Der Stadtrat von Gossau hat an einer Medienorientierung am Dienstag, 8. September, ein umfassendes Entlastungspaket vorgestellt. Es umfasst nach Angaben der Stadt über 100 Massnahmen und soll den Stadthaushalt um 3,4 Millionen Franken entlasten. Beschlossen ist das Paket noch nicht; die definitive Entscheidung fällt das Stadtparlament im November.
Hintergrund und politische Motivation
Stadtpräsident Wolfgang Giella erklärte zu Beginn der Präsentation, die vorgelegten Vorschläge seien «einschneidende Massnahmen». Gleichzeitig werde der Stadtrat dem Parlament «ganz dringlich» empfehlen, das Paket zu unterstützen. Als unmittelbaren Auslöser nannte Giella die Abstimmung vom 8. März, bei der die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger eine Steuererhöhung abgelehnt hatten. Der Stadtrat interpretiert dieses Ergebnis als klaren Auftrag: Gossau muss einschneidend sparen, so die Devise.
Schwerpunkt Bildung: «Als Pädagoge tut es weh»
Besonders deutlich zeigen sich die Einschnitte im Bereich Bildung. Schulpräsident Stefan Rindlisbacher wies darauf hin, dass der Regelunterricht praktisch nicht angetastet werden könne, weshalb das Sparpotenzial vor allem bei ergänzenden Angeboten liege. Vorgesehen sind Kürzungen und Streichungen in Bereichen, die bislang freiwillig oder ergänzend zum Kernunterricht angeboten wurden.
- Streichung der Hausaufgabenhilfe
- Starke Reduktion der Begabtenförderung
- Kürzungen bei Deutsch als Zweitsprache und Integrationsklassen sowie bei weiteren fördernden Massnahmen
- Reduktion von Teamteaching-Lektionen und Stellvertretungs-Lektionen ausserhalb der Blockzeiten
- Sparmassnahmen bei Lehrmitteln und Verbrauchsmaterial
- Bei Schulskilagern sollen künftig drei statt fünf Lager durchgeführt werden
«Als Pädagoge tut es weh», sagte Schulpräsident Stefan Rindlisbacher und machte deutlich, dass die Qualität in einzelnen Bereichen sinken werde.
Rindlisbacher betonte, Gossau werde durch die Massnahmen nicht mehr den Anspruch einer «vorzüglichen Schule» erfüllen, aber weiterhin eine «gute Schule» bleiben. Er räumte ein, dass Druck in Regelklassen sowie die Belastung für Lehrpersonen steigen dürften.
Weitere Bereiche: Freizeit, Kultur, Infrastruktur
Neben der Bildung nennt der Stadtrat Freizeit, Kultur und Infrastruktur als betroffen Bereiche. Konkrete Detailangaben zu einzelnen Kürzungen in diesen Bereichen wurden in der Medienorientierung nicht vollständig aufgelistet, die Stadt spricht jedoch von «spürbaren Einschnitten». An der Medienorientierung stellten sich Stadträtinnen und Stadträte, darunter Claudia Martin, Helen Alder Frey, Florin Scherrer und Stefan Rindlisbacher, gemeinsam mit dem Stadtpräsidenten den Fragen der Presse.
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Geplante Einsparung | 3,4 Mio. Fr. |
| Anzahl Massnahmen | Über 100 |
| Entscheid | Stadtparlament im November |
Ausblick und Konsequenzen für Gossau
Das vorgestellte Paket zeigt, dass die Stadtverwaltung versucht, den Haushalt ohne Steuererhöhung zu stabilisieren. Die vorgeschlagenen Massnahmen werden in Teilen sichtbare Auswirkungen auf das lokale Angebot haben: weniger Förderangebote in Schulen, weniger Betreuungs- und freiwillige Angebote, veränderte Freizeit- und Kulturangebote sowie Verzögerungen oder Einschnitte bei Investitionen in die Infrastruktur. Welche Massnahmen letztlich umgesetzt werden, entscheidet das Parlament.
Für die betroffenen Personengruppen – vor allem Kinder, Familien, Lehrpersonen und Vereine – stellen die Vorschläge eine konkrete Herausforderung dar. Die Diskussion im Stadtparlament wird zeigen, welche Kompromisse gefunden werden und ob zusätzliche Priorisierungen oder Alternativvorschläge die Auswirkungen abmildern können.
Die vorgeschlagenen Einschnitte markieren einen deutlichen Einschnitt in die kommunale Daseinsvorsorge und bilden den Auftakt zu einer intensiven politischen Debatte in Gossau in den nächsten Wochen.