Saisonauftakt und Fortsetzung eines Zyklus
Das Sinfonieorchester Basel hat seine 151. Saison im Stadtcasino mit einer Aufführung von Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 5 cis-Moll eröffnet. Unter dem Dirigat von Markus Poschner setzte das Orchester die im Vorjahr begonnene Mahler-Trilogie fort, die bereits mit den Sinfonien Nr. 2 und Nr. 3 begonnen worden war. Vor Konzertbeginn begrüsste Orchesterdirektor Franziskus Theurillat das Publikum, dankte für dessen Treue und hiess erstmals auftretende neue Mitglieder des Orchesters willkommen.
Besonderes Echo erhielt die Anwesenheit des ehemaligen langjährigen Chefdirigenten Moshe Atzmon, der zwischen 1975 und 1986 alle neun Mahler-Sinfonien mit dem Orchester geleitet hatte. Der heute 95-jährige Maestro wurde mit herzlichem Applaus bedacht.
Musikalische Gestaltung: Trauermarsch, Scherzo, das berühmte Adagietto
Die Aufführung begann mit dem monumentalen Trauermarsch, der den Zuhörer unmittelbar in Anspruch nahm. Der darauffolgende Satz präsentierte sich stürmisch und vehement und offenbarte die konzentrierte, präzise Arbeit von Dirigent und Ensemble. Besonders auffällig war das fast 20 Minuten dauernde Scherzo, das durch grosse melodische Vielfalt und farbige Orchestrierung bestach. Den dritten Abschnitt bildete das weltbekannte Adagietto, die lyrische Mitte der Sinfonie, die in der Rezeptionsgeschichte etwa durch Viscontis Film „Tod in Venedig" geprägt wurde.
„Eine Liebeserklärung an seine spätere Frau Alma Schindler“ – so wird das Adagietto in der Tradition der Rezeption beschrieben.
Poschners Interpretation liess die unterschiedlichen Charaktere der Sätze deutlich hervortreten: der feierliche Zug des Trauermarschs, die dramatischen Spannungsbögen des folgenden Satzes, die spielerische Vielfalt des Scherzos und die intime, transparente Klangrede des Adagietto. Insgesamt präsentierte sich das Orchester technisch versiert und klanglich homogen.
- Eröffnung der 151. Saison des Sinfonieorchesters Basel im Stadtcasino.
- Fortsetzung des Mahler-Zyklus unter Chefdirigent Markus Poschner.
- Öffentliche Würdigung und Anwesenheit des früheren Dirigenten Moshe Atzmon.
Kontext und Bedeutung für Basel
Die Wiederaufnahme des Mahler-Zyklus ist ein kulturelles Statement: Sie bindet Vergangenheit und Gegenwart zusammen, indem sie sowohl etablierte Repertoiretraditionen als auch die Arbeit mit neuen Orchestermitgliedern sichtbar macht. Die Präsenz von Moshe Atzmon verlieh dem Abend zudem eine persönliche historische Dimension und erinnerte an die langjährige Orchestergeschichte Basels.
Für das Publikum bedeutete die Aufführung nicht nur ein musikalisches Ereignis, sondern auch die Möglichkeit, die Kontinuität des Hauses zu erleben: Ein Dirigent und ein Orchester, die sich systematisch einem grossen Projekt widmen, schaffen eine Erwartungshaltung für die kommenden Konzerte der Saison.
| Satz | Charakter |
|---|---|
| 1. Satz | Trauermarsch, monumental |
| 2. Satz | Stürmisch, vehement |
| 3. Satz | Adagietto, lyrisch und bekannt |
| 4. Satz | Scherzo, melodisch vielfältig |
Die Aufführung zeigte, wie klassisches Programm mit lokalem Bezug funktionieren kann: Anspruchsvolles Repertoire, ein prominenter historischer Bezugspunkt und die Integration junger Musiker bilden eine solide Basis für das Kulturjahr in Basel. Für Abonnenten wie für gelegentliche Konzertbesucher bleibt spannend, wie der Zyklus weitergeführt wird und welche Interpretationen Poschner in den kommenden Konzerten wählen wird.
Der Abend im Stadtcasino war damit mehr als ein Konzert: Er war ein Statement für die kulturelle Kontinuität in Basel und eine Erinnerung daran, dass Orchesterarbeit sowohl Tradition als auch Erneuerung bedeutet.