Durchsetzung von Haftungsansprüchen oder bei zusätzlichen Polizeikontrollen. Die Regierung betonte in ihren Vorstössen, dass bereits bestehende Instrumente und die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Behörden und Veranstaltern funktionierten.
Konkrete Auswirkungen für die Stadt
Kommt die Initiative vors Volk und wird sie angenommen, würde dies die Praxis im Umgang mit Demonstrationen in Basel‑Stadt verändern: Es könnte zu strengeren Bewilligungsverfahren, erhöhter finanzieller Verantwortung von Veranstaltenden und zu engerer Zusammenarbeit zwischen Behörden und Veranstaltern kommen. Für das Gewerbe wäre das Ziel, Schäden und Betriebsunterbrüche auf ein Minimum zu reduzieren. Kritiker sehen hingegen die Gefahr, dass organisierter Protest erschwert und die politische Auseinandersetzung auf der Strasse verunmöglicht wird.
- Datum Abstimmung: 27. September
- Letzte Entwicklung: GVBS fasst Ja‑Parole
- Parlamentarische Lage: Regierung und Grosser Rat klar dagegen
Was jetzt zu beachten ist
Die Schlussausrichtung der Stimmbürgerinnen und Stimmbürger entscheidet über den künftigen Umgang mit Demonstrationen in Basel‑Stadt. Für Gewerbetreibende dürfte die Vorlage eine direkte Relevanz haben, für Freiheits‑ und Versammlungsrechtlerinnen der Grundsatz. In den kommenden Wochen werden wohl beide Seiten ihre Argumente intensiv an die Bevölkerung richten. Praktisch relevant sind zudem Fragen zur Durchsetzbarkeit: Wer trägt die Kosten bei Vandalismus, wie wird Haftung nachgewiesen, und welche Instrumente stehen der Polizei zur Verfügung? Die Öffentlichkeit darf in den verbleibenden Tagen vor der Abstimmung genauere Abklärungen und Stellungnahmen erwarten.
Die Debatte verknüpft wirtschaftliche Interessen, öffentliche Ordnung und das Grundrecht auf Versammlung. In Basel, wo Demonstrationen eine lange Geschichte haben, dürfte die Abstimmung nicht nur juristische, sondern auch kulturelle Spuren hinterlassen.